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2. Mittelaltermärkte
2.1. Berichte

 

    

 Burgfest auf Schloßs Bleckede am 12.08.2007, von Susanne Lohse
EIN GELUNGENER TAG - MIT EINSCHRÄNKUNGEN
Mogelpackung
KERKERESSEN AUF BURG KASTELLAN
MEDIEVAL EMPORIUM 2007 AUF DER WEWELSBURG, 8./9.SEPTEMBER
Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin an Marktveranstaltungen - von Annette "Rachida" Gilges
FOEDERATUS-LAGER IN LIPPSTADT 7-8.07.2007 - von Marcel Bieger
5. SÜLFMEISTERTAGE IN LÜNEBURG VOM 03.10. bis 07.10.07 – von Mondkrähe
HISTORISCHER JAHRMAKRT ZU KOMMERN 22.-30. März 2008 – von Marcel Bieger
Kirkler Mittelaltermarkt 17.05 – 18.05.2008 - von Azar

 

 von Susanne Lohse(12.08.2007)  
 

"MÄRCHEN AUS 1001 NACHT, SIND FÜR DICH ERWACHT" ...



So lautete das Motte des diesjährigen Burgfestes auf Schloßs Bleckede am 12.08.2007. Schloß Bleckede liegt ca. 20 km östlich von Lüneburg direkt an der Elbe und beherbergt ein Museum für Naturkunde und Ökologie. Schwerpunktmäßig war die Veranstaltung wohl für Kinder gedacht und geplant, denn vor der Schloßmauer waren zwei Gartenpavillons mit bunten Stoffen und Kissen zu orientalischen Zelten umgebaut. Hier konnten sich die Kleinen schminken lassen, Basteleien herstellen und sich von einem Märchenerzähler ein Märchen aus dem Orient erzählen lassen. Im Schloßhof war eine Bühne aufgebaut, auf der das Lille-Kartofler-Figurentheater das Märchen "Die Prinzessin auf der Erbse" aufführte. Der Jongleur Rabasius Funkenflug zeigte sein Können mit Keulen, Diabolo, Bällen und Fackeln, alles eingepackt in kleine Geschichten. Das Duo Oriental Mystique aus Lüneburg vollführte zwei Bauchtanzaufführungen.
Soviel zu den Fakten. Wenn nun ein Veranstalter zu einem bestimmten Thema einlädt, dann muß er dafür sorgen, daß die Erwartungen an die Besucher nicht enttäuscht werden. Denn zum Motto "Märchen aus 1001 Nacht", bzw. Orient wurde, außer den Tänzerinnen von Oriental Mystique und den o. a. "Beduinenzelten" nichts, aber auch gar nichts geboten. Weder waren Stände und Marktbeschicker auf das Thema hin ausgewählt (der örtliche Bäcker, der Getränkestand), noch das Kunsthandwerk boten einen Blick auf den Orient. Die Kunsthandwerker kamen aus der Region, hauptsächlich aus dem Wendland, und boten Glasschmuck, buntes pädagogisches Holzspielzeug und anderen Krimskrams an. Auch das Ambiente versetzte nicht in nahöstliche Gefilde, die Stände bestanden aus billigen Baumarkt-Gartenpavillons und langen Tapeziertischen. Einzig eine Schmiedin, die wunderbare Drachen und andere Tiere aus Eisen fertigte, und ein Scherenschleifer boten ein wenig, wenigstens zum Schloß passende, Historie. Die Angestellten des Getränkestandes und an den Eintrittskassen waren in bunte "Urlauberkaftane" gesteckt, wie sie von Ägypten bis Marokko in allen Hotelbasaren feil geboten werden. Wäre nicht eine kleine Gesandschaft des Lüneburger Mittelalterstammtisches in
Gewandung erschienen, man hätte die Veranstaltung auch als Straßen- oder Kinderfest oder Tag-der-offenen-Tür bezeichnen können. Nur die Sonne hatte nach vielen verregneten Tagen ein Einsehen und glühte mit orientalischer Strahlkraft in den Schloßhof und erhitzte die Bühne so stark, dass sich die Tänzerinnen die Fußsohlen verbrannten.

- Susanne Lohse ist Solo-Tänzerin (www.mondkraehe.de)

 

 EIN GELUNGENER TAG - MIT EINSCHRÄNKUNGEN  
 

Mittelaltermarkt auf Schloß Ahrensburg
EIN GELUNGENER TAG - MIT EINSCHRÄNKUNGEN

Am 15. und 16. September 2007 fand ein Mittelaltermarkt von "Kramer, Zunft und Kurzweyl" auf dem Gelände des Ahrensburger Schlosses, ca. 30 km östlich von Hamburg, statt. Das Ahrensburger Schloss ist ein wunderschöner, weiß getünchter Bau aus der frühen Renaissance, umgeben von zwei Wassergräben. Auf dem Damm dazwischen fanden ca. 40 Aussteller genügend Platz für ihre Stände und Buden, so daß man bequem in einem Rundkurs daran entlangziehen konnte. Leider waren von der Stadt Ahrensburg für die Besucher keine Parkplätze ausgewiesen, sodaß wir eine ganze Weile herumfahren mußten, um in einer abgelegenen Seitengasse endlich einen Standplatz für unser Benzinroß zu finden. Denn rund um das Schlossgelände waren sämtliche Seitenstreifen mit Absperrband und Parkverbotsschildern dekoriert. Im Gespräch mit einer Ausstellerin fand ich dann heraus, daß der Veranstalter und die Aussteller von der Stadt dazu verpflichtet wurden, 5 km Straßen wie oben beschreiben zu gestalten. Im Gegenzug hielt es die Stadt Ahrensburg nicht für nötig, ausreichende Parkmöglichkeiten für die Besucher zur Verfügung zu stellen. Selbst für die Aussteller waren keine reservierten Parkplätze vorhanden und so wurde die Austellerin, mit der ich sprach, mit ihrem Gefolge unschön von Anwohnern als "Zigeunerpack" betitelt, weil sie mit ihrem Wohnmobil in einer Wohnstraße campierte. Schade für so eine nette Stadt, daß sie sich hier wenig bis gar nicht engagiert, um sich ein gastfreundliches Gesicht zu geben.
Schwerpunktmäßig ist der KZK-Markt auf historisches Handwerkskunst ausgerichtet, sodaß man hier wenig Komissionsware und Billigramsch findet. Korbflechter, Steinmetz, Schmied, Lederer und Sattler, Musikinstrumentenbauer, eine Weberin, eine Gewandschneiderin und ein Seifensieder, dessen Werkstatt fast schon einer Alchemistenküche glich, gaben dem schönen Schloß einen bunten Rahmen. Eine Wahrsagerin, Gaukler und Jongleure und eine Märchenerzählerin rundeten das Bild ab. Ob der "Guckkasten" der Märchenerzählerin eine Remineszenz an moderne Zeiten sein sollte, blieb mir leider verborgen. Die Idee für ein Märchen (Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein), eine hübsch gestaltete Truhe, ähnlich einer Puppenbühne, mit einer bemalten Leinwand die mit Kurbeln an einem Fenster vorbeigeführt wurde, ist an sich nett, doch unsere Kinder schauen schon genug in viereckige Kästen, so daß man hier vielleicht darauf verzichten kann.
Erwähnenswert waren auch die Musiker, die Gruppe Krless (sic!) aus Tschechien, die mal was anderes spielten als die bekannten MA-Top-10-Charts. Schwerpunktmäßig gaben sie historische Stücke aus Italien und Spanien zum besten, von sanften Liebesliedern bis zu feurigen Tanzstücken. Jeder Musiker ein Virtuose, jeder spielte mehrere Instrumente in absoluter Perfektion. So begeiteten sie auch den Tanz der Marktleute, die mit viel Spaß und Freude höfische Tänze und Reigen vorführten. Später spielten Krless noch am Moccamaker-Zelt (hat eine optisch und lukullisch so wunderbar gestaltete Firma es nötig, sich in DENGLISCH zu vermarkten???), wobei eine spontan aus Düsseldorf angereiste Tänzerin, einen Bauchtanz vorführte. Sie war weder vom Organisator engagiert, noch bekam sie eine Entlohnung für ihre Darbietung. Auch ihr Kleid, eine Mischung aus selbstgeschneidertem Abendkleid und Faschingksostüm paßte nicht zum Anlaß. Hier wäre vom Veranstalter besser darauf zu achten, daß solchen Spontanaktionen kein Raum gegeben wird, und er dafür sorgt, daß orientalische Tanzdarbietungen zum Ambiente passen (Kostüm, Darbietung, Musik) und auch demenstprechend honoriert werden.
Eine Falknerei zeigte noch ihre Vögel in Aktion. Bussarde, Falken, Uhus, Eulen und ein Steinadler flogen in dramatischen Kurven über die Köpfe der Besucher hinweg. Herausragend waren auch die Besucher der Veranstaltung, die größtenteils in liebevoll gestalteter Gewandung kamen. Wenig Standard- und Null-Acht-Fuffzehn-Gewandung, dafür viel Handgefertigtes. Eine ganze Abteilung Ritter in Plattenrüstung ließen nicht nur die Kinderaugen groß werden, sie mussten ständig als Fotomotive herhalten, zumal der Veranstalter (ob gewollt oder nicht) auf Ritterturnier und Schaukampf verzichtete.
Der Eintritt für Nichtgewandete hielt sich mit EURO 5,- in erträglichen Grenzen, Gewandete und Kinder unter Schwertmaß waren frei. Bemängeln muß ich allerdings, und das betrifft nicht nur diesen von mir besuchten Markt, daß die Portionen bei Speis und Trank sehr klein ausfallen, gerade, weil das Preisniveau mittlerweile ziemlich hoch liegt. Alles in allem aber ein sehr schöner, kleiner Markt in hübscher Umgebung.

- Susanne Lohse ist Solotänzerin ( www.mondkraehe.de)

 

 MOGELPACKUNG  
 

MOGELPACKUNG

Vom 28.09. bis 30.09.07 veranstaltete Henning Dopp den "2. Möllner Uhlenspeegelmarkt - Mittelalter und Kunsthandwerk". Den aktiven Marktbeschickern als DAS Großevent im Norden mit Tausenden von Besuchern angekündigt, entpuppte sich der Markt als Mogelpackung.
Von den angeblich vorab geschalteten Anzeigen in allen norddeutschen Zeitungen, im Radio und Regionalfernsehen, konnte keiner der Händler und auch der wenigen Besucher berichten. Großspurige Plakate und Flyer verkündeten über 1000 Ritter und Wikinger, Schaukämpfe, historische Tänze, eine mittelalterliche Feldküche und, und, und...
Was die werten Besucher dann aber für 2,- EUR geboten bekamen, waren windschiefe Plastikgartenpavillons mit Losbuden, Getränke- und Freßsbuden, wie man sie auf jedem Wochenmarkt findet, und eine winzige Abteilung mit sechs historischen Ständen (Schmuck und Amulette, Edelsteine und Räucherwaren, eine Damastschmiede, Beerenweine, eine Met-Taverne, eine Ritterburg mit Katapult-Schußgeräten für die Kinder und eine Wahrsagerin und Märchenerzählerin). Einzig der Kunsthandwerkermarkt in den Räumlichkeiten des Stadthauptmansshofes traf die Realität und die Erwartungen. Leider verirrten sich, trotz Ausschilderung, nur wenige Besucher in die Gebäude, so daß die Aussteller meist auf ihren Waren und Kosten sitzen blieben.
Für Freitagabend war die Band "Highland Rovers" angekündigt, sie spielten im strömenden Regen für ungefähr zehn Besucher (und die Marktbeschicker) ruhige Balladen aus Irland und Schottland. Der anschließend angekündigte Feuertanz mit Beschwörung fiel wegen des schlechten Wetters und mangelnder Besucher aus. Samstag Vormittag noch verkündete der Veranstalter, daß am Nachmittag 600 Wikinger aus Schleswig kommen würden, doch wieder nur leere Versprechungen! Dafür kamen am Nachmittags viele Familien mit Kindern, die sich die Ritter und Wikinger mit ihren Schaukämpfen ansehen wollten, doch enttäuscht zogen sie alle nach wenigen Minuten wieder ab. Es ging das Gerücht, daß "Torfrock" kommen sollten, doch deren Musik gab es nur als Endlosschleife vom Band. Für Abends war die Band "Fun Sun" angekündigt, gekommen ist die Band "Low Budget", sie spielten Rock-Classics vor immerhin ca. 30 zahlenden Gästen.
Der Sonntag mauserte sich, wegen des verkaufsoffenen Tages in der Stadt und des guten Wetters, zum Renner. Viele Gäste und Besucher kamen, sahen und gingen wieder. Als dann am späten Nachmittag "J. D. Mc.T.Bird" einige getragene irische Balladen vortrug, vergraulte sie die letzen, noch verbliebenen Besucher aus dem Stadthauptmannshof. Beim anschließenden Marktabbau, der sich eher als Flucht darstellte, waren einige der nicht-historischen Aussteller äußerst rücksichtslos und fuhren einer Marktbeschickerin das Zelt kaputt. Und für entsprechende Entschuldigungen war dann auch keine Zeit mehr. Da der Veranstalter, Henning Dopp, bereits seinen nächsten Markt vom 30.04. bis 04.05.2008 bewirbt (Met-Markt oder Frühlingsmarkt), sollte jeder der aktiven Aussteller und der passiven Besucher sich vorher im Klaren darüber sein, was einen dort erwarten könnte. – Susanne Lohse ist Solo-Tänzerin (www.mondkräehe.de) 5. SÜLFMEISTERTAGE IN LÜNEBURG VOM 03.10. bis 07.10.07

Die Tradition der Sülfmeistertage geht bis ins späte Mittelalter zurück. Lange vergessen, finden nun seit fünf Jahren wieder Wettkämpfe der unterschiedlichsten Lüneburger Gruppierungen statt. In verschiedenen Disziplinen, die heute längst nicht mehr so lebensgefährlich wie in Mittelalter sind, wird der oder die SülfmeisterIn für ein Jahr gekürt. Höhepunkt nach den Wettkämpfen ist am Sonntag die Kopefahrt durch die Innenstadt Lüneburgs. Hier reitet der oder die neugekürte Sülfmeister(in) an der Spitze eines langen Umzuges von allerlei Gruppen, Vereinen und Organisationen aus dem Großraum Lüneburg, durchmischt mit Fanfarenzügen und Marschkapellen, auf einem Kaltblüter der das Kopefass zieht. Kopefässer dienten früher zum Transport des Salzes, das Lüneburg reich und berühmt gemacht hat.
Zusätzlich zu den bunten Freßbuden in der Bäckerstraße und am Sande, war rund um die Johanniskirche der Sülfmeistermarkt aufgebaut, ein kleiner historischer Markt mit entsprechenden Händlern und Handwerkern. Am Samstag gab es für die Kleinen hier ebenfalls ein Sülfmeisterturnier, das mit einem Diplom honoriert wurde. Der Kiepenkasper kam von weit her und unterhielt Groß und Klein mit seinen Geschichten. Eine Fakir- und Feuershowgruppe aus Quedlinburg, FlammenCo, beeindruckte mehrmals am Tage das Publikum. Trotz der hohen Standgebühren für die Marktbeschicker könnte sich der Veranstalter mehr um die Feinheiten des Marktes bemühen, z. B. einheitliche Öffnungszeiten für alle Stände oder der Regelung der Beleuchtung.
Da die Sülfmeistertage ja noch recht jung sind, blicken wir hoffnungsfroh in die Zukunft, daß sich der Sülfmeistermarkt ausweitet und von Jahr zu Jahr größer und schöner wird.

- Susanne Lohse ist Solo-Tänzerin (www.mondkraehe.de)

 

 KERKERESSEN AUF BURG KASTELLAN - von Shalia  
 

Die Burg in Kastellaun ( im Hunsrück) bietet in ihrem Kerker ein gar sonderlich-schönes Programm - das Kerkeressen.
Es ist für alle gedacht, die mal etwas anders speisen wollen unter gar lustigen Bedingungen. Auf dem Burghof treffen sich die Gäste, die nichts ahnend sich angeregt unterhalten, während der Burgvogt mit seinem Knecht alles beobachtet. Wie aus dem Nichts mischen sie sich unter die Gäste, betören, zanken, provozieren in leisen, aber meist in sehr lauten Tönen.
Das Weibsvolk muss wieder einiges aushalten. Während die Herrn mit Licht vor dem Eingang zum Kerker stehen, dürfen die Weiber nur in einem gewissen Abstand im Schatten weilen. Auch für die Bequemlichkeit der Herren hat der Burgvogt vorgesorgt und schickt vor jedem Mann eine Frau die Treppe hinunter, damit, falls er falle, er auch weich landen möge. Schon die Treppe ist sehr abenteuerlich; unregelmäßige Stufen, nur vom Kerzenschein erhellt, versprechen Abenteuerliches.
Eine Magd nimmt die Gäste in Empfang und wäscht allen die Hände, eine zweite trocknet sie ab. Im alten ( früher genutzten ) Kerkergewölbe stehen grobe Holztische und Bänke. Rustikal gedeckt und nur von Kerzenschein erhellt; in der Mitte die Streckbank, ein vergittertes Kellerloch, Ausschank nebenan ... und ein an einigen Stellen tropfendes Kellergewölbe.
Eine Hexe treibt ihr Unwesen und neckt die erschreckten Gäste. Der Burgvogt hat ebenso Derbes auf Lager und erläutert streng, aber gerecht die Regeln im Kerker, nicht zu vergessen die unbedingt einzuhaltenden Tischmanieren, und ernennt die Tischherren (Tischvogt). Diesen muß unbedingt Folge geleistet werden Für den Fall einer Zuwiderhandlung steht eine prächtige Auswahl an Bestrafungen bereit.
Die Feuershow trägt ebenso zur Kurzweyl bei wie das leckere Essen. Wenn es im Kerker früher immer so zugegengen wäre, dann hätte ich mich freiwillig einsperren lassen!!! Das Kerkeressen ist eine prima Alternative zum Rittermahl. In dem Preise von 24,50 EUR sind die Speisen, die Unterhaltung und Getränke (Bier, Wasser, Wein, Apfelsaftschorle) enthalten.

- (www.kerkeressen-kastellaun.de) - Shalia ist seit vielen Jahren in der Tanz- und in der Mittelalterszene aktiv.

 

 MEDIEVAL EMPORIUM 2007 AUF DER WEWELSBURG, 8./9.SEPTEMBER  
 

von Stamm Khamsin

Diether von den Freyen Söldnern zur Lippe hatte uns, Stamm Khamsîn, zum von den Foederatus organisierten Mittelaltermarkt beim Medieval Emporium am Fuße der Wewelsburg eingeladen. Am 08. und 09. September sollte es soweit sein. Durch das Internet geisterten bereits Berichte von der Überschwemmung der Festwiese, die den ungewohnten Regenfluten in diesen Wochen nicht trotzen konnte. Der Veranstalter blieb jedoch fest: Alles sollte wie geplant stattfinden.
Unseren Erfahrungen mit nassen, kalten Mittelaltermärkten folgend, gönnten wir uns ausnahmsweise die Buchung trockener, warmer Unterkünfte mit fließendem Wasser in nächster Nähe zum Veranstaltungsgelände. Sobald die Buchungsbestätigung eintraf, konnten wir uns uneingeschränkt auf das kommende Event freuen.
Die Anreise war bereits am vorhergehenden Freitag (07.09.07) eingeplant. Am späten Nachmittag wurde die Vorhut von einer völlig regendurchweichten, matschigen Wiese empfangen. Da macht ein Aufbau noch mal soviel Spaß!
Während wir uns ein Ambiente- und ein Proviantzelt sowie ein leidlich dichtes Vordach aufbauten, wurde um uns herum ebenfalls fleißig gewerkelt. Bereits jetzt gab es einen Soundcheck auf der nahe gelegenen Musikbühne. Unser Markt-Lager befand sich in unmittelbarer Nähe des Festival-Geländes. Die Wewelsburg ragte beeindruckend über die Festwiese hinaus, und bot eine einmalige Kulisse für diese mittelalterliche Veranstaltung.
Am Samstagmorgen trafen wir uns in unserem Lager wieder, und halfen zunächst wie auch zahlreiche andere Festival-Teilnehmer, die Hauptwege mit Stroh auszustreuen, um überhaupt eine Chance zu bieten, sich auf dem nun auch noch durch den Aufbau geschädigtem Gelände fortbewegen zu können.
In der Mittagszeit spielten die ersten Bands auf dem Festival-Gelände auf. Wir hatten in unserem Lager Plätze in der ersten Reihe, und freuten uns über die Darbietung. Dem dauernden Regen zum Trotz genossen wir das Marktgeschehen, probierten ausgefallene Met-Sorten von Vanille-Met über Lakritz-Met bis hin zu Chili-Met, genehmigten uns Kirschbier und genossen die Vielfalt der mittelalterlichen Speisen, während wir an den Marktbuden entlang flanierten. Die Stände waren wohl ausgewählt, sehr vielfältig, interessant und reichhaltig. Für jeden Gaumen und jedes Portemonnaie war etwas dabei, und wir begeisterten uns für ausgefallenen Lederschmuck. Wir lauschten derweil den SCHIMMELREYTHERN und NACHTGESCHREI als Mittelalterbands mit Potential und Druckvermögen.
Den Tag über boten die Foederatus eindrucksvolle Ritterkämpfe, und wagemutige Marktbesucher konnten sich im Bogenschießen üben. Gegen Nachmittag angelten wir uns die Spielleute der Gruppe DUNKELSCHÖN, die sich gerne bereit erklärten, unseren Auftritt auf der großen Wiese zu begleiten. Schnell entschlossen boten wir einen klassischen American-Tribal-Style Auftritt mit Führungswechsel, so daß jede Frau einmal vorne stehen durfte, um ihre liebsten Bewegungen einzubauen. DUNKELSCHÖN unterstützten uns dabei mit bester dynamischer Mittelaltermusik.
Während unseres Auftrittes hielt der Regen inne, und uns war sogar ein Sonnenstrahl vergönnt.
Auf dem Festivalgelände gaben sich die nächsten Kapellen die Ehre, während auf dem Markt gemütliche Stimmung Einzug hielt. Der Name ADORNED BROOD, eine Band aus Grevenbroich war uns neu, sie läutete den Abend mit Black-Metal ein. Die dem Wetter trotzenden Gäste wurden dann für ihr Durchhaltevermögen mit POTENTIA ANIMI belohnt. Mit schnellen Songs, einem schönen lyrischen Gesamtkonzept und einer beeindruckenden Stimme von Frontfrau Sandra Schleret überzeugte ELIS danach das Publikum auch weiter durchzuhalten.
Langsam wurden die Kerzen entzündet, und mehr Lagerfeuer entflammt. Man zog sich vor dem Regen zurück unter seine Vorzeltplanen, und holte den wärmenden Met hervor. Unsere sechsarmige Shisha zog immer wieder Gäste in unser Lager, und zu fortschreitender Stunde konnte wir einem jungen Pärchen Obhut gewähren, welches die Auftritte ihrer Lieblings-Bands gerne aus nächster Nähe auf einem Strohballen sitzend genießen wollte. Zum krönenden Abschluss spielten TANZWUT auf. Die Leute tanzten ausgelassen vor der Bühne.
Der Abend ging im wahrsten Sinne des Wortes feucht-fröhlich zu Ende. Die Stimmung auf dem Markt war sehr angenehm. Die Leute waren entspannt und hatten offensichtlich Spaß an der Sache. Man fühlte sich einfach willkommen.
Der Sonntag brachte uns neben noch mehr guter Musik vom Festivalgelände auch besseres Wetter. Wir waren einmal mehr dankbar für unsere alternativen Herbergen, die uns die Möglichkeit boten, nach einer warmen Dusche in frische Mittelaltergewandungen zu schlüpfen, nachdem unsere Kleidung vom Vortrag bereits mit Schlamm vollgesogen war. Während die Sonne nun forscher durch die Wolkenberge schaute, tätigten wir fröhlich Einkäufe auf dem Markt, oder tanzten ausgelassen vor der Musikbühne. Ein Tribal-Stamm aus Lippstadt, die Tänzerinnen um Nur el Záman, fand sich an diesem Tag ebenfalls auf dem Markt ein. Die Frauen hatten bereits an einer früheren Veranstaltung der Foederati teilgenommen, und waren Diethers Einladung genauso wie wir gerne wieder gefolgt, da Foederatii-Märkten eine sehr angenehme, freundschaftliche Stimmung eigen ist, die man sonst nicht auf jedem Mittelaltermarkt finden kann.
Ganz im Sinne der freundschaftlichen Zusammenarbeit fanden sich bald alle Tänzerinnen von Stamm Khamsîn sowie der Lippstädter Tribal-Gruppe vor der Bühne auf dem Festival-Gelände ein, um gemeinsam ausgelassen zu tribaln. Dank besserem Wetter trauten sich nun mehr Besucher auf den Markt, was letzten Endes zumindest für die Veranstalter des Mittelaltermarktes zu einem Erfolg führte.
Die erste Band des Tages war bereits ein Genuss: OBSCURATIS. Sehr schöne mittelalterliche Impressionen mit viel Charme vorgetragen. Danach folgte eine Band, die auch schon auf dem Burgfolk Festival in Mühlheim voll überzeugt hatte: RAPALJE aus den Niederlanden. Von ruhigen Balladen bis hin zu fetzigen Folk-Songs überzeugt RAPALJE mit einem tollen Repertoire. Eine echte Live-Band mit Qualitäten und dazu dem Publikum sehr nahe und zugänglich. Die Künstler begeisterten mit Aktionen, während sie von der Bühne herabstiegen und unten im Publikum weiterspielten.
Die nächste Band war CRADEM AVENTURE, die ganz offensichtlich mit den technischen Gegebenheiten zu kämpfen hatten und deren Sound nicht so wie geplant rüberkam. Danach eroberten DUNKELSCHÖN mit mittelalterlichen Instrumenten wie Nickelharpa, Harfe, Calimba und vielem mehr die Herzen der Zuhörer. Frontfrau Vanessa Istvan zeigte gekonnt, mit welcher Power sie sowohl die verschiedensten Flöten als auch die Bühne beherrschte. ERIC FISH, bekannt als Sänger von „Subway to Sally“, kam mit seinem Soloprogramm und ruhigen aber eingängigen Klängen daher. Vielen ging es dabei ähnlich wie uns: Sie empfanden diese sehr ruhige Stelle irgendwie fehlplaziert. Hiernach folgte WELTENBRAND aus Liechtenstein mit eher dunkleren Klängen.
Dann steigerte sich das Programm an Lautstärke und Fun-Faktor mit einer Band, die auf keinem Mittelaltermarkt fehlen darf: CULTUS FEROX, deren Frontmann auch mit Krücke noch ordentlich einheizen konnte. Der Genuß von CORVUS CORAX ging dann leider im allgemeinen Abbau-Getümmel unter, was sehr bedauerlich war, aber in der Dämmerung begannen die ersten Marktstände mit dem Abbau, und wir taten es ihnen bald gleich, hatten doch einige von uns Verpflichtungen am Montagmorgen. Das nun durchnäßte Lager im Dunkeln abzubauen, und für die Verstauung der nassen und verschmutzen Gegenstände zu sorgen war kein großer Spaß, jedoch konnten wir nach einigen Stunden gemeinschaftlicher Arbeit alle Richtung Zuhause aufbrechen. Immer noch begleitet von der Musik vom Festivalgelände.
Bereits kurz nach der Veranstaltung erreichte uns eine E-Mail von Diether, in der er uns für unsere Unterstützung an der Wewelsburg dankte.

- Stamm Khamsîn www.khamsin-tribal.de

 

 WENN AUS TRÄUMEN WIRKLICHKEIT WIRD  
 

Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin an Marktveranstaltungen - von Annette "Rachida" Gilges

Manchmal träumen Menschen von bestimmten Dingen, wagen sich aber nicht konkret an die Umsetzung dieser Ideen. So ging es mir lange Zeit. Mein Herzenswunsch war es, mit unserem Stamm Qamar-âjalat eine mittelalterliche Veranstaltung zu bereichern. Während der orientalischen Nacht 2006 auf dem Schloss Alsbach bot uns Reinhold Wahler die Teilnahme bei zwei von ihm organisierten Märkten im Jahr 2007 an. Vorweg bemerkt: „Ich habe die Zusage nicht bereut!“
Obwohl − etwas verrückt muß man dafür schon sein. Als gewandete Besucher solcher Ereignisse hatten wir eine vage Ahnung davon, welche Arbeiten nötig sein würden, um das zu verwirklichen. Unter anderem war ein Zelt, das in diesen Rahmen paßt, Bedingung für eine Teilnahme. Nicht alle Stammes-Mitglieder wollten oder konnten so eine Zeitreise mitmachen. Der „harte Kern“ bestand schließlich aus fünf Tänzerinnen und drei Trommlern. Dank e-bay fand sich ein bezahlbares, rustikales Zelt. Unsere Wohnmobile wurden für die Einsätze bis unter die Dächer bepackt. Mit genügend Zeit und einer guten Planung waren die beiden Wochenenden auf der Homburg und der Trimburg eine wunderbare Erfahrung.

Wer das üppig ausgestattete Zelt öffnete, betrat eine andere Welt. Auch wir vergaßen ganz schnell, wieviel Schweiß das Ganze gekostet hatte. Reinhold stellte seine zwei Märkte mit viel Liebe zusammen und sorgte bestens für Darsteller und Händler. So trafen unterschiedliche Menschen aufeinander, die sich im Marktgefüge ausgezeichnet ergänzten. Es war ein Vergnügen, mit den Gruppen Dunkelschön und Unis Cornus gemeinsam zu musizieren und zu tanzen.
Der Kontakt zu den Besuchern, bei den Einzügen aller Akteure und den Auftritten während des Marktes, war immer ein Höhepunkt.

Das dritte mittelalterliche Fest im Jahr 2007 bestritten wir in unserem heimatlichen Schloß Alsbach − eine Jubiläums-Veranstaltung der Ritterschaft zum 10-jährigen Bestehen. Auch hier galt das Motto: „klein, aber fein“! Endlich hatte ein Freund mit seinem Didgeridoo Zeit für eine Teilnahme, was die ganze Sache abrundete. Dazu kamen die Musiker von Tumultus Simplex, Knud Seckel mit Gruppe und den Spielleuten von Mabakus. Trotz enormer Hitze tanzten und trommelten wir, weil es uns einfach mitriß. Befreundete Tänzerinnen des Stammes Ajowan aus Schaafheim kamen zu Besuch, sie unterstützten die „Übriggebliebenen“, was beim Publikum und auch den Marktleuten sehr gut ankam.

Ja, wir waren nur noch zu dritt. Zwei unserer Frauen hatten nach dem ersten Wochenende leider die Lust verloren: Die eine aus Liebeskummer, die andere fühlte sich benachteiligt und vermißte die sanitären Segnungen der heutigen Zivilisation. Mißverständnisse, falsche Vorstellungen sowie unterschiedliche Meinungen kommen bei solchen Aktivitäten immer wieder zum Vorschein. Für mich war klar, das sind Wochenenden welche viel Energie erfordern, aber keine Gelegenheit das Einkommen aufzubessern. Die Bezahlung ist nur als kleine Aufwandsentschädigung zu begreifen. Sie richtete sich in unseren konkreten Fällen nach den jeweiligen Besucherzahlen der Veranstaltungen. Die anfallenden Arbeiten konnten/wollten nicht alle leisten, so daß die Entlohnung, entsprechend angepaßt, verteilt wurde. Da von den verbliebenen Frauen eine gleichzeitig Standbetreiberin war, bewältigten wir einen großen Teil der Auftritte zu zweit und stellten fest, das dies auch seine Vorteile hat. Die Absprachen sind leichter, es gibt keine Mißverständnisse und alle anfallenden Tätigkeiten gingen deutlich ruhiger von statten als in einer größeren Gruppe.

Gemeinsam mit unseren Trommlern von Le Groupe Tam Tam, wurden wir zum eingespielten Team. Eine positive Entwicklung, mit der wir gut leben können. Alle anderen Mitstreiter/innen des Stammes sind in Zukunft, als gern gesehene Gäste willkommen.

Anfragen von interessierten Frauen während der Märkte bescherten dem Stamm außerdem eine neue Tänzerin, die sich in unserer Mitte sehr wohl fühlt
Für das Jahr 2008 sind wieder drei Teilnahmen an Veranstaltungen geplant, mehr nicht. Schließlich soll es ja weiterhin Freude machen und nicht in Stress ausarten. Ich hoffe auf gutes Gelingen und freue mich schon auf weitere Erfahrungen mit Menschen, die offen sind für Begegnungen bei Musik und Tanz.

- Annette "Rachida" Gilges ist die Mutter des Stammes Qamar - âjalat

 

 FOEDERATUS-LAGER IN LIPPSTADT 7-8.07.2007 - von Marcel Bieger  
 

FOEDERATUS-LAGER IN LIPPSTADT 7-8.07.2007 - von Marcel Bieger

Lager und Markt in Lippstadt (respektive auf einem Bauernhof) bei Paderborn stellen in diesem Jahr einen der beiden Höhepunkte der Foederatus-Bewegung dar. Diese Gruppe verbreitet sich über die ganze Osthälfte von NRW, greift aber auch auf die angrenzenden Bundesländer über.
Wenn der Foederatus zu seinem großen Sommerlager ruft, strömen sie aus allen Richtungen herbei, die Mitglieder und Freunde. Und so kann man das Programm weitgehend aus eigenen Kräften bestücken. Neben dem traditionellen Umzug am Freitagabend und dem am Samstagmorgen zur feierlichen Eröffnung, gab es in diesem Jahre "olympische Ritterspiele" mit allerlei Waffen- und Geschicklichkeitsdisziplinen. Neben beeindruckenden Leistungen ließ sich dabei auch erkennen, wer mal wieder vergessen hatte, daß er auch aufgestellt werden sollte. Abends saß man bei milder Luft und Lagerfeuer noch viel zu lange zusammen, tauschte Neuigkeiten aus und schmetterte alte Lieder.
Tagsüber spielten "Sonor Teutonicus" auf und verstanden es immer wieder, mit kräftigen Rhythmen Begeisterung zu erwecken. Gefallen wollte aber auch, daß diese Kapelle immer zur Stelle war und sich nicht nach dem Abspielen von einer Dreiviertelstunde vornehm zurückzog. Daneben ist zu vermelden, daß Orientstände (meist Kleider und Spetzereien) immer häufiger zu sehen sind, so auch hier, und die Tänzerinne von Nur-el-Zaman die Musikdarbietungen rhythmisch untermalten, aber auch sonst viel zur Farbgebung und zur Show in der Schau beitrugen, beispielsweise bei den Umzügen, oder wenn sie als versöhnliche Engel des Friedens zwischen die feindlichen Reihen in der (gespielten) Schlacht tanzten und die Kontrahenten so zur Besinnung brachten. Der Foederatus gehört überhaupt zu den ersten im Lande, die ihre Veranstaltungen mit Tribal-Tänzerinnen schmücken und das auch gern fortführen (s.a. den Beitrag des Stammes Khamsin MEDIEVAL EMPORIUM in dieser Rubrik.)
Das ganze zu wirklich zivilen Preisen, nein, an den Foederatus-Märkten kann man wirklich nicht meckern.

- Marcel Bieger ist freier Publizist und Mitherausgeber des ORIENTAL COSMOS
(s. "Wir über uns").

 

 5. SÜLFMEISTERTAGE IN LÜNEBURG VOM 03-07.10.2007  
 

5. SÜLFMEISTERTAGE IN LÜNEBURG VOM 03.10. bis 07.10.07 – von Mondkrähe

Die Tradition der Sülfmeistertage geht bis ins späte Mittelalter zurück.
Lange vergessen, finden nun seit fünf Jahren wieder Wettkämpfe der unterschiedlichsten Lüneburger Gruppierungen statt. In verschiedenen Disziplinen, die heute längst nicht mehr so lebensgefährlich wie in Mittelalter sind, wird der oder die Sülfmeister(in) für ein Jahr gekürt.
Höhepunkt nach den Wettkämpfen ist am Sonntag die Kopefahrt durch die Innenstadt Lüneburgs. Hier reitet der neugekürte Sülfmeister an der Spitze eines langen Umzuges von allerlei Gruppen, Vereinen und Organisationen aus dem Großraum Lüneburg, durchmischt mit Fanfarenzügen und Marschkapellen, auf einem Kaltblüter der das Kopefass zieht. Kopefässer dienten früher zum Transport des Salzes, das Lüneburg reich und berühmt gemacht hat.

Zusätzlich zu den bunten Freßbuden in der Bäckerstraße und am Sande, war rund um die Johanniskirche der Sülfmeistermarkt aufgebaut, ein kleiner historischer Markt mit entsprechenden Händlern und Handwerkern. Am Samstag gab es für die Kleinen hier ebenfalls ein Sülmeisterturnier, das mit einem Diplom geehrt wurde. Der Kiepenkasper kam von weit her und unterhielt Groß und Klein mit seinen Geschichten. Eine Fakir- und Feuershowgruppe aus Quedlinburg, FlammenCo, beeindruckte mehrmals am Tage das Publikum.
Angesichts der hohen Standgebühren für die Marktbeschicker könnte sich der Veranstalter mehr um die Feinheiten des Marktes bemühen, z. B. einheitliche Öffnungszeiten für alle Stände oder der Regelung der Beleuchtung. Aber da die Sülfmeistertage ja noch recht jung sind, blicken wir hoffnungsfroh in die Zukunft, daß sich der Sülmeistermarkt ausweitet und von Jahr zu Jahr größer und schöner wird.

- Mondkrähe ist Solo-Tänzerin   www.mondkraehe.de

 
 HISTORISCHER JAHRMAKRT ZU KOMMERN 22.-30. März 2008  
 

HISTORISCHER JAHRMAKRT ZU KOMMERN 22.-30. März 2008 von Marcel Bieger

Zum wiederholten Male fand im Freilichtmuseum Kommern der historische Jahrmarkt statt, der sich von den anderen historischen Märkten durch seine Eigenheit abhebt. Hier zeigt man dem staunenden Publikum nämlich, wie es zu Kaisers Zeiten auf einem Jahrmarkt zuging. Da spazierten die Herren Offiziere mit ihren Damen, da wachte das Auge des Gesetzes streng darüber, daß alles seine Ordnung hat, da fuhr der Pferdebus, da ächzte die Dampfmaschineund da gab es allerlei Volksbelustigung. Solch ein Ereignis zog die Massen an, denn es gab ja noch nicht die heute üblichen Zerstreuungen. Radio, Fernsehen und Internet – daran dachte man noch nicht im Traum, und selbst das Kino brauchte noch ca. 10 Jahre, um in Hollywood zur Marktreife zu gelangen.
Militär mit Desmoiselle die Desmoiselles junge Damen








Doch die Photographie war schon erfunden, und das, was diese noch monströsen Kästen auf die Platte bannten, wurde ebenfalls als Attraktion auf Jahrmärkten herumgezeigt und galt als „dernier cri“, als letzter Schrei (in jenen Tagen sprach man noch französisch, wenn man als „von Welt“ gelten wollte, das Englische mauserte sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg zur Weltsprache).
Das Weltpanoptikum zeigte Erstaunliches, Entsetzliches und Ergötzliches aus aller Welt. 7 Weltpanoptikum 13 Warnung am Weltpanoptikum 27 Staunen  am Weltpanoptikum







Ob das schon Umweltbewußtsein war, sei dahingestellt: der „Alträucher“ zog mit seinem Karren durch die Straßen und schrie „Alteisen, Lumpen, Papier“, woraufhin die Leute ihm das brachten, was sie ansonsten fortgeworfen hätten. Der „Alträucher“ (später nannten man ihn „Schrotthändler“) lebte ganz gut von seinen Sammlungen, denn spezifische Rohstoffknappheiten kamen immer wieder vor, und nicht bei jedem Wertstoff gelang es der chemischen Industrie (in der Kaiserzeit die „Zukunftsindustrie“ schlechthin, sie hatte die Stahl- oder Schwerindustrie abgelöst) einen adäquaten Ersatz zu finden – obwohl sie überaus findig war. 10 der Altraeucher






Zwei Sketche zeigen Rechtsverständnis zu Kaisers Zeiten: Im vergangenen Jahr liest der Herr Offizier in der Zeitung vom „Hauptmann von Köpenick“ und ist empört von dem Vorfall, doch der Zivilist ihm gegenüber zeigt sich eher belustigt. Worüber die beiden in Streit geraten. Der herbeigerufene Gendarm (Polizist) versucht nicht etwa zu schlichten, sondern verhaftet den Zivilisten wegen Beleidigung einer Amtsperson (des Offiziers) und führt ihn ab. 24 Koepenickade Gendarm nimmt Personalien auf 8 Koepenickade Abfuehren









2008 meldet sich eine leibhaftige Suffragette auf dem belebten Markt zu Wort (eine frühe Frauenrechtlerin) und fordert unter dem Gejohle der Umstehenden das Wahlrecht für Frauen. Als sie dann noch das „Lied der Deutschen“ anstimmt (unsere heutige Nationalhymne), allerdings mit verändertem, frauenrechtlerischen Text, kommt wieder der Herr Gendarm, nimmt sie fest und führt sie trotz Gegenwer ab. Wie uns die Darstellerin später berichtet, mußte sie wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ eine Geldstrafe von „einer Mark und 50 Pfennigen“ bezahlen, für sie, eine Wandernäherin, mehr als ein Tageslohn. 23 die Suffragette 25 die Suffragette ein oeffentliches Aergernis wird abgefuehrt









Wem es zu Fuß zu beschwerlich war, der fuhr mit dem Pferdebus, innen ganz kommod mit Ledersitzen eingerichtet, und oben an frischer Luft und mit erhöhter Aussicht, aber eben auf Holzsitzen. 17 der pferdebus 15 blick in den pferdebus









Noch eleganter ging es da im Speisewagen zu, einem Salonwaggon, den man hier abgestellt hat. 9 im Speisewagen







Es gab aber auch schon das Fahrrad, das natürlich Lichtjahre von den heutigen Wunderwerken entfernt war, die mit ihm nur noch den Namen teilen. Immerhin, der Reifendurck hatte 24 Atü“ zu betragen, und für das Licht sorgte eine Karbidlampe, die unabhängig von einer Batterie brannte, dafür aber geruchsintensiv war. Eine Militärperson im ganz modernen Feldgrau – das eigentlich jedoch nur zu Kriegszeiten getragen werden durfte – zeigt uns hier vorschriftsmäigen Gebrauch. 2 vorschriftsmaessiger Sitz auf dem Fahtrrad 5 vorschriftsmaessiges Stehen am Fahrrad









Spaß für Jung und Alt das Riesenrad (auch heute noch eine Attraktion), die Desmoiselles (die Fräuleins) lassen sich von ihren Kavalieren zur Gondel führen und nach der Fahrt wieder heraushelfen. 11 das Riesenrad







Brot und Zuckerwerk von vor hundert Jahren finden sich im Angebot des Kaiser-Jahrmarkts, aber auch Seifen und Spezereien. Daneben eine Waschschüssel zum Ausprobieren der Seifen. Ja, so hat man sich gewaschen, als es noch kein Wasser aus der Leitung gab: man beugte sich über eine Schüssel, die man aus einem Krug mit Wasser füllte, und wusch sich dann. Wollte man heißes Wasser, mußte man dieses kochen und eimerweise zu Zuber oder Zinkwanne schleppen. Wenn der letzte kam, was das Wasser aus dem ersten schon nur noch lauwarm. Eine ebenso mühsame wie zeitraubene Tätigkeit, weswegen man es dann beim einmaligen Baden pro Woche beließ – wo dann auch noch aus Effektivitätsgründen die ganze Familie in die Wanne mußte. 26 seifen 19. Spezereien 16 die waschschuessel









Längst war nicht die Mehrzahl der Krankheiten im Griff, aber die Medizin hatte in den zurückliegenden Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Doch „Arzenei“ (Medikamente) war teuer, und so war mancher geneigt, den verlockenden Worten eines Wunderheilers Glauben zu schenken, dessen „Wundertinktur“ so gut wie alle Gebrechen heilte und auch noch Lahme sehen und Blinde gehen machte. 6 der Wunderheiler mit den Wundertinkturen







Und über allem wacht Seine Majestät, SM wie er von denen, die bei Hof verkehrten, genannt wurde. Man war stolz einen Kaiser zu haben, und nicht umsonst hängt sein Portrait über dem Eingang. 3 der Kaiser Wilhelm II.









Die Darsteller entstammen den Gruppen mit folgenden Homepages:
www.facing-the-past.com (hat gleichzeitig auch die Aufführung der Sketche inne)
www.historische-uniformen.de
Die Seite des lvr kommern (landschaftsverband) ist eher für den geübten Benutzer, deswegen hier gleich der link zum Freilichtmuseum:
http://www.facing-the-past.com/Perioden/Kommern_1907/kommern_1907.html
Und wer schon einmal dort ist, sollte sich auch gleich die zurecht x-mal verlängerte Ausstellung „Wir Rheinländer“ ansehen, die im Eintrittspreis inbegriffen ist. Höchstes Lob für jetzt schon zwei herausragende Nachmittage gilt allen „historischen“ Darstellern und ganz besonders Dr. Martin Klöffler.
- Marcel Bieger ist Redakteur des „Oriental-Cosmos“.

 
 Kirkler Mittelaltermarkt 17.05 – 18.05.2008 von Azar  
 

Kirkler Mittelaltermarkt 17.05 – 18.05.2008 von Azar

Der Kirkler Markt ist ein kleiner, aber feiner Markt. Der Weg zur Burg verläuft sehr steil und deshalb ein wenig beschwerlich. Man kommt ganz schön ins Schnaufen, vor allem wenn man so viel Schmuck mit sich herumschleppt wie wir … aber dann …
Links erwartet einen der Burgturm, und rechts reihen sich die Markstände aneinander. Er gibt alles zu kaufen, was ein mittelalterbegeistertes Herz höher schlagen lässt. Wir finden direkt Beachtung, weil die vielen Glöckchen an unserem Tribaloutfit unser Kommen ankündigen. Da Kirkel so etwas wie unsere Heimatburg ist, werden wir sehr herzlich empfangen und begrüßt. Wir müssen öfter stehenbleiben, weil uns Gäste photographieren wollen.
Die Atmosphäre ist sehr gut, da alles so eng beieinander ist. Es werden verschiedene Aktivitäten angeboten. „Saltarello“ und die „Freyen Spielleut Kirkel“ wechseln sich mit den musikalischen Darbietungen ab. Es wird vor der Taverne, vor der Bühne und vor dem Metstand gespielt. Mitmachtheater von Laurent Schneider und die Feuershow von Markus Bastian bilden ihre eigenen Höhepunkte.
Es wird gelagert, und da das Wetter so schön ist, kann man sich überall auf den Wiesen zu einem Plausch niederlassen. Bevor wir auftreten, begeben wir uns in einen Kreis und stärken uns mit einem Stammesritual (ein Gebet und Met für uns unsere Göttin).
Also angekommen, abgesprochen, losgelegt. Als wir merkten das Stroh zwar gut zum Laufen, aber schlecht zum Tanzen ist, weg mit den Schuhen und barfuß getanzt. Unser Auftritt beginnt schon vor der Markteröffnung mit den Freyen Spielleut Kirkel. Die gemeinsamen Proben haben sich gelohnt und wir einen guten Einstieg. Die Kritik für uns ist durchweg positiv.
Nach ein paar winzig kleinen Patzern, die aber unserer Laune keinen Abbruch tun, denn wir können über uns selbst lachen, klappt alles wunderbar. Der Funke springt sofort auf die Leute über. Es macht einen solchen Spaß zu tanzen. Wir verstehen uns oft nur mit den Augen. Der Zusammenhalt unserer Gruppe ist einfach nur schön.
Um 14.00 Uhr ist Markteröffnung, und es werden die Regeln für den Markt erklärt, dann folgt unser erster offizieller Auftritt… Irgendwie sind wir ständig am Tanzen an diesem Tag. Zwischendurch machen wir uns noch mit Saltarello bekannt. Eine Gruppe, die sehr sympathische Mitglieder hat. Ein weitere Grund für uns, ein bißchen aufgeregt zu sein ist, daß unsere Bauchtanzlehrerin ein Auge auf uns wirft.
Der nächste Tag verspricht kein so gutes Wetter, aber nachdem wir die Sonne her und den Regen weggetanzt haben, bleibt es doch tatsächlich bis Abends relativ trocken. Danach jedoch, zum Glück zum Marktende, schüttete es dann wie aus Kübeln. Noch ein Highlight für die Kinder und uns ist sicher ein Kreistanz mit faribaa. Ein kleines, hartnäckiges Mädchen fordert sich einen Tanz und wir folgen.
Sonntag besuchten den Markt Mitglieder befreundeter Stämme. Wir nehmen die Gelegenheit wahr, uns nett zu unterhalten und Termine auszutauschen. Die Bewirtung übernahm zum großen Teil die Gemeinde Kirkel.
- Azar ist Mitglied des Stammes „Faribaa“ (www.faribaa.de)

 


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