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4. Events
4.1. Berichte

 

4.1. 1  Gala Abend des Orient Pur Festivals Erftstadt - 1. September 2007   
4.1. 2  WAS DARF TRIBAL?
4.1. 3 "ZAHIRA & FRIENDS"-Tanzshow, 10. Juni 2007
4.1. 4 Frauentanzfest Linz, 14. 4. 2007
4.1. 5 "Wos da ma? Ka Auhnung! Probier ma´s aus!"
4.1. 6 "HEXENFEST" DER AJOWAN IN SCHAAFHEIM
4.1. 7 „Tribal ohne Grenzen“, 23.-25. Feb 2007 - von Shazadi
4.1. 8 „DAS SALZ DES OT“ Weihnachtsfeier von Apsara Habiba
4.1. 9 ORIENT DESASTER 3, Düsseldorf, den 27. Oktober 2007
4.1.10 LADINA & FRIENDS – Die Große Orient Benefiz Gala 25.1.2008 in Lemgo
4.1.11 FRAUENTANZFEST LINZ-HARBACH 2008 von Sylvia Sophia
4.1.12 7.Orientalisches Sommertanzfest, Juni 2008 in Kamp Lintfort
4.1.13 ORIENTALISCHE NACHT am 23.05.2008 der VHS-Reinbek/Sachsenwald - von Mondkrähe
4.1.14 KHAN EL KHALILI FEST in Hamburg-Wilhelmsburg, 27.Septemer 2008 - von Mondkrähe
4.1.15 Anmerkungen zur Gala-Show „ODDA 2008“ in Linz (A) am 24.05.2008 von Rita F. und Marcel Bieger
4.1.16 „UNI GOES ORIENTAL“ – 2. Osnabrücker Orienttage 21. Juni 2008 von Marcel Bieger
4.1.17 „The Spirit of Tribaldance - 2.Tribaltreffen auf der Schönburg 13.-15.06.08 Schönburg in Oberwesel

 

 von Mira Lob(01.09.2007)  
 

Gala Abend des Orient Pur Festivals Erftstadt - 1. September 2007 ...



Nach einer herzlichen Begrüßung durch das Veranstaltertrio André Elbing, Wael el Sayed und die Tänzerin Nilufar, sowie den Vize-Bürgermeister von Erftstadt, führte André Elbing das Publikum, in der schön geschmückten Aula der Gottfried Kinkel Realschule, durch den bunten Abend.
Dieser sollte für das zahlreiche Publikum verschiedenste Tänze aus den unterschiedlichen Regionen des Orients, des nahen und fernen Ostens, der Gegenwart wie auch der Vergangenheit, bereithalten.
Sejya Die Gala eröffnete die Tänzerin Seiya mit einem sehr romantischen Violin-Stück das sie orientalisch, mit Kerzentablett auf dem Kopf, und Rosen interpretierte. Dieses Intro steigerte sich in ein zweites Stück, eine spannend und kontrastreich getanzte Fantasy-Mischung aus slawischer Folklore und Bauchtanz, was den gelungenen Auftakt für den insgesamt sehr abwechslungsreichen Tanzabend stellte.
Benat Kom Ombo Benat Kom Ombo, der Tribalstamm Dunyazades, verwandelte anschließend mit ihrem beliebten Gipsy-Tribal, sowie Pois aus Bändern nebst bunten Tüchern, die Bühne in ein wahres Feuerwerk aus Farbe, Licht und Lebensfreude. Der Stamm bewies wieder einmal wie begeisternd die gekonnte Melange aus slawischen Elementen und Tribal wirken kann. Ennussah
Die gute Stimmung seitens des Publikums wurde von Enussah aus Nürnberg weiter getragen, als sie zunächst mit Shamadan (brennendem Kerzenleuchter auf dem Kopf) und im üblichen, geschlosseneren Kostüm die Bühne betrat. Den Shamadan-Tanz, der im orientalischen Raum gern zu Hochzeiten getanzt wird, präsentierte sie absolut brillant, dabei fröhlich und mit sehr viel Schwung und Ausdruck.
Ennussah Zur allgemeinen Verwunderung und Begeisterung legte sie danach nicht nur den Leuchter sondern auch einen Teil ihres Kostüms ab, das sich als bald in ein offeneres klassisches Bauchtanzkostüm verwandelt hatte. Diese besondere Raffinesse und Koketterie brachte ihr einen Zwischenapplaus ein, unter dem sie ihre Darbietung mit einem begeisternden klassischen Bauchtanz weiterführte. Shahazad Chandrakala
Daraufhin verzauberte Shahrazad mit ihrem Tribalensemble den Saal. Ganz in Weiß und Gold gekleidet, zeigte sie ihre bekannte und wundervolle Performance mit sehr langen, spitzen, goldenen Fingerspitzen, die an die Darstellungen der Tempeltänzerinnen im indonesischen Raum erinnern. Durch die moderne experimentelle Musik, wirkt dieser exotisch anmutende Tribal-Stil sehr innovativ und futuristisch, obwohl er sich doch an den historischen Wurzeln des Tribal orientiert. Diese meisterliche Inszenierung entführte das eingenommene Publikum in eine ferne, östliche Welt voller Wunder und fremdem Zauber. Apsara Habiba
Anschließend wirbelte die als autodidaktische Philosophin und Mystikerin geltende Tänzerin Apsara Habiba, begleitet von einem Riverdance-Stück und keltisch anmutender Musik im kelto-arabischen Stil mit der Interpretation von nordischer Wolfsfrau, Kriegerin, Priesterin und orientalischer Schlange des Südens über die Bühne und präsentierte sich temporeich und kraftvoll wie ein Sturm. Tribal Mystica
Dieser pompöse Auftritt kontrastierte schön mit der folgenden Präsentation von Tribal Mystika aus Holland. Unter der Leitung von Gonda zeigten diese einen sehr elegant und fein getanzten klassischen Tribal. Obwohl zu 100% frei improvisiert, strahlten Tribal Mystika insgesamt eine bemerkenswerter Harmonie, Ruhe und innere Synchronizität aus, die im absoluten Einklang mit der mystisch, ruhigen Musik stand.
Trio Mayawati Abwechslungsreich ging es weiter mit dem Trio Mayawati , das aus den Tänzerinnen Sophia, Alea, und Mirimah besteht. Die drei zeigten einen romantisch-süßen und modernen Bollywood-Tanz . Ganz in pinkfarbene traditionelle Sari-Stoffe gekleidet, spiegelten die drei gekonnt das moderne Indien der Gegenwart, sowie den indischen Film-Tanz wider. Aladin's Ensemble
Peppig-poppig und arabisch-orientalisch ging es dagegen bei Aladins Ensemble zu: es wurde mit Stuhl als Tanz-Accessoire zu modernem orientalischem Pop-Musik getanzt. Dabei trug ein Teil der Tänzerinnen ein traditionelles, weit geschnittenes ägyptisches Folkloregewand in weiß, der andere Teil eine daran erinnernde moderne körperbetonte und hochgeschlitzte Variante in grellem Orange. Nilufar
Den ersten Teil dieses Gala-Abends beendete Nilufar durch einen traditionellen Raks Sharki Von verträumt bis fröhlich, präsentierte dieser Tanz ihr Repertoire und ihren Stil in einem strahlend weißen klassisch-modernen Kostüm. Sophia Chariarse
Nach der Pause eröffnete Sophia mit einer überaus gelungenen Indo-Tribal-Fusion Melange, die vom Publikum sehr begeistert aufgenommen wurde und bestechend geschickt die alte indische Tanzkunst mit dem modernen, amerikanischen Tribal-Fusion-Stil verband. Brigantia Astaria
Das Thema Indien wurde daraufhin weiter aufgenommen durch das Duo Brigantia Astaria (Mirimah und Alea), die eine ebenso, durch indischen Tanz inspiriert, Tribal-Fantasie zeigten. Ihr Kostüm orientierte sich an indischem Vorbild und mit der Musik setzte Brigantia Astaria auf Qualitäten wie Solace . Izida
Izidas "Faddah" von Hossam Ramzy, was übersetzt "Silber" bedeutet, trug das Publikum dagegen wieder in klassisch orientalische Gefilde. Ihr mit Schleier beginnender Tanz bestach durch Fröhlichkeit und wirkte kokett und sexy in ihrem einfachen, aber körperbetonenden hellblauen Kostüm. Durch die schöne Schlichtheit dieses Outfits sowie durch ihren Tanz vermittelte Izida viel Moderne und sommerliche Leichtigkeit und ließ Träume von Stränden und im Sonnenlicht silberglitzernden Mittelmeer aufkommen. Tribal Mystica
Mystisch und modern ging es weiter. Tribal Mystika zeigten ihre bereits begeistert gefeierte Choreografie der "Mystic Mermaids": hervorstechend phantasievoller, dramatischer Tribal-Fantasy-Fusion, von herausragendem Ausdruck und brillanter Qualität. Überzeugend führten sie in eine fremde und geheimnisvoll -fragile Welt aus Untersee. Und auch das gebannte Publikum an diesem Abend trug wellengleich die zum Schluß im wahrsten Sinne des Wortes "zusammengesunkenen" Mermaids mit tosendem Applaus und begeisterten Pfiffen von der Bühne. Duo Alen
Etwas ganz anderes erwartete das Publikum nach Tribal Mystika : das Duo Alan aus Bulgarien. Ihr Auftritt bestand aus Zirkusakrobatik, einer Balance-Nummer mit Gläsern und Säbeln, was zu einer unfreiwillig komischen "Beseneinlage" des Veranstalters El Sayed samt Helfer führte, da ein Glas diesen Auftritt nicht heil überstand, und der Helfer einen besonders großen Eifer bei seiner verantwortungsvollen Aufgabe entwickelte.
Naila Khan Danach betrat Naila Khan die frisch gefegten Bretter, die die Welt bedeuten, und überzeugte durch einen verträumt romantischen klassischen Bollywood Tanz zu einer indischen Filmmusik.
Aladin El Kholy Aladin unterhielt anschließend mit einem traditionellen Stocktanz - einen ägyptischen Kampftanz, der in der gezeigten Form nur von Männern vollführt wird und Kraft und Geschicklichkeit zur Schau stellen soll. Dieser extrem temporeiche Tanz wirkte kraftvoll aber dabei auch witzig und frech-fröhlich. An der Tradition eng orientiert, trug er entsprechende lange Kleidung mit Stiefeln und Turban.
Ennussah Enussah begeisterte danach erneut in leuchtendem Rot gekleidet mit einer sehr ansprechenden und spannenden Kombination aus Flamenco und arabischem Tanz die die Leidenschaft, das Temperament und die Lebensfreude des Südens direkt in den Saalt ransportierte. Auch dieser Auftritt von ihr wurde vom Publikum mit großer Begeisterung aufgenommen.
Shahazad Chandrakala Den finalen Auftritt des Abends übernahm Shahrazad mit Ihrem Ensemble. Dabei zeigten sie ihr bereits bekanntes, nun aber neu konfiguriertes Tribal-Stück, das auf die ursprünglichen Pfade des Tribal, nach Indien, verweist. Shahrazad übernahm hierbei einen großen Teil des Stückes als Solo-Part. Ihr besonderer Ausdruck und ihr herausragendes Können in Kombination mit ihrem märchenhaft schönen Kostüm, das fernöstliche -indisch -indonesische Elemente aufgriff verzauberte den Saal, und sie und ihr Ensemble ernteten erneut einen großen Applaus.
Mit dem Finale, als alle Tänzerinnen noch einmal die Bühne betraten um gemeinsam gefeiert zu werden und zu tanzen, endete ein insgesamt sehr abwechslungsreicher Tanzabend, der dem Publikum viele verschiedene Begriffe von Orient näherbrachte, und der in sehr ansprechendem Ambiente präsentiert wurde.

- - Mira Lob ist Tänzerein bei E'fey

    weitere Bilder von André Elbing (682 Bilder)

 

  Marcel Bieger (28.04.2007)  
 

- Rückblick auf die Tanz-Schau "Alles Tribal 3"

Tribal ist im Ursprung ein Gruppentanz zu einer Mischung aus orientalischer und mittelalterlicher Musik, die Bewegungen und Abfolgen werden von der Stammesführerin ("Mutter") mittels Zeichen den Mittänzerinnen angezeigt. So sah Triballange Jahre aus. ...Da es sich bei ihm aber um einen der lebendigsten und sich am schnellsten wandelnden Stile handelt, ist es dabei nicht geblieben. Andere Musikstile fanden Eingang in den Tribal, und mittlerweile ist Fusion ("Verschmelzung") das Zauberwort - ein Begriff, der, ähnlich gebraucht, auch im Rock und Jazz bekannt ist, und unter dem man das Aufsammeln anderer Stile und Elemente versteht, die dann mit bereits Vorhandenem vermischt werden. Tribal wäre aber nicht Tribal, wenn Fusion für ihn nicht noch viel mehr bedeutete, einen Ausbruch aus den tradierten Formen nämlich, um etwas ganz Neues zu schaffen. Wo steht der Tribal also aktuell im Jahr 2007?
Zum nunmehr dritten Mal lud Veranstalterin Monika Wiemann zur Leistungsschau des Tribal ein, und an die zwei Dutzend Stämme folgten ihrem Ruf, gilt es doch als Ehre, bei diesem Ereignis dabei zu sein. Die Veranstaltung findet regelmäßig in Viersen statt, einer Kleinstadt unweit der holländischen Grenze.
Die Auswahl konnte durchaus begeistern, ein wirklich schlechter Beitrag war nicht darunter zu finden, Hier nun eine Auswahl aus der Fülle der Auftritte, die subjektiv bleiben muss, aber nach bestem Wissen und Gewissen den Zustand dieses spannendsten populären Tanzstils der Gegenwart widergibt.
Monika Wiemann legt bei dieser "Messe des Tribal" Wert darauf, daß der klassische Tribal und auch seine asiatischen Wurzeln nicht zu kurz kommen, und sie tut sehr gut dran, ist im besten Wortsinne eine "Bewahrerin". Der Tribal schöpft seine Kraft immer wieder aus seinen eigenen Traditionen, und wenn mal ein Stilversuch in eine Sackgasse oder auf einen Irrweg führt, kann man sich immer wieder auf die Wurzeln zurückziehen und einen neuen Anlauf in eine andere Richtung wagen. Das soll nun nicht heißen, daß nicht mit den traditionellen Formen gespielt werden, man sie nicht auch neu interpretieren darf.
Ganesh So kehrte die "Haustruppe" der Verantalterin, "Ganesh", zu den indischen Wurzeln zurück und bezauberte mit einem Elefantentanz mit indischen Kostümen und "elfantösem" Kopfschmuck. Indisch, bzw. afghanisch auch der Beitrag von
Nag Kanya "Nag Kanya", wie überhaupt Afghanistan eine große Rolle im Tribal spielt.
Al Hana "Al Hana" bot ein spannendes Zwiegespräch zwischen der Musikbegleitung, einer Trommelgruppe, und den Zimbeln der Tänzerinnen, mal dominierte die eine Seite, mal die andere. Wie sehr der traditionelle Tribal Dreh- und Angelpunkt aller weiteren Entwicklung ist, bewies auch der Beitrag von
Massuh Raksah "Massuh Raksah" mit flotten, modernen Rhythmen, welche die Grundlage für alle Experimente enthalten. Neben den orientalischen sind auch die spanischen Einflüsse nicht zu unterschätzen, war die iberische Halbinsel doch bis Ende des 15. Jahrhunderts auch maurisches Land:
Alhazar "Alhazar" erinnerte in ihrem Beitrag daran, der auch, eine konsequente Fortführung, Salsa-Elemente enthielt. Traditionell Türkisches hingegen von
Gaudiarabicum "Gaudiarabicum", während Ganesh in einem zweiten Beitrag Alhazar einen Stangentanz vorführte. Der ist zwar eigentlich auch eine traditionelle Angelegenheit, hier aber auf faszinierende Weise von Fantasy-Rythmen begleitet, als hätte jemand "Rammstein" mit lateinischen Texten versehen. Zum Aggressiven dieser Rockband paßte es auch, daß die Tänzerinnen mit einem Mal ihre Stäbe auseinanderzogen und dünne Schwerter zum Vorschein kamen. Stäbe hatte auch
Anjali Alapadma Anjali Alapadma als Requisit dabei, und zeige sich auch ein bestimmendes Element des gegenwärtigen Tribal, daß nämlich statt des raumsparenden Orienttanzes auf das raumgreifende Ballett übergegangen wird - ein wesentliches Merkmal der modernsten Fusion-Abart. So gestaltete sich der Stabtanz dieser Gruppe denn auch mehr zu einem rhythmischen Schreiten.
Neben dem Stocktanz, im Morgenland eine traditionelle Domäne, hat sich im Tribal auch immer mehr der Schwerttanz Platz geschaffen, hier originell von
Salasandar Salasandar vorgeführt. Schritte und Bewegungen, die man schon zu kennen glaubt, erfolgen dann jedoch variiert und neu arrangiert.
Noch einmal Stichwort Ballett: Eine ganz und gar ungewöhnliche Darbietung kam von der ungarischen Formation
Ghawazee Karavan dance troup "Ghawazee Karavan dance troup". Wer sich noch an Film- und Fernsehballette erinnert, die vom Big Band Sound und populären Jazz geboren in den 60er Jahren in hoher Blüte standen (um dann in den 80ern - aus Kostengründen - aufgelöst zu werden) kam hier voll auf seine Kosten. So wie von dieser Formation vorgeführt, könnte Filmballett heute aussehen.
Tribal Mystica & Mystic Mermaids "Tribal Mystica & Mystic Mermaids" aus Holland machte ihrem Namen alle Ehre, die zu balladesker Musik mit einem Riesenschleier das Meer darstellten und balletthaft die Geschichte von Meerjungfrauen ("Mermaids") erzählten. Traurig sThe Uzume "The Uzume" (japanischer Trommelgott) boten einen Höhepunkt an Eleganz und getanzter Würde, wenn sie die Fusion von klassischer Ballettmusik mit orientalischem Tanz vorführten, und in diese Mixtur auch noch Elemente von Elektronik, House und Jazz einbauten.
Wenn es um moderne populäre Musik im Tribal geht, darf ein Name nicht fehlen, Zahira, die gleich in zweifacher Form bewies, was alles möglich ist. Ihre Tribalgruppe
Tribe Tabora "Tribe Tabora" schaffte sich schmissig und wirbelnd über die Bühne und machte deutlich, daß erstens Rock-Musik nicht nur E-Gitarre, Bass und Schlagzeug bedeutet, sondern genauso ein eigenes Lebensgefühl ausdruckt. Und daß Rock-Musik durchaus etwas im Tribal zu suchen hat. In ihrem Solo-Projekt
TNT Vibes "TNT Vibes" (zusammen mit Safiyya) paaren sich dann Cyberspace und Space-Sound mit der Tribal-Ebene, wie man es sich vorher bestimmt nicht vorstellen konnte. Eine Ungeheuerlichkeit im besten Sinne.
Pionierhaft auch der Auftritt der Holländerinnen von
Kali "Kali", die völlig unbescheiden die Filmmusik von "Fluch der Karibik" in den Tribal einführten. Ob man es glaubt oder nicht, das funktioniert! Nicht zu übersehen: gelungene Piratinnenkostüme - Tribal nimmt eben von allen Kulturen etwas in sich auf. (In späteren Tanzschauen diesen Jahres erlebt man übrigens Pirateskes immer häufiger, ein interessanter Trend). Und damit ein letztes Beispiel, das leider eines beweist, nicht alles kann klappen:
Thuraya Thalat "Thuraya Thalat" versuchte sich an "superjeile zig" von Brings. Nun sind Brings eine Kapelle aus dem kölschen Karneval und nehmen dort gewiß (noch) eine Außenseiterposition im dem Sinne ein, daß sie sich anders als im traditionellen Sinne darzustellen versuchen. Dennoch, Karnevalsmusik gründet sich im Prinzip auf dem Marsch oder der Polka, und "superjeile zig" bildet da keine Ausnahme. Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich bin Kölner und stehe auf Karneval, aber was zum Schunkeln und Stampfen taugt, bringt Tanzdarbietungen von der Art des Tribal nicht unbedingt Gewinn. Aber ich lasse mich gern eines Besseren belehren. Übrigens, wenn schon Brings, warum dann nicht "Su lang mer noch am lävve sin", darin sind eine Menge Elemente slawischer Folklore enthalten, da ließe sich eher was draus machen. Keine Kritik, der Versuch dieses Stammes war durchaus ehren- und achtenswert.
Weniger lobenswert Teile des Publikums, die immer wieder mitten in eine Darbietung im Einheitsrhythmus hineinklatschen, als befänden sie sich im "Musikantenstadl". Aber wie gesagt, wir befinden uns in einer kleinen niederrheinischen Stadt unweit der holländischen Grenze.

Nach dieser turbulenten, rasanten, besinnlichen und bewegenden Schau ist die in der Überschrift gestellte Frage eigentlich schon beantwortet: Was darf Tribal - alles! Was kann Tribal - alles! Wo liegen die Grenzen des Tribal - jenseits des Horizontes! Und dies soll auch das Motto der Oriental-Cosmos Zeitung sein, die von nun an dem Tribal den Raum geben will, den er verdient!

(Marcel Bieger ist freier Publizist)

 

 "ZAHIRA & FRIENDS"-Tanzshow, 10. Juni 2007  
 

von Marcel Bieger
Bilder © by Peter Ritter

Zum zweiten Mal schon lud Zahira ins ehemalige "Universum"-Kino in die Köln-Ehrenfelder Platenstraße, um dem neugierigen Publikum vorzuführen, auf welchem Leistungs-Niveau sich ihre diversen Klassen und Tanzgruppen zurzeit befinden (sie selbst gibt sich natürlich auch die Ehre). Um das Urteil bereits vorwegzunehmen: Alles, was Zahira in die Hand nimmt, kann sich sehen lassen. Doch lassen wir den Abend im einzelnen Revue passieren. Nicht vergessen darf ich zu erwähnen, daß Karsten auch wieder dabei ist und gewohnt launig-lässig und ein wenig mit sich selbst kokettierend durch den Abend führt.
Traditionell wird Sheherazade zu Anfang begrüßt, bei der so viele der heute wichtigen Tanzlehrinnen und Tanzmeisterinnen selbst in die Schule gegangen sind, und ihr zu Ehren spricht man das nach ihr benannte Gebet. Diese Aufgabe übernimmt diesmal Tribe Tentaculifera, dessen Tänzerinnen mit brennenden Kerzen in der Hand die Bühne betreten, um den Gebet den nötigen feierlichen Rahmen zu verleihen.
Dieselbe Gruppe tanzt dann einen höfischen Spätmittelalter-Reigen. Dem schließt sich ein wilderes Lied mit deutlich orientalischeren Bewegungen an. Ja, solch einen Auftritt kann man sich sehr gut auf Mittelalter-Märkten vorstellen.
Das Programm findet seine Fortsetzung mit einer Solistin – Senay - die einen klassischen Orienttanz darbietet. Virtuos zeigt sie die ganze Bandbreite der hohe Gelenkigkeit und feste Konzentration erfordernden Bewegungen und Schrittabfolgen.
Zahira steht geradezu als Synonym dafür, Herausforderungen anzunehmen und Grenzen neu zu setzen. Daß bei ihr aber auch der traditionelle Orienttanz seinen Platz findet, beweisen dann Sevge & Friends mit ethnischer Folklore. In türkischen Bäuerinnentrachten führen die Mädchen perfekt vor, aus welchen Volkstraditionen der Orienttanz stammt. Eher im traditionellen Bereich angesiedelt auch Saltara Tabi, die zu türkischer Pop-Musik mit viel Spielfreude einen Schleiertanz vorführt.
Oft übersehen, die klassische spanische Guitarrenmusik hat ihren Urspung im maurischen Andalusien. Grund genug, auch diesem Bereich seinen Platz einzuräumen. Dea Mantis erledigt das mit Bravour, indem sie klassischen Orienttanz mit ebensolchen Guitarrenklängen anreichern. Kein gewöhnlicher Flamenco also, sondern ein Gruppentanz – verfeinert mit anderen orientalischen Elementen. Tribal im besten Sinne!
In dieser Saison Zahiras großes Thema – Piraten! -, und damit eine erster Blick auf das, worauf man in diesem Jahr besonders gespannt sein darf. Ihre Haustruppe "Kalia" bot zu phantasievollen Piratinnen-Kostümen (in der Grundform schon im letzten Jahr bei "Orient Desaster 2" zu bewundern, jetzt weiterentwickelt und raffinierter gemacht) einen Säbeltanz der Extraklasse. Hat man bei anderen Gruppen oft den Eindruck, die Mädels tragen ihren Säbel nur als Accessoire, ohne etwas über die Seele und die Eigenheiten eines solchen Stückes zu wissen, benutzen und gebrauchen Kalia den Säbel jetzt so, wie es sich für Kriegerinnen gehört. Denn eine Klinge ist eine Waffe und keine Jonglierkeule, deshalb gehört sie auch anders bedient. Bei Zahira keine Frage, daß ihre Tänzerinnen das umzusetzen wissen. (So manche ebenso wild grimassierende wie dilettantisch herumfuchtelnde Kriegerin in Fantasy-Filmen könnte sich von diesen Künstlerinnen hier eine dicke Scheibe abschneiden.) Die Mädchen fechten tänzerisch und tänzeln schwertisch, aber natürlich fließt kein Blut. Bei allem vergessen die jungen Frauen natürlich nicht, daß sie hier tanzen und keine Zweikämpfe ausführen.
Noch einmal zurück zur Tradition – Irene dreht sich nun wie ein Derwisch ein ganzes langes Stück Rockmusik im Kreis, ohne auch nur einen Moment darin nachzulassen oder zu verschnaufen. Als sie danach noch immer gerade stehen und gehen kann, ahnen wir "Normalmenschen", daß diese Bewegungsart etwas mit besonderen Energien und Mysterien zu tun haben muß (hier sogar noch durch Schwarzlicht verstärkt). So etwas bekommt man wahrhaftig nicht aufi jeder Gala geboten.
Suruj al Lail bietet klassischen Orienttanz, hier die ägyptische Variante. Was aber wie eine normale Aufführung beginnt, wartet bald mit Raffinessen und Variationen auf, die auch diese Nummer zu einem ganz eigenen Höhepunkt gestalten. reas spinnentanz
Daß es mit den Höhepunkten aber noch kein Ende hat, bekommt man schon in der nächsten Abteilung besonders beeindruckend bewiesen: Rea, eine der Lehrerinnen in Zahiras Schule (sie leitet eine der Tribalgruppen), schraubt sich aus (auf dem Rücken) liegender Position in die Höhe und umgarnt den ganzen Raum mit ihrem phantastischen Spinnenkostüm. Zu den Klängen von "The Cure" zeigt sie uns, wie Arachne sich nach der Verwandlung in eine Spinne gefühlt hat. Und Schaudern befällt uns auf den Rängen, wenn Rea uns deutlich zeigt, daß ihr Appetit für heute noch nicht gestillt ist ... Eine tolle Solo-Nummer, wie sie "schwärzer" kaum sein kann, und die aufs Neue beweist, wie viel Arbeit und Können in einer solchen Show steckt. duo karma ensemble kalia_k
Kurz vor der Pause dann der Auftritt der Meisterin selbst nebst ihrer Kollegin (und mitunter ihrem tänzerischen alter ego) Mephista. Gemeinsam bilden sie das Duo Karma, und zusammen loten sie heute die Tiefen und Untiefen weiblichen Piratenlebens aus. Ausgelassen, keinem Herrn (in doppelter Bedeutung) verpflichtet, sturzbesoffen, hinterhältig, rauflustig und blutrünstig leben sie all das aus, was es zu diesem Thema zu sagen und zu tanzen gibt. Zu Stampfrhytmen, zu "Fluch der Karibik", zu irischer Folklore bieten sie feinstes Tanztheater und gleichzeitig den vorläufigen Höhepunkt des Abends. Nach der Pause überraschen uns drei Tänzerinnen von Dea Mantis mit einem Zyklentanz, nach den drei (Lebens-)Zyklen einer Frau, dargestellt in den Farben weiß (Mädchen), rot (Frau und Mutter) und schwarz (Alter), ein eher balladeskes Stück voller Symbolik und Mystik. Tribe Tabora
Ein Fabeltier des Meeres erscheint in der nächsten Abteilung, in der zu Jazz-Rock-Musik a la Klaus Doldinger und Hip Hop gemäß Fantastische Vier die Tänzerinnen vom Tribe Tabora leuchtende Kugeln bewegen. Was wie eine riesige Raupe im LSD-Rausch anmutet, beinhaltet in Wahrheit eine Sensation: Tanz auf der Stelle, bei dem nur die Arme und Oberkörper bewegt werden (und der Zuschauer dank dunkler Bühne auch nicht mehr zu sehen bekommt). Eine der eigenwilligsten und originellsten Interpretationen von Tribal überhaupt!
Zurück in den Orient führt uns dann Thalia mit ihrem solo vorgetragenen klassischen Schleiertanz zu ägyptischer Pop-Musik. Wie abwechslungsreich auch solche traditionellen Darbietungen sein können, zeigt ein Vergleich zwischen Thalia und der im ersten Block aufgetretenen Saltara Tabi. Beide bestimmen allein schon durch ihr Temperament eine jeweils völlig andere Interpretation eines klassischen Themas.
Mephistas mitgebrachte Truppe Satsunas zeigt eine intelligente Annäherung an den ganz modernen Fusion – hier improvisiert der Stamm nicht mehr als Gruppe, sondern bewegt sich gemeinsam zu Yoga und Modern Dance entlehnten Figuren. Wie gesagt, eine Annäherung, denn die Satsunas verleugnen ihre Wurzeln nicht und kehren immer wieder zum "alten" Tribal zurück.
Dea Mantis bringt das Publikum mit einem Stocktanz zu sehr rythmischer türkischer Rock-Musik in Schwung. Bei ihnen ist der Stock kein Selbstzweck, sondern ein spielerisches, wie selbstverständlich bewegtes und adaptiertes Teil. Der Zuschauer erliegt rasch dem Eindruck, dass Tänzerinnen und Stock eine intensive Symbiose eingegangen sind. christiane
Christiane stolpert nun auf die Bühne und bietet eine komische Solo-Darbietung (auch das hat bei Shows und Galas ja eher Seltenheitswert). Bei ihrem klassischen Tanz kommt es regelmäßig zu Pleiten, Pech und Pannen, und je mehr sie sich danach anstrengt, desto unweigerlicher geht etwas schief. Ein schwierige Nummer, die viel Konzentration und Körperbeherrschung erfordert. Nicht umsonst ist es gerade Christiane, die dienstälteste Tänzerin bei Zahira, die sich an ein solches Unterfangen wagt.
Im folgenden wirbelt Mephista in einer Solo-Nummer zwei Schleier zu türkisch anmutender House-Musik (wenn es so etwas denn gibt) so psychedelisch um- und übereinander, daß man ihren Bewegungen kaum mit dem Blick folgen kann. zahira ensemble kalia_k
In der vorletzten Abteilung trabt eine Herde junger Stuten auf die Bühne und bietet Tribaltanz in equitaner Variante. Exquisite Kostüme und Frisuren (nicht umsonst nennt man so etwas "Pferdeschwanz") sind ganz auf das Thema Pferd ausgerichtet (nicht überladen, sondern getreu dem Grundsatz: Kunst besteht in der Andeutung und Weglassung). Neben tänzerischem Hufescharren spielen die Tänzerinnen auch selbstironisch auf das Thema "Stutenbissigkeit" und dergleichen an. Selbst die Handtrommeln klingen mitunter wie Rösserschnauben, dann wieder wie Hufgetrappel. Eine der charmantesten, weil verspieltesten Nummern des ganzen Abends. zahira
Den Schlußpunkt setzt dann die Meisterin selbst mit einem Crossover aus Rock- und indischer Musik, der in einem furiosen Leuchtseilwirbel seine Spitze findet. Ganz allein die Bühne beherrschend, beweist sie, in welch unfaßbarem Maße sie ihren eigenen Körper beherrscht und Stellen zu bewegen weiß, von denen wir Normalsterblichen gar nicht wußten, daß sie sich bewegen lassen.
Alles in allem hat dieser Abend sich wieder einmal mehr als gelohnt, denn neben der durchgängigen Güte der Darbietungen erfreut vor allem der Umstand, daß man bei Zahira niemals vor Überraschungen sicher ist. Glaubt man, jetzt gerade etwas Ungewöhnliches gesehen zu haben, wartet die nächste Darbietung schon wieder mit etwas ganz anderem auf. Nicht umsonst wird Zahira als eine der führenden Tänzerinnen angesehen, die nicht nur etwas bewegen, sondern auch die Grenzen des OT in Deutschland beständig aufreißen. Eine glückliche Fügung des Schicksals will es, daß ihr auch ausreichend talentierte und qualifizierte Tänzerinnen zur Verfügung stehen, die gespannt darauf warten, was dieser Tanz-Kobold schon wieder Neues für sie ausgeheckt hat. Eigentlich haben wir einer Spielwiese beigewohnt. Daß wir das nicht bemerkte haben, gereicht uns keineswegs zur Schande, dafür aber den Akteuren zum Lob!



- Marcel Bieger ist freier Publizist.

 

 Frauentanzfest Linz, 14. 4. 2007  
 

von Sylvia Sophia Assmann

Das diesjährige, wie immer im April stattfindende ITP-Frauentanzfest fand auch heuer wieder im Volkshaus Harbach statt. (ITP = Integrative Tanzpädagogik). Geboten wurden ein Anfängerworkshop auf Basis der Grundlagen der integrativen Tanzpädagogik, ein Bollywoodchoreographieworkshop, Vorführungen der Frauen aus den Kursen und der Workshopleiterinnen und wie immer die Möglichkeit des gemeinsamen Tanzens. Herauszuheben ist ein spontan initiierter Auftritt der Frauen des Linzer Tribalstammes „Baubo Vibes“, die als Gäste anwesend waren, der alle Anwesenden zum Mittanzen aktivierte. Schülerinnen JTP
Eine unglückliche Situation trübte allerdings den Beginn des Festes: André Elbing war zum Zeitpunkt des Frauentanzfestes zu Gast in Linz. Um ihm einen kleinen Einblick in die Linzer OT-Szene zu geben, war ein gemeinsamer Besuch des ITP-Tanzfestes geplant. Leider wurde André Elbing der Eintritt mit den Worten „das ist ein Frauentanzfest, Männer sind nicht zugelassen, und fotografieren verstößt gegen die Intimssphäre der Frauen“, verwehrt. Jasmin
Nun wissen aber regelmäßige Besucher des Festes, daß es in den letzten Jahren zwar nie Männer im Überfluß, aber doch immer einige gegeben hat, die am ITP-Fest teilgenommen haben. Die Lösung dieser ungastlichen Situation bestand in der Rücksprache mit den Organisatorinnen, die ihrer Verwunderung über den abweisenden Umgang der Empfangsdame mit einem Gast auch zum Ausdruck brachten und sich entschuldigten. Antonia Pupiliera
Korrekterweise wurden die Tänzerinnen über die Anwesenheit André Elbings und seiner Tätigkeit informiert, worüber sie sich begeistert zeigten. Und wäre es um den Schutz der Intimssphäre der Tänzerinnen gegangen, hätte das halbe Publikum seine Kameras am Eingang abgeben müssen. Manuela Reichel
Um derartige, unangenehme Situationen zukünftig zu vermeiden, empfiehlt sich eine klare Entscheidung bezüglich der Teilnahme von Männern und die Ersichtlickeit dieser Entscheidung aus der Einladung. Wir hoffen, daß André Elbing bei seinem nächsten Besuch, wie in Österreich üblich, höflich und freundlich empfangen wird, und er die Entschuldigung annimmt.

Sylvia Sophia

Infos über ITP unter www.i-tp.at Fotos unter www.andré-elbing.de

- Sylvia Sophia Assmann ist Leiterin der neuen „Baubo Vibes“.

 

 

 „Wos da ma? Ka Auhnung! Probier ma´s aus!“  
 

Ein gelungenes Experiment – das auf Wiederholung drängt. - von Sylvia Sophia Assman

Ein weiteres Ergebnis der beginnenden Vernetzung der oberösterreichischen OT-Szene war ein gemeinsamer Tanz- und Trommelabend des Tribalstammes Baubo Vibes und den Frauen der Trommelgruppen von Edith Winkler. Trommlerinnen und Tänzerinnen ließen sich fröhlich und offen auf das Miteinander ein. Nach kurzer Absprache über Rhythmen und Tempi begann ein energiegeladener Abend, der das Haus erzittern und die Frauen tanzen, trommeln, lachen und schwitzen ließ. Baubo Vibes und Trommlerinnen waren von der „Zusammenarbeit“ derart begeistert, dass sie sich kaum Pausen gönnten. Nachdem bis zur völligen Erlahmung der Arm- und Beinmuskulatur getrommelt und getanzt worden war, beschlossen die Frauen den Abend mit einem gemeinsamen Tanz aller Anwesenden. Der nächste gemeinsame Abend wurde bereits fixiert....


- Sylvia Sophia Assmann war Leiterin der „Baubo Vibes“,


 

 "HEXENFEST" DER AJOWAN IN SCHAAFHEIM, 3. November 2007  
 

- von Marcel Bieger



Eines Tages flattert mir die Einladung auf den Bildschirm "Zum Hexen-Tribal", dem "2. Hexenfest" des Stammes Ajowan um Mounja 1001 zu dessen 3-jährigem Jubiläum. ajowans
Das hört sich gar nicht schlecht an, und ich freue mich mich, daß die Mädels dieses Tribes, die ich auf dem Kölner Stämmelager im Sommer kennenlernen durfte, mich offensichtlich noch nicht vergessen haben. Ich lasse mich aufklären, die Veranstaltung ist keine Großveranstaltung in Form einer Gala, sondern eher eine Fete für alle Freunde der Ajowans. Schaafheim liegt in Südhessen, in unmittelbarer Nähe zur Grenze nach Bayern. Die A3 fährt dort entlang, und von meinem Standort Köln aus leicht zu erreichen.
Ganz gegen meine Gewohnheit treffe ich zu früh ein und nutze die Zeit dazu, mich in Mittelalter-Gewandung zu werfen und mich mit den bereits anwesenden Stammesmitgliedern bekannt zu machen. Nach und nach treffen die Gäste ein, alle bester Laune und meist mit kleinen Geschenken und Aufmerksamkeiten bewaffnet. Die gute Stimmung verbreitet sich bis in die letzten Winkel des Kellers im Freitzeitheim des Ortes, wo sich Tanzstudios (mit Spiegelwänden), Ruheräume und Treffpunkte befinden. Bald herrscht hier allerorten das fröhliche Plappern und Lachen einer richtigen Party. Das liegt sicher auch an den mit viel Fleiß und Liebe zum Details geschmückten Räumlichkeiten – eine gelungene Mischung aus Orient und Hallowe'en (mit Bedacht, die Feier fand am 3. November statt). Auch bei den Gästen bestimmen diese beiden Richtungen das Bild. ajowans
Was mir auch gleich auffällt, hier laufen auch Männer herum. Zwar stellen die Frauen immer noch mit Abstand die Mehrheit, aber ich bin nicht – wie recht oft geschehen – eines von maximal drei männlichen Wesen. Die Männer der Ajowan-Frauen sind – so weit verfügbar – angetreten zum Helfen, Trommeln und Mitfeiern. Auch der Stamm "Qamar âjalat" um Annette/Rachida hat seine Männer mitgebracht, die fast den ganzen Abend hindurch die Handtrommeln zum Klingen bringen, oft im Verein mit denen von Ajowan. Zwar gibt es hier auch den Gettoblaster, der ja nicht fehlen darf, aber auf ihm ruht nicht allein die Gesamtverantwortung für die musikalische Untermalung.
Die Frauen sind kaum zum Stillsitzen zu bewegen. Ständig finden sie sich zu immer neuen "Ad hoc Tribes" zusammen, um gemeinsam zur Musik zu tanzen, sich in der Führung abzuwechseln und zusammen erarbeitete Bewegungen und Schrittfolgen vorzuführen (damit sie danach besser sitzen). Diese ungeheure Energie, die den ganzen Abend hindurch nicht nachläßt, macht ja gerade den Großteil der Spannung aus, welche dem Tribal und überhaupt dem OT eigen ist. Aber es wird auch "Offizielles" geboten: "Qamar âjalat" schenkt dem Geburtstag feiernden Stamm einen Tanz, die Jubilare selbst lassen sich auch nicht lange um "Antwort" bitten, und so bekommen wir spielerisch und fröhlich alle Ebenen und Stufen des Tribal geboten. Was sich hier dem Auge bietet, sieht so aus, dass frau es gern einmal probieren möchte, vor allem, da ja auch das Gemeinsame, das Gruppengefühl sich sofort überträgt. Zwischendurch blitzen immer wieder die Digitalkameras – man könnte meinen, es seien mehr davon vorhanden als Gäste -, und so können auch die Gruppenphotos nicht ausbleiben. Zum ganz großen bauen sich alle in der wirklich klasse gelungenen Sitzempore auf, die nicht so aussieht, als würde sie alle fünfzig bis sechzig Feierwilligen aufnehmen können. Doch auch hier vollzieht sich ein kleines Wunder. ajowans
Spät in der Nacht, als der Kreis schon deutlich geschrumpft ist, führen drei Ajowanis das vor, was sie an neuem Programm erarbeitet haben, ein Stück Fusion-Tribal, bei dem sich alle drei verbiegen und verdrehen, wie es nur im Modern Dance oder Ballett verlangt wird. Obwohl lediglich für den Moment improvisiert und kaum mehr als ein Ausschnitt, staunen wir anderen doch vor Begeisterung und wollen nach der Darbietung unbedingt mehr erfahren.
Ja, es wurde nicht nur getanzt, sondern auch gegessen – viele haben etwas zu essen mitgebracht, und das Büffett in der Küche füllt sich so sehr, daß gar nicht alles verzehrt werden kann und wir auch am nächsten Morgen zum Frühstück noch mehr als genug haben – und viel miteinander erzählt. Sharzad aus Pirmasens ist mit René gekommen, und sie hat nicht die geringste Scheu, auf alle zuzugehen und mit jedem ins Gespräch zu kommen (so habe ich sie auch vom Stämmelager in Erinnerung). Natürlich sind die kleinen und großen Sorgen und Nöte des ausklingenden Jahres Thema, aber auch der Tanz und die Freude daran. An das Kölner Stämmelager vom September wird sich immer noch gern erinnert, und frau macht Zukunftspläne. Was ließe sich im neuen Jahr alles anstellen? Wohin soll die Reise gehen? Wie entwickeln wir uns weiter? ajowans
Am nächsten Vormittag setzt ich mich nach einer herzlichen Verabschiedung ins Auto und habe zweieinhalb Stunden lang Zeit und Gelegenheit, darüber nachzudenken, was für ein schönes Fest ich doch verbringen durfte, zusammen mit Menschen, die mich in ihrer Mehrheit nicht kannten und doch überaus freundlich bei sich aufgenommen haben. Was für eine angenehme Atmosphäre, in der man sich wunderbar über alles Mögliche unterhalten konnte, aber auch die Seele des Tribal sehen und spüren durfte. Ja, da fahre ich gerne wieder hin. Denn bei Veranstaltungen wie diesen erlebt man die Basis des Tribal, den Acker, auf dem alles andere erst gedeihen kann.



www.ajowan.de
Marcel Bieger ist freier Publizist

 

 

 „Tribal ohne Grenzen“, 23.-25. Feb 2007 - von Shazadi  
 

23.-25. Feb 2007 - von Shazadi

Der Tribalstamm Setareh Ha hatte den Trainingsraum (im Polizeisportverein Pirmasens) in ein orientalisches Lager verwandelt: Viele Teppiche , Thorangs, Bommel und bunte Tücher zierten Wände, Fenster und die optische Raumteilung. Die Spiegelwand wartete gespannt auf die Ankunft der Tänzerinnen.
Begrüßung mit Sekt, Orangensaft und Apfeltee war obligatorisch, ganze Körbe mit Äpfeln und Knabbereien luden zum Stärken und Genießen ein. Eine orientalische Sitzecke mit Kamelhockern, Ledersitzkissen, weichen Teppichen und Messingtischen lud zum Verweilen - und Luftholen - ein. Der Tee floß immer wieder nach. Und wer Lust hatte konnte sich auch bei einer Wasserpfeife entspannen.
Bereits Freitagnachmittags ging es dann mit Basisbewegungen á la Kajira los. Für die fachgerechte Übersetzung sorgte Sachmet-Kahena, eine der Stammesschwestern von Setareh Ha. Aber durch die exakten Bewegungsabläufe waren die Bewegungen Kajiras auch für nicht englisch sprechende Tänzerinnen gut verständlich. setareh ha
Die gesamte Verpflegung wurde übrigens vom Polizeisportverein Pirmasens (außer der Tribalparty) ausgerichtet. Die Küchencrew hat sich bei der Organisation und Umsetzung richtig ins Zeug gelegt. Übernachtung war im, durch Tüchern abgegrenzten Trainingsraum möglich. So war alles vor Ort gut erreichbar, ohne größere Strecken zurücklegen zu müssen.
Die Samstagsmorgenmeditation sagte Shazadi leider wegen eines viel zu kalten Raumes kurzerhand ab. Dafür konnte, wer wolltel, sich mit Igelbällen verwöhnen lassen. Und dann ging es gleich mit dem Workshop los! Aufbauend auf den Basisbewegungen des Vorabends, kamen neue Kombies dazu. Auch Zimbeln kamen zum Einsatz. Eine ungeheuer effektive Art hat Kajira um das Zimbelspiel zu unterrichten. Klasse! Selbst absolute Zimbelneulinge konnten ein Erfolgserlebnis verbuchen.

Nachmittags reiste dann Shaila mit ihrem Basar an und auch bei Yalleh konnten die Teilnehmerinnen kräftig in den Waren wühlen. Ein Persisches Büffet bildete den gelungenen Einstieg zu einem langen Tanzabend. (Ein rechtherzliches Dankeschön sei hier an die Köchinnen nachgereicht, von Setareh Ha: Ayisha, Mellany, Zobiana, Shazadi, und von der Tanzgruppe Shanamar: Nahid) setareh ha
Zum Highlight wurde dann die anschließende Tribalparty. Thema war: Miteinander -Füreinander. Wer wollte, konnte sich schmücken und tanzen. Ganz nach belieben. Die bekannte Mittaltermusikgruppe Danserye spielte zum Tanze auf, da hielt es die Frauen dann nicht lange auf den Stühlen. Ein einmaliges Erlebnis! Die Tänzerinnen der unterschiedlichsten Stämme, tanzten auf der Tanzfläche zusammen - miteinander, füreinander. Wer wollte, konnte auch auf mitgebrachte Musik ein Tänzchen zum Besten geben. Besonders interessant waren die spontanen, bunten, neuen Stammeszusammensetzungen zu der Livemusik. War doch alles vertreten: Tribal , Tribal zu mittelalterlicher Musik, Tribalfusion, Thaitribalfusion, Gothicbellydance und: die Fusion verschiedenster Stämme: Anam Cara, Aragira, Christiane, Medusa (GB), Numidaé, Panta Rhei, Samarra, Setareh Ha, Wickedhipstribal (US/D) setareh ha
Sonntagmorgens ging es dann im WS mit komplexeren Bewegungsabläufen weiter, auch kleinen Teilchoreographien. Erwähnenswert seien hier auch die neuen Chorusideen ! Schöne neue Lösungen. Bestimmt werden wir hier in nächster Zeit mehr davon zusehen bekommen.
Sonntagnachmittag ging dann dieses interessante Wochenende zu Ende. Den Abschluß bildete ein Teilnehmerkreis, die vergangen Stunden passierten noch mal Revue. 16 Stunden intensivste Workshoparbeit ging zu Ende. Es war sehr anstrengend , aber ungeheuer lehrreich. Voller neuer Ideen gingen die Frauen dann wieder an ihre Rückreise, die teilweise bis nach Bayern und nach Großbritannen führte. Kajira vermittelte den Teilnehmerinnen ihre Liebe zum Tanz! So viel Power, und Engagement für den Tribal-Style im besonderen. Es war einfach unbeschreiblich

Shazadi ist Leiterin der Gruppe Setareh Ha (www.setareh-ha.de)

 

 

 „DAS SALZ DES OT Weihnachtsfeier von Apsara Habiba  
 

DAS SALZ DES OT Weihnachtsfeier von Apsara Habiba - von Marcel Bieger

Ein freundlicher, sonniger Wintertag bescheint das Rheinland, und unweit der ehemaligen römischen Stadtmauer Kölns, vis-à-vis vom "Römerturm", befindet sich das persische Restaurant "Cheshmeh". Dieses Lokal hat die bekannte Tänzerin und Tanzlehrerin Apsara Habiba für ihre diesjährige Weihnachtsfeier ausgesucht. Ich weiß nicht genau, was mich erwarten wird, wenn ich durch die Holztüre mit dem Guckfenster getreten bin. Gewiß keine Wunderkerzen, Tannenzweige und Selbstgebackenes? Oder doch? Ich bete zu allen Göttinnen und Göttern, dass es kein nerviges "Wichteln" geben wird.
Kaum habe ich die Tür geöffnet, befinde ich mich im Halbdunkel eines Vorraums, an dessen Ende eine lichtumrahmte Theke leuchtet, und unter dem monumentalen Portrait einer spätmittelalterlichen persischen Tänzerin (vermutlich aus der Safawidenzeit?) thront wie eine Prinzipalin Apsara in festlich bunter Gewandung und begrüßt jeden Gast herzlich und mit ausreichend Wärme, so daß dieser sofort weiß, hier bin ich richtig. Von ihrem Platz kann ich mir einen weiteren Eindruck von dem Restaurant verschaffen: Neben dem Vorraum ein halb offenes weiteres Zimmer. in dem man an langen Tischen das Buffet aufgebaut hat. Da ich einer der letzten Eintreffenden bin, hat Apsara ein paar Minuten Zeit für mich, um mir von sich und dieser Feier zu erzählen:
" Nach sieben Jahren Jazz Dance tanze ich seit über 19 Jahren orientalisch. Seit zehn Jahren unterrichte ich auch, ab 1999 in fortlaufenden Gruppen. Mein erstes Sommerfest organisierte ich im Juni 2004 um meinen seienden, gewesenen oder auch zukünftigen Schüler/innen die Gelegenheit zu geben, sich selbst und das Gelernte oder auch eigene 'Kompositönchen' in einem geschützten Rahmen (vor Freunden und Verwandten und anderen Schülerinnen) vorzustellen – sozusagen als Motivationsanreiz mit dem Ziel zum 'Darauf-Hinarbeiten' und zur Selbstbewußtseinsschulung. Die Teilnahme am Showprogramm ist jedoch freiwillig. apsara habiba
Während das Sommerfest immer eher Show-Charakter hat, ist die seit 3 Jahren stattfindende Weihnachtsfeier lediglich ein nettes Beisammensein zum Jahresausklang. Schülerinnen haben auch hier die Möglichkeit zu tanzen. Allerdings ist der zeitliche Rahmen hierfür sehr begrenzt.
Für diese Weihnachtsfeiern suche ich immer ein besonderes Restaurant. Als schönstes in Köln habe ich diesmal das persische CHESHMEH gewählt, deren Besitzer so lieb waren, trotz langem Samstag-Betrieb bis in den frühen Sonntagmorgen extra für uns einen reichhaltigen Brunch auszurichten – zumal solch ein Brunch sonst gar nicht zum Restaurantangebot gehört.“
Hinter dem langen Tresen beginnt die eigentliche Restaurantbereich, der sich im Wesentlichen in drei Teile gliedert: Während an den Seitwänden entlang auf langen Podesten durch niedrige Wände abgetrennte Separées eingerichtet wurden, in denen auf Kissen und niedrigen Tischen Großfamilien Platz finden können, ist der mittlere Bereich mit Tischen und Stühlen typisch persischer Machart bestückt. Extra für den heutigen Weihnachtsbrunch wurde eine kleine Tanzfläche freigeräumt. So entsteht der Eindruck einer „Karawanserei“, in der bereits geschätzte hundert bis hundertzwanzig Personen Platz genommen haben: Frauen aller Altersgruppen, aber auch Männer.
Was erwartet uns? Gastauftritt Swara Armunn
"Es ist einerseits mein Bestreben, meinen Schülerinnen Einblick in eine andere Tanzkultur zu geben, die mit ihrer Farbenpracht und der raffinierten Tanztechnik insbesondere die Sinne und unbekannte Regionen der eigenen Muskulatur fordert. Andererseits ist aber gerade der orientalische Tanz (ugs. 'Bauchtanz') ein Relikt alter Geburts- und Fruchtbarkeitsriten und führt uns damit zurück zu unseren weiblichen Wurzeln.
In der heutigen westlichen Kultur muss eine Frau 'ihren Mann stehen', wobei dieser Begriff sehr gut ausdrückt, daß die z.B. im Orient selbstverständlich gelebte Würde einer Frau hier bei uns auf der Strecke bleibt. Als westliche Frau versucht man daher ständig, sich und die eigene Weiblichkeit wiederzufinden und zu bestimmen. Dazu ist der orientalische Tanz ideal: fusion-auftritt
Der orientalische Tanz ist für mich der weiblichste aller Tänze und als solcher sowohl Ausdruck von Lebensfreude als auch positiver Weiblichkeit und Erotik. Durch seine archaischen Wurzeln bietet er uns die Möglichkeit der Rückbindung an unser ureigenes 'Frau-Sein' und dadurch einen Weg der Selbstbewußtheit und Selbstfindung. Bei bestimmten Beduinenvölkern benützen Frauen bei der Geburtsvorbereitung auch heute noch Bewegungen wie z.B. Bauchwellen, Beckenkreise, etc. um die Muskeln der Schwangeren zu lockern, sie quasi in Trance zu tanzen und so die Geburt zu erleichtern. Auch in unserer westlichen 'Geburts-Kultur' werden mittlerweile aus gleichem Grunde Beckenkreise u.ä. bei der Geburtsvorbereitung eingesetzt. Als ganzheitliche Tanzform erfaßt der orientalische Tanz nicht nur den gesamten Körper, sondern fördert auch das psychische Los- und Lockerlassen, was in der heutigen oft streßbeladenen Gesellschaft häufig zu kurz kommt.
Durch die ergonomisch korrekte Grundhaltung und die Involvierung des gesamten Körpers mit all seinen Muskelpartien (insbesondere der Beckenbodenmuskulatur) wird sowohl die Haltung des Körpers insgesamt gefördert und stabilisiert als auch seine Flexibilität erweitert. Insbesondere werden die Beckenboden-, Bauch- und Rückenmuskulatur gedehnt und gestärkt, wodurch nicht nur Frauenleiden gemildert werden (stärkere Durchblutung der Beckenregion), sondern sich auch die Haltung entscheidend verbessert, was sich wiederum auf Atmung und Selbstbewusstsein auswirkt. Der sog. 'Bauchtanz' wird mittlerweile sogar von Ärzten, Hebammen und Krankengymnasten empfohlen!
Durch die Beschäftigiung mit dem eigenen Körper in der Form des OT wird man / Frau sich des eigenen Körpers auf sanfte Weise bewußt, was auf Dauer einen Prozeß der verstärkten Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse körperlicher und nichtkörperlicher Art nach sich zieht und somit auf mehreren Ebenen die Selbstheilung, -findung und –verwirklichung bewirkt.
Für uns Europäerinnen bietet der Tanz durch seine weichen, weiblichen und sinnlichen Bewegungen darüber hinaus die Möglichkeit, unseren Körper als Instrument unserer Emotionen kennenzulernen und somit unsere Weiblichkeit und die damit verbundene Erotik neu zu entdecken - und auch auszudrücken, denn Tanz ist seit jeher ein uraltes und sehr wichtiges Mittel der Kommunikation aller Völker.
Und: Es bietet den Frauen die Möglichkeit, etwas für SICH zu tun, aus dem Alltagsleben und den damit verbundenen Zwängen auszusteigen, sich mit Gleichgesinnten zu treffen und 'ihre Weiblichkeit zu feiern'. Ich finde es toll mitzuverfolgen, wie die Schülerinnen sich im wahrsten Sinne des Wortes 'aufrichten und wachsen.' isis-auftritt
Vor diesem Hintergrund ist es auch zu verstehen, wenn ich meinen Schülerinnen die Gelegenheit gebe, auf den Festen aufzutreten. Ich zwinge niemanden dazu, aber es ist nicht nur für mich, sondern auch für die Frauen selbst sehr interessant zu sehen, was die Einzelnen sich erarbeitet haben. Ebenso erhalten die Familienmitglieder einen Einblick darin, was die Mama oder die Tochter oder die Schwester denn so macht in ihrer 'Freizeit'.“
Nicht nur Verwandte scheinen mitgekommen zu sein, auch Freundinnen und andere Vertraute der Tänzerinnen. Überall wird fröhlich geplappert, und trotz der Menge der Gäste muß man am Buffet nie zu lange warten. Es lohnt sich, von allem einmal zu probieren, vor allem, wenn man kein ausgesprochener Kenner der orientalischen Küche im allgemeinen noch der persischen im besonderen ist. Kurzum, die Stimmung ist gut – und so gar nicht weihnachtlich besinnlich. Das hat Gründe:
"Der Orientalische Tanz ist ja auch ein Ausdruck von Lebensfreude, und da ist es ganz natürlich, daß man miteinander feiert. Eine Geschichte, die in unserer Gesellschaft immer mehr verloren geht – das gemeinsame Feiern. Vor allem in den Städten lebt man stetig anonymer, man kennt seine Nachbarn kaum noch, da findet sich dann wenig Möglichkeit zur Gemeinschaft. Im Orient hingegen ist das immer noch gang und gebe. Durch unsere Feiern versuche ich, meinen Leuten diese Fröhlichkeit und neue Erfahrung mit auf den Weg zu geben."
Nachdem alle sich gestärkt und zu ihren Plätzen zurückgefunden haben, steigert sich das Murmeln der Erwartung noch, und schon betreten die ersten jungen und junggebliebenen Frauen die Freifläche, um ihre Kompositionen vorzuführen. Ich verstehe, was Apsara vorhin damit gemeint hat, als sie sagte, sie zwinge niemanden dazu, sich hier darzustellen. Nein, es ist vielmehr eine Familienfeier, so wie eine Weihnachtsfeier im Familienkreis, nur mit anderen Inhalten. Statt auf der Blockflöte Weihnachtslieder zum Besten zu geben oder Gedichte aufzusagen, tanzen die Frauen hier das, was sie am besten können, was sie in jüngster Zeit neu gelernt haben, was ihnen wichtig oder schön genug erscheint, um es einer größeren Gruppe zu zeigen. Natürlich wollen sie damit auch Apsara gefallen, aber es gibt keine Punktrichter oder Benotungen, vor denen sie bestehen müßten. Sie tun das Apsara zum Gefallen und zu gefallen, und damit tanzen sie sowohl für die Gemeinschaft der Tänzerinen wie für sich selbst. Das Motto des Frauentanzes "Miteinander-Füreinander" wird hier eindringlich deutlich.
Beeindruckend auch, daß Freundinnen und ehemalige Mitglieder von Apsaras Tanzgruppen ebenfalls auf dieses Fest gekommen sind, um Apsara und die anderen mit ihrer Darbietungen zu erfreuen. So dauert es nicht lange, bis eine ganz spezielle Wärme und Nähe Besitz vom "Cheshmeh" ergriffen hat. Alles wird Familie. So wie es bei der Feier unterm Tannenbaum niemanden wirklich stört, wenn ein Flötenton daneben gegangen ist, so fallen auch hier kleinere oder besser gesagt, kleinste Patzer nicht auf. Und in diese Harmonie fügt sich auch, daß anscheinend willkürlich Traditionelles sich mit höchst Modernem, zum Beispiel Tribal Fusion abwechselt, alles scheinbar ohne Ordnung im Ablauf, und erst in der Gesamtheit als gleichberechtigte Bestandteile eines Festes der Weiblichkeit und der Harmonie erkenn- und begreifbar wird. Alle hier lieben Apsara, und alle sind gekommen, um miteinander und mit ihr zu feiern. So ist es selbstverständlich, daß sie selbst auch in den "Ring" steigt und ein paar Tanzstücke zeigt, die es in sich haben – aber hat man jemals erlebt, dass Apsara nicht ihr Allerbestes gegeben hat? Als wäre dies alles noch nicht genug an Geschenken, überreicht man der Mutter wie Vorbild gleichermaßen verkörpernden dann auch eine Gabe. Für sie hat man gesammelt, um ihr einen besonderen Wunsch zu ermöglichen.
Apsara ist die Freude über eine so gelungene Veranstaltung anzumerken, und sie wird sich beruhigt sagen können, daß es auf dieser Grundlage noch lange gut weitergehen wird. Der Show-Teil dieses Tages geht nach einigen Stunden zur Neige, und das Fest klingt aus. Die Stimmung, die Darbietungen, die Atmosphäre, genauer gesagt, die Seele dieser Veranstaltung beschäftigt mich noch eine ganze Weile, als ich wieder in die grauere Welt des Alltags zurückgekehrt bin.
Warum ist der Rock 'n' Roll in unserer Gesellschaft seit Jahrzehnten verankert und immer noch populär? Weil er nicht nur eine Kunstform beschert, sondern gleich eine Kultur mitgebracht hat. Und ebenso ist der Orienttanz in all seinen Variationen mehr als eine Kunstform und auch mehr als die Summe seiner Teile – nämlich eine richtige, ausgeprägte eigenständige Kultur, die jeder erleben und erfahren kann, der an Festen, Shows und Feiern teilnimmt. Diese Kultur zu verankern, zu festigen, in die Herzen zu tragen und zu einer Selbstverständlichkeit im positiven Sinne zu machen, dazu bedarf es auch solcher Feste wie der Weihnachtsfeier von Apsara Habiba. Denn sie sind das Salz des Orienttanzes. jam session vor apsara -  swara armunn mit lily qamar (links) von goondarani

Weihnachten ist aber auch die Zeit des Jahreswechsels, und deswegen kann ich diese Feier nicht verlassen, ohne die Gastgeberin zu fragen, was sie im neuen Jahr vorhat:
"2008 findet man meine Tänzerinnen vom Tribalstamm GOONDARANI und mich auch wieder auf der 'Alles Tribal'-Show in Viersen. Dann gibt es da noch ein irisches Projekt, das muß sich aber erst noch festigen ... "
Auf der letzten Show des Duo Karma, „Orient Desaster 3“ war sie als Gaststar zu sehen.
"Ich kenne beide schon sehr, sehr lange, und zwar haben wir uns kennengelernt, als wir beide in Shahrazads Show-Ensembles getanzt haben. Nachdem ich die beiden mit tänzerischen 'Eigenentwürfen' mehrmals gesehen hatte, kam es dann auch zur künstlerischen Zusammenarbeit. Mit meiner Tanz-Kollegin Seiya zusammen habe ich das Konzept für das Projekt 'Tanz des Mondes' entwickelt, welches sich mit Archetypen, Mythologie und Mystik beschäftigt.
Wir sind beide langjährige Tänzerinnen in Restaurants und auf Shows und Privatveranstaltungen und wollten auch 'mal weg' vom normalen Unterhaltungstanz, Bauchtanz oder Orientalischer Tanz, um eigene Ideen auszuleben. In normalen Restaurants kann man nicht immer alles zeigen, wonach einem der Sinn steht. Man muß sich dem Geschmack der Gäste und der Restaurantbetreiber anpassen. Beim Libanesen interessiert es z.B. nicht, ob man irisch tanzen kann oder nicht. Die Gäste dort erwarten - möglichst arabischen - Raqs Sharki. Aus diesem Grund haben Seiya und ich dieses neue Konzept entwickelt, mit Rückgriff auf die alten heidnischen Zeiten, als Geister, Feen und Göttinnen als Bestandteil des alltäglichen Lebens galten und damit auch die Sicht der Dinge eine ganz andere war. In diesem Sinne versuchen wir ein Stück unserer westeuropäischen alten und ursprünglichen Frauenkultur wiederzubeleben. In heidnischer Zeit wurde das Gesellschaftsleben hier in Europa vergleichbar dem Orient in eine Gemeinschaftskultur aber auch in eine sehr ausgeprägte 'getrennte' Männer- und Frauenkultur mit eigenen Riten untergliedert. Dadurch sind die Rollenbilder natürlich stärker festgeschrieben – mit allen positiven wie negativen Aspekten. Auf der einen Seite ist man auf seine Rolle festgelegt und Abweichungen werden wenig toleriert. Auf der anderen Seite ist dadurch aber auch genau definiert, was Frau und was Mann ist. In unserer heutigen Gesellschaft hingegen sind die Grenzen verschwommen, was einerseits natürlich viel Gutes hat, weil so weniger der Wert des/der Einzelnen anhand ihres/seines Geschlechts bemessen wird. Auf der anderen Seite weiß aber keiner mehr, was er oder sie ist, oder wie er oder sie sein sollen. Es herrscht allgemeines Durcheinander und Unsicherheit, was Werte und Verhaltensweisen anbelangt.
Im Orient findet man diese Wertigkeiten noch, da ist weiterhin klar festgelegt, was er oder sie ist und wie er oder sie sein soll. Wenn wir einem/r Orientalen/in begegnen, strahlen diese daher etwas ganz anderes aus, sie haben eine ganz andere Würde. Diese spezielle Form ist bei uns verloren gegangen, durch unsere Leitbildgesellschaft sind wir eben in eine Richtung der Unsicherheit gepolt.
Und außerdem: wer sagt denn, dass es Geister, Feen und das, was Menschen Götter nennen, heute nicht mehr gibt …??? Wir in unserer materiellen Welt mit dem ersten Ziel der Existenzsicherung und des finanziellen Zuwachses haben doch den Sinn und damit auch den Blick für Wunder und dergleichen verloren. Also wie sagt man so schön: 'Öffnet Eure Augen, und Ihr werdet sehen!'“
In die Tanz-des-Mondes-Serie haben wir dann auch Zahira und Mephista mit eingebunden, und wir ergänzen uns prima.
Soll das fortgesetzt werden?
"Oh ja, wir haben bereits zwei Show-Reihen hinter uns, 'Tanz des Mondes 1' und 'Tanz des Mondes 2' mit je etwa 5-6 Vorstellungen. 2009 kommt die nächste Fortsetzung. Wir hatten zwar 2008 angedacht, nur sind wir alle so sehr in eigene Projekte eingebunden, daß die Zeit einfach fehlt.“



- Marcel Bieger ist freier Publizist und Redakteur des "Oriental Cosmos"

www.apsarahabiba.de

www.cheshmeh.de

 

 

 ORIENT DESASTER 3, Düsseldorf, den 27. Oktober 2007  
 

ORIENT DESASTER 3, Düsseldorf, den 27. Oktober 2007 - von Marcel Bieger



Wer auf eine Zahira-Show geht, sollte den Kopf gut durchlüften, denn er muß sich auf einiges gefaßt machen. Vor allem aber bekommen die Besucher mehr als nur den Gegenwert ihres Eintrittsgeldes. Zahira, oder besser Xahira, wie sie sich inzwischen nennt, macht immer eine gute Figur, egal ob sie aus eigenen Kräften eine Show auf die Beine stellt, ob sie sich mit ihrem alter ego (eigentlich altera ego) Mephista eine Show teilt oder ob sie Gaststar bei einer anderen Show ist (dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr).
Das nun schon zum dritten Mal stattfindende „Orient Desaster“, eine Gemeinschaftsproduktion des Duos KarMa (Xahira & Mephista), bietet den beiden eine wunderbare Spielwiese für allerlei verrückte und gewagte Experimente, und Kompliment, schiefgegangen ist dabei auch diesmal nichts, im Gegenteil. Traditionelle Formen des Orienttanzes werden mit anderen Stilen kombiniert, wie man es vorher für undenkbar gehalten hätte (und worüber man dann nach der Show sagt, „klar, warum nicht, ist doch logisch.“) Daneben werden neueste Entwicklungen (vor allem) des Tribal Fusion Tanzes „karmatechnisch“ bearbeitet, und last not least neue Grenzpfähle gesetzt. Erscheinungsformen der modernen und modernsten Populärmusik finden ebenso ihren Widerhall wie moderner klassischer und Jazz-Tanz. Leider ist bislang noch niemand drauf gekommen, „Drum & Bass“ ein Entree in den zeitgenossischen Orienttanz zu verschaffen. Doch der Reihe nach, vielleicht fachsimpeln wir später noch etwas mehr: Die Schau findet in Düsseldorf statt, also beginnen traditionell die Gastgeber. Tashkador führt einen klassischen Tribal mit mythischer Musik, die entfernt an mongolischen Oberton-Gesang erinnert, und dies vermischt mit Tanzbewegungen, die das Motto des (späteren) Abends schon anklingen lassen: Unter und auf dem Meer. Der Beitrag versetzt in ganz eigenartige Stimmung, beileibe keine gute-Laune-Nummer, dafür aber bestens geeignet, die Ewrartungshaltung anzufeuern.
Eine getreue Weggefährtin der beiden Protagonistinnen, Kalifa ist nun an der Reihe und zeigt, wieviel Eleganz und Weiblichkeit im Rauschen und Wehen eines Tanzes mit Isis-Flügeln liegen kann. Am positiven Eindruck kann auch die Musik nichts ändern, die klingt, als sei Celine Dion schon als Kinderstar aufgetreten. Die Tänzerin geleitet während der weiteren Veranstaltung durch den Abend und gefällt sich darin, in immer neuen Verkleidungen bis hin zur Kindergeburtstags-Überraschung nautisch auf die jeweiligen Nummern einzustimmen.
Im 70er Jahre Disco-Chic fegen Dea Mantis mit einem Stocktanz über die Bühne. Die sieben jungen Damen bringen einen so fesselnden Rhythmus auf die Bretter, daß man am liebsten mittanzen möchte.
Nun betritt eine der Meisterinnen die Bühne: Xahira führt „Snake Charmer“ vor, die Hyme des Tribal Fusion, die Rachel Brice über uns gebracht hat. Xahira kopiert die Amerikanerin natürlich nicht, sondern legt eine so eigenständige Variante vor, als hätte sie sich diese Hymne auf den Leib geschrieben. Faszinierend jedenfalls ihre ungeheure Körperbeherrschung im Verein mit den sagenhaften Ausdrucksmöglichkeiten ihrer Bauchmuskulatur, die vor allem im zweiten Teil dieses Beitrags zum Tragen kommen. Damit nicht genug läßt sie zu der nun eher beruhigteren Musik die Leucht-Pois unter Schwarzlicht schwingen.
Das Stutenballett von Kalia ist seit dem Frühjahr weiterentwickelt worden, und einige neue Bewegungen scheinen auch dabei zu sein. Wieder gibt es allerlei Anspielungen aufs Pferdedasein, sei es von der Trommelseite, sei es von den Tänzerinnen her. Und gewiß sind die Anspielungen auf den in der US-Fusion-Szene gerade enorm populären Rückgriff auf das Varieté vom Anfang des letzten Jahrhunderts nicht zufällig. Wäre es zu weit hergeholt, in diesem Zusammenhang daran zu erinnern, daß ein Überbleibsel der Varieté-Zeit in Paris beheimatet ist und „Crazy Horse“ heißt? Bei all dem vergessen die Mädels nicht, daß sie Orienttänzerinnen sind und es sich bei der Musik immer noch um das Untergenre des Trommel-Solos handelt.
Wie eine einer Parallelwelt entsprungene Fantasy-Kriegerin dreht sich und springt Mephista jetzt auf den Brettern, versteift sich aber mit ihrem Kavalleriesäbel nicht auf martialische Posen, sondern führt behende flinke und akrobatische Kunststücke mit der gebogenen Klinge vor, so als stünden Waffe und Körper in ständiger Beziehung zueinander. Doch unter dem Ganzen schwebt die urwüchsige Kraft der weiblichen Kämpferin. Die spanische Abteilung besorgt uns Nassam als Flamenco-Ballett. Ein hübscher Auftritt. Die Musikauswahl beweist uns, warum die spanische Folklore unbedingt zur großen Familie der Orientmusik gehört. Als anmutige Tänzerin wie auch als wilde Kriegerin wird uns Apsara Habiba angekündigt, die uns ins Reich der Mitte entführt. Zunächst fasziniert ein perfekt ausgeführter chinesischer Trippeltanz, zu der Apsara die Musik dankenswerterweise unverfälscht läßt, auch wenn sie uns Europäern erst nach ein paar Momenten eingängig wird. Die Künstlerin gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen, weil sie uns auch die entlegensten Stellen der Weltmusik erschließt. Man mag kaum ermessen, wieviel Fleiß und Disziplin dahinterstecken, sich solche ungewohnte traditionelle Kunst anzueignen (in einem späteren Beitrag an diesem Abend wechselt Apsara dann auch nicht nur das Fach, sondern gleich den ganzen Erdteil). Im zweiten chineischen Bild tanzt Apsara wehrhaft mit einem chinesischen Schwert, wie man es dort in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrtausends getragen hat. Es überrascht sicher wenig, wenn von ihr auch bei solchen Details auf Authentizität wert gelegt wird. Natürlich weiß die Künstlerin auch, wie man eine solche Klinge bewegt, wie man sie führt (kein lächerliches Gehampel wie leider so oft bei anderen Tänzerinnen). Sie läßt uns erahnen, warum solche Waffen im Fernen Osten nicht nur überaus kostbar sind, sondern oft auch mythisch verehrt werden.
Noch einmal Varieté-Stil, den man in den USA auch „Cabaret“ oder „Burlesque“ nennt. Die Satsunas nehmen das „Cabaret“ wörtlich und treten zu einem ägyptischen Flirttanz in Zwanziger Jahren Kleidchen (komplett mit Stirnband) an. Daß vorher noch niemand darauf gekommen ist, verwundert eigentlich. Was für eine tolle Idee!
Vor der Pause lassen KarMa es noch einmal so richtig krachen. Und das ist wörtlich zu nehmen. Zu einem Industrial Rock, der alle im Saal an die Sitze preßt, verfolgen wir, wie zwei Halb-Wesen (Roboter, Androiden oder sonstwas, wer weiß das schon?) mit abgehackten und abgezirkelten Bewegungen über die Bühne stampfen, beide auf unterschiedlichem Kurs. Es folgt, was folgen muß, irgendwann kreuzt sich ihr Weg, und sie kommen sich näher, entdecken einander und suchen schließlich die Nähe der anderen. In einem Tempo- und Stimmungswechsel (Chillout-Musik) können die beiden dann nicht mehr voneinander lassen und machen alles gemeinsam, ihre Gelenke verschlingen sich immer mehr ineinander, bis sie eins geworden sind. Dann reißt das harte Dur des Brachialrocks sie wieder auseinander, doch diesmal suchen sie sich und finden erneut zueinander. Ihre Nähe hat sie verändert, und gemeinsam tanzen sie ihre Freude darüber in die Welt hinaus. Was für eine glänzend tanzend erzählte Geschichte, in der KarMa es ganz nebenbei übernehmen, einen ganzen Strauß von Varianten des Tribal Fusion – vom Breakdance bis zu den feingliedrig sinnlichen Ballett-Bewegungen - unterzubringen.
Was in der ersten Hälfte mehrfach angedeutet wurde, wird nun in der zweiten zum bestimmenden Motto, eine „Reise über die siebeneinhalb Weltmeere“ steht uns bevor (nicht nur über, sondern auch unter Wasser). Den Anfang machen Kalia mit einem persischen Fischerinnentanz, einem sogenannten Bandari (abgeleitet von der persischen Hafenstadt Bandara, und das hat ja auch etwas mit Meer zu tun). Die Frauen bewegen sich aber auch in irischen Tanzformationen, wechseln scheinbar übergangslos zu orientalischen Schrittfolgen über, um kurz darauf erneut etwas Irisches einfließen zu lassen (der Eindruck täuscht aber mitunter, denn wie wir uns später gern belehren lassen, weisen Bandari und irische Musik zufälligerweise einige Ähnlichkeiten auf). Doch zurück zu der ungemein lebendigen und lebenslustigen Darbietung. Worüber reden Frauen gern? Über die Liebe. Und wenn sie nach Fischerinnenart mit den Händen vor der Brust wedeln, sieht das nach den Flossenbewegungen eines Fisches aus, könnte aber auch die mimische Darstellung von Herzklopfen sein. Letzteres steigert sich noch, als der männliche Tänzer (und Perser) Hooman zu ihnen auf die Bühne stößt. Die Fröhlichkeit der Tänzerinnen steigert sich zu Leidenschaft, und tänzerisch stellen alle gemeinsam dann das dar, was Männer und Frauen eben zu tun pflegen, wenn sie zusammenkommen. Der Anspielungen und Symbole in diesem Stück sind es so viele, daß der Chronist sich dringend eine weitere Aufführung wünscht, um erneut ins Staunen zu kommen.
Auftritt der Sturmgöttin: Mephista wuselt und wirbelt mit zwei Schleiern heran und bringt das Meer ordentlich in Unruhe. Sogar im Knien ist sie noch in der Lage, den Ozean zu Gurgeln und Wallen zu zwingen. Wieviel anders ein traditionelles Stück doch wirkt, wenn es in eine Geschichte eingebunden ist. Darauf setzen Mephista und Zahira in diesem neuen „Orient Desaster“ immer mehr, und solches Tun ist in unseren Augen in höchstem Maße löblich.
Die immer schon modernen Tanzformen zuneigenden Satsunas führen in gischtgrünen Hosen und darauf abgestimmten Oberteilen und Hüfttüchern teilweise akrobatische Ballettbewegungen zu sphärischen Unterwasserklängen vor. Doch auch hier läßt sich die Verwandtschaft mit orientalischen Rythmen nicht leugnen. Bis dann zu eher elektronischer Musik Unordnung in diesen bislang gepflegten Meeresgarten gerät ...
Mephista vorhin als Sturmbraut, Xahira folgt nun als Meereshexe, angetan wie eine Fürstin der Nacht mit atemberaubender Krone. Sie bewegt sich eher getragen zu einer orientalisierten Version des alten Klassikers „I put a spell on you“. Doch diese Fassung geht in die weit fetzigere von Marilyn Manson über, und als wäre alles vorher nur Vorspiel gewesen, überkommt uns die Hexe nun mit finster erotischer Ausstrahlung und tückischem Tanz. Bewegt sich hier Xahira als Meereshexe? Oder erscheint uns tatsächlich eine Meereshexe, die sich das Aussehen von Xahira verliehen hat? Bevor wir es erfahren können, wird sie uns schon in Amöben verwandelt haben ... Im Anschluß an diese Darbietung und im Bewußtsein ihres Stolzes läßt Xahira zu einem House Stück die Bauchmuskeln erbeben und spielt der nachfolgenden Gruppe einen Streich. Sie stellt ihnen nur ein Körbchen hin.
Die drei von AsSaVi schweben wie Elfen aus einem Walt-Disney-Film heran. Zur großen Heiterkeit des weiblichen Publikums parodieren sie kitschige Idylle – bis sie aus das Körbchen der Hexe stoßen. Neugierig greifen sie danach, und schon gerät bei ihnen alles durcheinander, daß es seine Art hat, und sie brauchen eine Weile, bis alles wieder in den Fugen ist. Bislang bestimmte klassische Musik den Tanz der Meereselfen, bis mit Xahiras Zauber Orientgetrommel in die heile Welt dieser Wesen kommt (und ihnen endlich richtiges Leben einhaucht).
Bleiben wir im Bild, denn nun springt Arielle alias Apsara Habiba (oder umgekehrt) auf die Bühne und rockt gleich zu einem gängigen Stück von „Pink“ los, daß die Wände wackeln. Leider ist Pink als Musikerin bestenfalls mittelmäßig, und so müht sich Apsara über Gebühr mit den engen Grenzen dieses Stückes ab. Ganz ohne Frage gelingt ihr hier wieder etwas Einzigartiges, aber mit einem anderen Stück hätte sie es sich deutlich einfacher machen können. Das beweist sie dann auch mit der folgenden Nummer, einem Ausflug in den Karneval von Rio. Mit wenigen Straußenfedern und Bananenschals verwandelt Apsara sich in eine Sambatänzerin und demonstriert sozusagen aus dem Stegreif das Temperament und das Feuer dieser brasilianischen Straßentänzerinnen, frei von „pink’schen“ Einschränkungen..
Eine verfeinerte und in jeder Hinsicht weiterentwickelte Version ihres Leuchtkugel-Mikrokosmo‘ bietet uns jetzt der Tribe Tabora . Wir haben dieses Gesamtkunstwerk ja schon einmal kennenlernen dürfen, bei „Zahira & Friends“ im Frühjahr (s. OC 4.1.3). Die Musik ist geblieben, aber die Bewegungen wurden zu einem Kaleidoskop neuer Figuren, zu einem geordneten Gewimmel. Wir bekommen eine leuchtende Seeanemone geboten, die sich auf vielfältige Weise verändert, die ständig in Metamorphose begriffen ist. Kurzum, ein Leuchtkugel-Ballett das sich nicht von der Stelle, aber im Raum bewegt. Dies ist eine Spezialität aller Aufführungen aus der Xahira-Schule: Man bekommt den gleichen Beitrag nie in derselben Form wiederzusehen. Jedes Mal ist hier dran herumgefeilt, dort herumgebosselt und da in eine ganz neue Richtung weiterentwickelt worden. Und noch eine Besonderheit bei Xahira-Shows, es gibt meist noch eine Dreingabe. Nach der Leuchtnummer formiert sich der Tribe Tabora, seines Zeichens die Tribal-Haustruppe, und führt zu verfremdeter Orientmusik einen Tribaltanz auf, wie er jedem Mittelaltermarkt zur Zierde gereichen würde. Zum Ende hin wird die Musik dann psychedelisch, und die im Schwarzlicht glühenden Kugeln sausen wie ein wütender Bienenschwarm umher.
Der letzte Beitrag steht an, und die Veranstalterinnen geben sich noch einmal als Käpt’n Zahira & Käpt’n Mephista die Ehre. Zwei Kapitän(inn)e(n) auf einem Fleck, das kann nicht lange gut gehen. Schon raufen und balgen die beiden sich wieder, um aus dem gemeinsamen Ringen zum gemeinsamen Tanz zu finden. Zu wildem Mittelalter-Rock stampfen, springen und hüpfen sie, daß es so manchen Piraten im Holzbein juckt. Ein Kalauer sei erlaubt: Jolly Roger – nein, jolly good!
Noch ehe wir uns versehen haben, befinden wir uns auch schon im Finale. Zu Deutschrock mit hawaiianischem Einschlag tänzeln die einzelnen Gruppen und Solistinnen nacheinander auf die Bühne, mit Blumenkränzen, Hula-Bewegungen und dergleichen, um dem Duo KarMa zu huldigen. So entsteht nach und nach ein buntes und fröhliches wogendes Gruppenbild. Mehr Spaß geht nicht. Wir werden in Zukunft nie mehr unbeeinflußt das bislang übliche Heraufrufen der Künstler am Ende einer Show mitansehen können. Dieses Schlußbild setzt einen würdigen Rahmen um eine der wichtigsten Show-Reihen im modernen Orienttanz. Seid gesegnet für diesen bunten Strauß von Ideen, Impulsen und Motiven, vorwärts mit der permanenten OT-Revolution!
- Marcel Bieger ist Redakteur beim „Oriental Cosmos“.

 

 

 LADINA & FRIENDS – Die Große Orient Benefiz Gala 25.1.2008 in Lemgo  
 

LADINA & FRIENDS – Die Große Orient Benefiz Gala 25.1.2008 in Lemgo. von Marcel Bieger.

Lemgo ist eine Stadt in Ostwestfalen, im Raum Paderborn gelegen, und ich trete wohl niemandem zu sehr auf die Füße, wenn ich den Begriff Provinz ins Spiel bringe. Das ist durchaus nicht abwertend gemeint, und darauf kommen wir später noch einmal zurück. Das Duo „Namadeya“ hatte uns auf die Gala aufmerksam und neugierig gemacht, und dann fanden wir uns zur festgesetzten Stunde in der handelsüblichen Mehrzweckhalle wieder. Der Raum war geschickt aufgeteilt, so daß man den Eindruck mitnehmen konnte, in einem eigens dafür angelegten Saal eine tolle Schau geboten zu bekommen.
Und gleich ging es mit einem Knalleffekt los, als eine veritable Hochzeitsgesellschaft, bestehend ausTänzerinnen, Musikantinnen und natürlich dem Brautpaar, erst Einzug in die Halle hielt und sich dann auf der Bühne versammelte. Die Vermählten nahmen am Rande Platz, und ihnen zu Ehre und Freude boten einige der Künstlerinnen des folgenden Programms Kostproben ihres Könnens. Was für ein hübscher Einfall! Da war es schon beinahe ein kleines bißchen enttäuschend, als wir bei der Danksagung beim großen Finale hören mußten, daß das Paar sich nicht den Bund fürs Leben versprochen, sondern sich nur für diese Eröffnung zur Verfügung gestellt hatte. Ladina
Das „normale“ Programm begann dann mit einem Solo von Nadine Fernandez , die eine Fusion aus Samba und Orienttanz auf die Bühne zauberte. Die beiden Bestandteile waren nicht klar voneinander getrennt, mal überwog der eine, mal der andere, dazwischen auch ein paar Bewegungen, die aus dem Breakdance stammen drüften, das Ganze überaus elegant und so natürlich vorgetragen, als gehörten beide wie siamesische Zwillinge zusammen und als hätte Nadine ihr Leben lang nichts anderes getan. Ladina
Ein Rabe, oder besser, eine Rabin riß uns aus dem lateinamerikanischen Bann, als Fire in einem detailgetreuen Riesenvogelkostüm auf die Bühne kam und mit ihren dunklen Bewegungen mystische Stimmung und wohliges Schaudern verbreitete. Und wieder etwas anderes im nächsten Beitrag: Ladina und ihre Schülerinnengruppe, The Bellyshakers , traten zu orchestraler Musik auf, die entfernt an „Fluch der Karibik“ anklang, mittendrin ein Geigen-Solo, das ahnen ließ, warum Virtuosen zu ihrer Zeit Vorläufer des Rock 'n' Roll gewesen sind. Danach wieder weichere Klänge zum Schleiertanz und zum Schluß erneut das Orchester in Dur. Passend dazu und sehr logisch, die eckigeren Bewegungen der Tänzerinnen.
Shara führte mit einem Zimbeltanz von Experimenten fort zu traditionellen Orienttanz-Klängen und bewies damit, welche Bedeutung die Ursprünge immer noch haben. Beim Trommel-Solo zeigte die Künstlerin ganzen Körpereinsatz. Bühnenfüllend wirbelte das Ensemble Nur el Hayat zu einem „Oriental Techno“ über die Rampe, eigentlich ein Disco Beat mit starkem Orienteinschlag. Dazu ein Trommel-Solo mit Ganzkörpervibrationen der Tänzerinnen, und passend dazu als Deko an der Wand 2 Leuchtscheiben mit Kaleidoskop-Projektionen.
Shayana überraschte mit einer eigenwilligen Interpretation des traditionellen Säbeltanz-Themas. Andere fuchteln mit der Waffe herum, wieder andere, noch trauriger, wissen mit der Klinge nicht mehr anzufangen, als wenn sie einen Spazierstock oder einen Besenstiel in der Hand hielten – diese Küntlerin hier aber meditierte zunächst mit dem Stahl, um daraus einen Tanz voll akrobatischer Einzelfiguren zu entwickeln. Die Herkunft als Kunstturnerin merkte man ihr grandios an. Mit einem klassischen Raks Sharki wartete im folgenden auf, der im traditionellen Stil sich in weltlichen und spirituellen Momenten abwechselte.
Kurz vor der Pause dann der erste (von insgesamt dreien) Beitrag Schachlos , die einen persischen Tanz vorführte. Die gebürtige Usbekin erstaunte nicht nur durch ihre Originalgewandungen, die schon eine zentralasiatische Atmosphäre in den Saal zauberten, sie wußte auch durch rythmische und schnelle, teilweise sehr schnelle Bewegungen den Zauber ihrer Heimat heraufzubeschwören. Und noch ein Stück weiter nach Osten ging die Tanzreise mit einem Beitrag der Bollywood Dance Company . Doch erwartete uns nicht mittlerweile ermüdender Bollywood-Disco, sondern eine gelungene Verknüpfung von traditionellen Elementen des indischen Tempeltanzes mit denen des modernen Jazz-Tanzes. Fast bekam man nicht mit, daß nun erst einmal Pause war, so sehr hallten die meist auf sehr hohem Niveau angesiedelten und durchweg intelligenten Aufführungen noch nach.
Ladina gab zu Beginn der zweiten Hälfte eine persönliche Erklärung ab, daß nämlich das folgende Stück zum Gedenken an eine viel zu früh verstorbene liebe Freundin und Kollegin zur Aufführung käme. Ihre spürbare Trauer erfüllte die Halle, und alle waren vollkommen still, als ein Hip-Hop-Rythmus mit orientalischer Untemalung ertönte und drei Tänzerinnen Schleier in Neonfarben unter Schwarzlicht wehten und wirbeln ließen. Zu Ehren der Kollegin hatten sich die drei nicht in ein Kostüm geworfen, sondern traten in Trainingskleidung auf, so wie sie ihre Freundin am öftesten erlebt haben und in Erinnerung behalten wollten. Eine bewegende Aufführung.
Noch etwas moderner wurde es nun mit Namadeya und ihrem Stück „Snake Charmer“, einem der Banner des Tribal Fusion. Ihr eigenständiger Stil ist von Leichtigkeit und Verzauberung geprägt – wieder machten die beiden ihrem Ruf alle Ehre, eines der, wenn nicht das eleganteste Duo der deutschen Orient-Tanzszene zu sein. Obwohl sie nur zu zweit sind, wirkten sie wie eine ganze Ballett-Truppe, und was ebenso gefallen wollte, sie konnten beim Tanzen auch lächeln – nicht so wie andere mit verkniffener Miene oder festgefrorenem Lachen die Nummer zu Ende bringen.
In der nächsten Abteilung zeigte Shara eine weitere Variante ihres Könnens, nämlich ihre Interpretation des Bollywood, die sich am traditionellen Muster orientierte. Shayana begeisterte dann wieder mit der Tanzform des klassischen OT, dem Raks Sharki nämlich. Dank ihrer außerordentlichen Körperbeweglichkeit und variantenreichen Ausdrucksform gewann sie allen ihren Tanzdarbietungen stets etwas Neues ab.
Noch einmal Schachlo mit einer Darbietung, wie man sie so noch nie gesehen hatte und wahrscheinlich auch so rasch nicht wieder zu sehen bekommt, einen persischen Tellertanz nämlich. Wer jetzt so etwas wie einen chinesischen (Eß-)Teller-Jongleur erwartet hatte, sah sich enttäuscht, denn die Künstlerin brachte zwei kleine Porzellanteller unter den langen Ärmeln ihres Kostüms zum Vorschein, und auf denen begleitete sie ihren Tanz rythmisch mit Fingerhüten. Eine Darbietung in vollendeter Anmut.
Von Persien nach Indien. Die bereits dem Publikum bekannten Nadine und Fire erzählten die traurige Geschichte von den beiden Tempeltänzerinnen, denen die Gier nach Gold zum Verderben geworden war. Nur noch bei Vollmond durften sie, die sonst in Erstarrung verharren mußen, sich bewegen. Heute war es wieder einmal so weit, und so stapften sie anfangs noch recht eckig wie Ungeheuer aus der Ray Harryhausen-Werkstatt über die Bühne, und was anfangs wie eingerostete Gliedmaßen anmutete, wandelte sich bald zu denen von mechanischen Aufziehpuppen und endlich zu zünftigem. Doch es kam, wie es kommen mußte, auch dieser Mond ging unter, und mit ihm fielen die beiden in den Zustand lebloser Statuen zurück. Eine ungemein fesselnde Darbietung. Und dieser Trend, im Tanz Geschichten zu erzählen, setzt sich hoffentlich noch lange fort.
Noch einmal war das Ensemble Nur el hayat zu bewundern, und wieder füllten sie die ganze Bühne aus: Die Frauen bewegten lange Seidenbahnen wellenförmig. Dazwischen tanzte Nur el Zaman ihre verschiedenen Soli, die zusammen die Geschichte einer Nixe erzählten, doch endete diese nicht so tragisch wie bei ihrer Vorläuferin Undine. In der zweiten Abteilung führte die Ensembleleiterin weitere Einzeldarbietungen vor, diesmal als eine Melange von Orienttanz mit Elementen lateinamerikanischer Standardtänze. Das ganze Ensemble kam hinzu und präsentierte schmissigen bis smoothen Showtanz, der entfernt an die besseren Revuefilme Hollywoods erinnerte, und das wollte wirklich gefallen.
Ein drittes Mal dürfen wir an diesem Abend Schachlo bestaunen, die einen persischen Bandari vorführte. Diese für uns im ersten Moment fremdartige Folklore nahm rasch durch ihre äußerst rythmische und elegante Präsentation für sich ein. Hinzu kamen die auch noch in den hintersten Reihen spürbare Tanzfreude der Künstlerin nebst ihren immer wieder farbenprächtigen und toll anzuschauenden Original-Gewandungen. Hier wurde uns eine andere Welt so nahe gebracht, daß wir sie sinnlich erfahren konnten. Ladina
In der vorletzten Abteilung betrat noch einmal die Gastgeberin die Bühne, diesmal ohne (menschliche) Kolleginnen und angetretren, uns etwas zu zeigen, was man so in unseren Breiten so rasch nicht wieder zu sehen bekommt. Ladina zeigte einen Stocktanz der besonderen Art: Als Stöcke wirbelte sie zwei Kalumetpfeifen, und sie hüpfte damit wie eine indianische Medizinfrau umher. Ihr Kostüm wäre bestenfalls als Gothic zu bezteichnen, gäbe es da nicht die allfälligen indianischen Symbole, mit denen Hose und Oberteil reich bestickt waren. Ein wenig später erkannte man auch, was sie da umtanzte, einen Schlangenkorb nämlich, aus dem sie drei dieser Reptilien zog („Anubis“, „Salomon“ und „Cassiopeya“), die sie sich turbangleich um den Kopf und wie einen Schmuck um den Hals legte, während sie mit der dritten zu World Music-Weisen tanzte. Ladina befindet sich mit solchen Darbietungen aus einem interessanten Weg, den sie unbedingt fortsetzen sollte s.a. ihre „Pilgerreise“ in dieser Zeitung, 8.3.1). Wer von uns kann schon ahnen, wohin er führt.
Den Schlußpunkt bildeten dann die beiden Künstlerinnen Shayana und Fire mit einem Feuertanz-Duett, mit brennenden Fackeln, die sie wie Pois schwangen. Zu irischer Folklore mit orientalischer Percussion liefen sie hin und her und kreuz und quer über die Bühne und erschufen immer neue Leuchtgebilde des Augenblicks. Phantastische und Fantasy-Projektionen, die ihre Existenz vor allem in der Erinnerung fortsetzen. Ladina
Als Ladina und ihre Helferinnen schließlich alle Künstlerinnen zu sich riefen und sich bei allen hinter und vor den Kulissen bedankten, die zum Gelingen beigetragen hattben, lag ein spannender und kurzweiliger, immer aber bemerkenswerter Abend hinter uns. Wir hatten viel Neues gesehen und auch Tradionelles im ungewohnten Gewand, und das alles bestärkte uns in seiner Gesamtheit und in seinem Charme in der Überzeugung, daß solche Veranstaltungen in der Region – oder wie eingangs schon Provinz genannt– die ganze Bewegung zusammenhalten. Wenn die Menschen sich in ihrem Landstrich eine Orienttanz-Schau anschauen gehen, ist die Bewegung gesund; denn auf solchem Fundament läßt es sich trefflich weiter wachsen und gedeihen. Ladina und ihren Mitstreiterinnen aber wünschen wir für die weitere Entwicklung alles Gute, und möge ein gnädiges Geschick uns noch einmal zu einer ihrer Veranstaltungen führen.
- Marcel Bieger ist freier Publizist und Redakteur beim „Oriental-Cosmos“..

 

 FRAUENTANZFEST LINZ-HARBACH 2008 von Sylvia Sophia  
 

Die Frauen der ITP (Integrativen Tanzpädagogik) luden auch 2008 zum Frauentanzfest im Volkshaus Harbach in Linz. Als Konsequenz der Vorfälle des letzten Festes bezüglich der Anwesenheit von Männern wies die heurige Einladung den Vermerk „nur für Frauen“ auf. („Oriental-Cosmos“ berichtete, s. OC 4.1.4) Und so tummelten sich zur offiziellen Eröffnung an die hundert tanzfreudiger Frauen im Eingangsbereich.
Eröffnet wurden die Tanzdarbietungen von den „Deserts Queens“. Die angekündigten „Queens“ wären mit der Bezeichnung „Princesses“ besser beschrieben gewesen. Drei sehr junge Mädchen boten ihren Tanz dar. Anfangs eher gehemmt und fast emotionslos zeigten sie sich zunehmend begeisterter von ihrem Tanz und vollführten auch immer wieder schöne Drehsequenzen.
Als langjährige Gäste des ITP-Frauentanzfestes präsentierten sieben Frauen der Gruppe aus Waidhofen einen Tanz, der die Gegensätze von schnellen und langsamen Bewegungen gut darstellte. Besonders zu vermerken ist hier, dass die Choreographie via Telefonanweisung gelernt wurde, da die Choreographin über längere Zeit ans Bett gefesselt war.
Außergewöhnliches und Extravagantes zeigten dann Eva und Lily, zwei junge Frauen, die immer wieder ihre eigenen Ideen in den Tanz einbringen. Dieses Jahr hatten sie sich eine Choreographie mit einem großen Seidentuch, das beide Tänzerinnen miteinander verband, ausgedacht.
Als Stargast des Abends zeigte dann Muna vom Studio Mänada aus Wien „Balkanfieber“, eine Mischung aus Gypsy und Oriental. Lächelnd vereinnahmte Muna das Publikum und bezog es in ihren Tanz mit ein. Ihr zweiter Tanz war ein popigeres Lied mit französischem Gesang. Danach brachte sie den ganzen Saal zum Tanzen und das freie Tanzen hatte begonnen.
Nach einer sehr kurzen Freitanzzeit gab es noch die Vorführung eines „Dabke“, einem Reihentanz aus dem Libanon. Danach zeigte Muna Schrittkombinationen aus meditativen Reihentänzen und die Stimmung wurde eine sehr besinnliche und beschauliche. Vier Frauenkreise wiegten sich über eine Stunde zu besinnlicher Musik hin und her. Für die tanzenden Frauen wunderschön, unbefriedigend aber für viele andere Frauen, die gekommen waren um „abzutanzen“.
Abzutanzen und miteinander zu tanzen, war bis jetzt immer ein fixer Bestandteil des Frauentanzfestes. Zuletzt im Jahr 2007 als der anwesende Tribalstamm „Baubo Vibes“ beinahe alle anwesenden Frauen zum gemeinsamen Tanzen motivierte. Die im Vorjahr vom Publikum initiierte und begeistert aufgenommene und auch dieses Jahr vom Publikum erwartete und gewünschte Tanzdarbietung der Baubo Vibes war dieses Jahr allerdings von den Veranstalterinnen „nicht erwünscht“. Kritische Beobachter der Szene könnten hier Neid und Mißgunst vermuten….
Das ITP-Frauentanzfest erschien 2008 in einem veränderten Licht und steuert neue Ziele an. Die Zukunft wird zeigen, ob diese Veränderungen den Geschmack des Publikums treffen.

 

 7. Orientalisches Sommertanzfest, Juni 2008 in Kamp Lintfort  
 

TANZEN IST LEBENSFREUDE 7. Orientalisches Sommertanzfest, Juni 2008 in Kamp Lintfort
von Marcel Bieger

Wir haben das Dutzend großer Tanz-Galas, aber die allein machen die Orienttanz-Szene in Deutschland nicht aus, können das auch gar nicht. Die ganze Kleinarbeit leistet der Mittelbau, oder weniger theoretisch, die Tanzschulen und Tanzstudios quer durch die Republik, dank derer die deutsche Orienttanz-Karte nicht allzu viele weiße Flecke aufweist. Im Frühsommer, zum Abschluß der Saison (wegen der großen Ferien) veranstalten solche Häuser gern Schülerinnen-Shows, in denen die einzelnen Kurse Freunden, Verwandten und Sonstigen gern vorführen, was sie alles gelernt haben, was sie mittlerweile können und daß ihnen der Tanz immer noch große Freude macht. Dazu gesellen sich befreundete Tänzerinnen, um dem Programm eine besondere Note zu verleihen oder auch aufzuführen, wie man einen bestimmten Tanz anders interpretiert darbieten kann.
Eine solche Show wurde Mitte Juni von der Tanzlehrerin Aisha (Melanie Roth) und ihren Kursen in Moers und Kamp Lintfort ausgerichtet. Beides Kleinstädte, unmittelbar nebeneinander und nördlich von Krefeld, bzw. westlich von Duisburg gelegen. Also eine dieser Regionen, in denen ohne den tapferen Einsatz einer orienttanzbegeisterten Lehrerin Shimmy-Ebbe herrschen würde.
Melanie „Aisha“ Roth hat mit 15 angefangen, orientalisch zu tanzen, und ist mittlerweile seit 20 Jahren dabei. Obwohl gelernte Kauffrau ist sie seit einiger Zeit in der glücklichen Lage, ihr Hobby zum Beruf gemacht zu haben (und das kommt nicht zuletzt den Frauen von Kamp Lintfort und Moers zugute). Warum hat der Orientalische Tanz gerade in der Region Erfolg? Aisha hat sich darüber Gedanken gemacht: „Weil Frauen sich bewegen und schöne Kostüme tragen wollen ... und dabei auch noch das Gefühl haben, etwas für ihren Körper getan zu haben.“ Und natürlich für ihre Seele, denn allerlei Streß und ähnliches lassen sich beim gemeinsamen Tanz abbauen. Der Orienttanz ist in ganz besonderer Weise dazu geeignet, eher noch als Aerobic und dergleichen. Melanie“ Roth bringt mehr als ausreichend Rüstzeug mit: „Ich lernte bei vielen namhaften Tänzerinnen wie Sahéla, Leyla Jouvana, Shahrazad, Beata u. Horacio C. , sowie ägyptischen Choreographen wie Momo Kadous, Gamal Seif, Magdy el-Leisy, Prof. Dr. Hassan Khalil u. a.“
Eine Sommer-Show zu organisieren, erfordert viel Zeit und Aufwand. Immerhin bringen Aisha und die Ihren gut zwei Stunden Programm auf die Beine, und das in einem dieser typischen, anheimelnd altmodischen, katholischen Gemeindesäle. Sie haben sich viel Mühe gegeben, alles liebevoll zu dekorieren, sodaß die Gäste sich wohlfühlen können, was sie in dieser herrlichen orientalischen Atmosphäre auch gleich tun. Fast 200 Frauen finden sich zu dem gesellschaftlichen Ereignis ein. Ja, es sind ausschließlich Frauen, denn Männer sind nur jedes zweite Jahr erwünscht. Tanz, auch der Orientalische, hat immer auch etwas Intimes, und da möchten die Tänzerinnen erst einmal lieber allein Geschlechtsgenossinnen ihr neuerworbenes Können zeigen. Insgesamt 11 Tanzkurse aus der Doppel-Kleinstadt treten an, und die Bühne wirkt manchmal etwas zu klein, als daß alle Tänzerinnen sich darauf entfalten könnten. Aber die nächstgrößere Halle, die das drei- bis vierfache an Zuschauern faßt, ist auch dementsprechend teurer und kommt deswegen nicht in Frage, es soll ja alles im finanziellen Rahmen bleiben.
Aisha unterrichtet Orientalische Tänze, und deswegen erwartet uns der klassische Kanon. So bekommen wir viel Tanzbegeisterung und orientalische Lebensfreude geboten Im Einzelnen: Nach der erfreulich knappen und präzisen Eröffnungsansprache von Aisha beginnt die Show mit den Jüngsten, der
Kindertanzgruppe Lintforter Turn-Verein (LTV Kindertanzgruppe Lintforter Turn-Verein (LTV) ,
die mit einem hübschen Tüchertanz erfreuen und beweisen, daß Orientalischer Tanz mitnichten nur etwas für gestandene Frauen sein muß. Die kleinen Damen haben ihren Spaß.
Und alterschronologisch geht es mit den
Jugendlichen LTV Jugendlichen LTV
weiter, die schon als Orienttänzerinnen anzusprechen sind, jedenfalls klappt es bei ihnen bereits mit dem Hüftschwung und der Isolation, und auch das orientalische Ballett zu arabischem Pop funktioniert. Die Gruppe
(Mittelstufe, LTV Djoumanah
(Mittelstufe, LTV) läßt es zum unverwüstlichen „Don’t le me be Misunderstood“ in der 70er Jahre-Version von „Santa Esmeralda“ mit dem Tamburin krachen, und im anschließenden „Trommelsolo“ beweisen die Damen, daß man beim Orientalischen Tanz eleganten und gleichzeitig leidenschaftliche Bewegungen erlernt.
Die Anfgängergruppe (mit Vorkenntnissen)
Bahia Semawi Bahia Semawi
schwingt zu einem der vielen „Shakira“-Lieder die Hüften, beweist aber im folgenden „Kiss Kiss“ von Tarkan, daß man sich zu Original-Orientalischer Musik eben immer noch besser und natürlicher als zu nachgemachter bewegen kann. Da gehen die Schwünge und Isolationen dann wie von selbst.
Der
Mutter und Tochter Kurs DRK Mutter und Tochter Kurs DRK
führt elegant, stolz und schick einen modernen Orientalischen Tanz auf und demonstriert im folgenden „Trommelsolo“ wieviel Kraft und Verbundenheit doch in einem Tanz der Gemeinschaft stecken kann, selbst wenn die in Kleingruppen aufgelöst wird, die aber immer wieder zueinanderfinden.
Nun tritt mit
Djimona Djimona
die erste Gastkünstlerin auf und führt einen orientalischen Drei-Schleiertanz zu chinesisch unterstrichener Musik auf. Auch andere Kulturen fließen ein, insgesamt eine sehr raffinierte Mischung. Die Mittelstufengruppe
Mittelstufengruppe Mardshana
tanzt arabischen Pop und das sehr flott. Die Gruppe wirkt sehr gut aufeinander eingespielt, und man merkt diesen Frauen an, daß Orienttanz für sie ein Gruppen-Erlebnis ist.
Die Zimbel-WS-Gruppe kommt mit klingendem Spiel durch den Saal auf die Bühne gezogen und beweist ebenfalls, wieviel Stärke und Eleganz in einer Gruppe liegen können.
Zimbel-WS-Gruppe

AsadeaAsadea
(aus Dorsten), eine langjährige Freundin und Kollegin der Lehrerin. Spritzig und temporeich läßt sie die Flügelschleier – auch Isis-Flügel genannt – wehen und wirbeln. Nach der Pause dreht sich die Mittelstufengruppe
Mandisa Mareshi Mandisa Mareshi
zu einer modernen Version des klassischen orientalischen Tanzes und kombiniert den mit dem ebenfalls klassischen Schleiertanz. Sehr gekonnt die Wechsel, schwungvoll das Ballett.
Die
Workshopgruppe Workshopgruppe
zeigt ihre sehr vielversprechende Version des klassischen Trommelsolos und fällt durch ihr gruppenbetontes Tanzen auf. Die Mittelstufengruppe
Al Shama Al Shama
führt sehr rhythmisch und sehr weiblich einen Doppelschleiertanz auf, in dem viel Stolz und Würde stecken. Die Schleier wogen wie Wanderdünen in der Wüste.
Einen Hauch Exotik bringt die Gast-Tänzerin
Djimona Djimona
(aus Xanten) in den Saal, als sie uns die indische Seite des Orienttanzes näherbringt. Zum Subkontinent fällt uns vornehmlich „Bollywood“ ein, und Bollywood tanzt die Künstlerin auch – wenngleich der eher als Gruppentanz auffällt und weniger als Solo-Darbietung, doch hier erleben wir auch das. Aber wir lernen auch den Tempeltanz und die exotischen Folklore-Arten kennen.
Der Fortgeschrittenenkurs Deutsches Rotes Kreuz (DRK)
Wüstenperlen Wüstenperlen
komplettiert den Kanon der klassischen Orientalischen Tänze mit dem „Stocktanz“, doch bei ihnen sind auch Elemente des „Schwerttanzes“ darunter zu finden, eine nicht alltägliche Mischung. Und sie benutzen das Schwert nicht zu Kampf, wie in diesem Jahr häufiger auf Shows zu sehen, sondern als Tanz-Accessoire, und zum Schluß tragen sie dann den Stock wieder so, wie es bei diesem Tanz eigentlich üblich ist. Richtig pfiffig.
Und noch ein Gast,
Sybilla Sybilla
(aus Hilden), die uns etwas ganz Raffiniertes zeigt. Sie tanzt den Flügelschleier, doch der ist nicht frei, sondern mit dem Kostüm verknüpft. Damit lassen sich besondere Effekte erzielen, und die Künstlerin hat eine ganz eigene Art, das auch alles aus ihren Isis-Flügeln herauszuholen. Danach interpretiert sie sehr gefühlvoll ein zu Herzen gehendes arabisches Liebeslied.
Der Mittelstufenkurs
Munira Munira
beweist mit seinen Tänzen zu türkischer und arabischer Pop-Musik, daß Tanz die femininste aller Kunstformen ist, und der Orienttanz auf ganz besondere Weise die weibliche Seele anspricht. Eine sehr innige Gruppenvorführung.
Nun betreten
Aisha
und ihre Freundin und Kollegin
Aisha und Asadea Asadea
gemeinsam die Bühne, um uns einen klassischen orientalischen Tanz und ein Trommelsolo vorzuführen. Sie bieten einen perfekten synchronen Duo-Tanz, mit sehr weiblichen und überaus eleganten Bewegungen. Vor allem der klassische Tanz des Trommelsolos weiß zu entzücken. Den Abschluß bildet der Fortgeschrittenenkurs
Samzamah Samzamah
mit einer modernen Version des klassischen orientalischen Tanzes, eine flotte und elegante Ballettaufführung mit viel Liebe zur Musik.
Nun wird das Büffett eröffnet, und eine wunderbare Show liegt hinter uns. Wir haben etliche schöne und einige hübsche Momente erlebt, und auch viele durchaus reife Darbietungen. Lehrerin Aisha tanzt bei vielen Gruppen mit, doch einigen darunter ist anzumerken, daß sie das nicht mehr lange zu tun hat, dann sind sie flügge. Und vor allem ist klar geworden, daß man sich um den Orientalischen Tanz hierzulande keine Sorgen machen muß, solange engagierte Lehrerinnen und mutige Schülerinnen zu solchen Schauen in der Lage sind. Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr!

- Marcel Bieger ist freier Publizist und Redakteur des „Oriental Cosmos“.

 

 ORIENTALISCHE NACHT am 23.05.2008 der VHS-Reinbek/Sachsenwald - von Mondkrähe  
 

ORIENTALISCHE NACHT am 23.05.2008 der VHS-Reinbek/Sachsenwald - von Mondkrähe

Knapp einhundert Zuschauerinnen kamen im Holstensaal des Sachsenwald-Forums in Reinbek bei Hamburg zusammen, um sich eine orientalische Nacht, organisiert von der VHS-Sachsenwald, anzusehen. Das orientalische Tanzensemble der VHS wurde von Adyla und ihrer Gruppe Khaiel unterstützt, für die Live-Musikbegleitung sorgte die Ali-Shibly-Band.
Diese Formation um den, aus Bagdad stammenden Musiker Ali Shibly, leitete auch den Abend mit klassischen arabischen, nubischen und ägyptischen Folklorestücken mit Jazz-Elementen ein. Nervtötend waren die drei als Araber verkleideten älteren Herrren, die die Anmoderation der Tänze übernommen hatten. Am linken Bühnenerand sitzend, wirkten sie wie eine Parodie auf Waldorf und Statler von der Muppet-Show, bloß ihre Dialoge waren so langweilig und überflüssig wie abgestandenes Wasser.
Die VHS-Tanzgruppe zeigte verschiedene Tänze mit Zimbeln, Stöcken, Schleiern, Melaya, Lichtern und ein Trommelsolo (das abgenudelt-uralte von Henkesh). Interessanterweise hatte sich die kleine Schwester der weltberühmten "Glühbirne" in die Tanzgruppe eingeschlichen.
Die Leiterin der VHS-Tanzgruppe, Beate Schönhof - Nuriya -, tanzte zwei Soli, davon eines zu Live-Musik mit der Shibly-Band, und ein Duett mit der Gasttänzerin Synja aus der Gruppe Khaiel. Vielleicht lag es an ihrer nordischen Unterkühltheit, aber die Leidenschaft im und für den Tanz fehlte, obwohl sie technisch sauber und gekonnt tanzte.
Den positiven Kontrast bot Adyla, Halbaraberin, die sehr wohl zeigen konnte, wo die Leidenschaft im Tanz liegt. Sie tanzte eine Choreografie mit Isis-Wings zu "Ice-Queen", sowie ein Solo zu Live-Musik. Hier zeigte sich auch, wie Tänzerin und Musiker zusammen harmonieren können. Das Ensemble Khaiel tanzte einen Doppelschleiertanz und einen Arabic-Flamenco mit Fächern. Insgesamt wurde an diesem Abend ein durchschnittlicher Überblick über die Tänze des Orients, ohne besondere Höhen und Tiefen, den Zuschauern geboten. Es gab keine Experimente, Tribal, Fusion, Indisches oder Persisches wurde nicht gezeigt. Eine Veranstaltung, von der man nicht behaupten kann etwas versäumt zu haben, wenn man sie nicht gesehen hat.

- Mondkrähe ist Solistin (www.mondkraehe.de)

 

 KHAN EL KHALILI FEST in Hamburg-Wilhelmsburg, 27.Septemer 2008 - von Mondkrähe  
 



Im Bürgerhaus Wilhelmsburg, im Süden Hamburgs, trifft sich einmal im Jahr die Hamburger Bauchtanzszene, um sich zu präsentieren. Leider blieben einige technische Probleme nicht aus. So gab der Bühnenvorhang seinen Geist auf und konnte nicht mehr bewegt werden und alle Umbauten mußten vor dem Publikum stattfinden; und gelegentlich gab es kleine Mißverständnisse mit der Tontechnik. Leider war auch die Bühne schlecht mit zu viel rotem Licht ausgeleuchtet, so daß alle Tänzer und Tänzerinnen, egal welche Farbe ihr Kostüm aufwies, immer einen Rotstich hatten. Es gab keine Programme, nur die Ansagen der Confèrence, weswegen ich mich hier gleich dafür entschuldige, falls ich Namen falsch geschrieben habe.
Gaststars in diesem Jahr waren Zadiel und Raksan aus Berlin, sowie das Hamburger Bauchtanz-Urgstein Zarefah. Den Start machte die Gruppe Banat al Pharao, die Lokalpatriotinnen aus dem Bürgerhaus, gefolgt von dem Duo Amsu Amun aus Bergedorf, der Gruppe Tamerhenna aus Altona und der Solotänzerin Nel. Diese vier Programmpunkte waren leidliche Aufwärmübungen bevor die Stargäste Zadiel, Zarefah und Raksan auf die Bühne traten. Hier zeigte sich deutlich, was den Amateur vom Profi unterscheidet -- Bühnenpräsenz, Ausdruck, perfekte Tanztechnik!
Zadiel berührte das Publikum mit einem gefühlvollen Tanz mit einem tanuraartigem Rock, den er dann für einen weiteren, schwungvollen Tanz ablegte. Im zweiten Teil der Show tanzte er eine klassische Routine, die er dem Thema "Partnerschaft" gewidmet hatte. Als letztes tanzte er eines seiner berühmten Trommelsoli, hierfür hat sich Zadiel einen Namen gemacht.
Zarefah blieb und bleibt sich ihrer Linie treu -- sie ist ein Inbegriff des typischen Bauchtanzes und zeigt ihre Fröhlichkeit durch die Freude am Tanz. Die fehlte den vorangegangenen Amateur-Tänzerinnen deutlich und erkennbar. Einige der Damen wirkten sogar so, als hätte man sie mit der Peitsche auf die Bühne geprügelt.
Raksan tanzt nun eigentlich nicht orientalisch, denn bei ihr findet man mehr Elemente aus dem Modern Dance und Ausdruckstanz, als aus dem Bauchtanz. Erfrischend ihre Idee, eine Malerabdeckplane als riesigen, bauschigen Schleier zu verwenden. Auch bei ihr spürt der und die Zuschauer/in ihre große Freude am tänzerischen Ausdruck und sie versteht es meisterhaft, den Kontakt zum Publikum zu knüpfen. Dies kam auch deutlich in ihrem zweiten Tanz, einem Zigeunertanz am Ende des zweiten Teils, zum Tragen. Raksan, berühmt für ihren Säbeltanz, zeigte auch einen selbigen ganz am Ende der Veranstaltung. Bei ihr ist der Säbel nicht mehr nur zwangsläufig eine Waffe, sie lässt den Säbel zu ihrem Partner, zu ihrem Geliebten werden.
Nach der ersten Pause stellte die Gruppe Shamsina das Tableau einer Haremszene dar. Wären sie bloß stehen und sitzen geblieben! Zu Sarah Brightman's Song "Harem" traten drei Kerzentablett-Tänzerinnen, zwei Stocktänzerinnen und circa acht bis zehn Schleiertänzerinnen gleichzeitig auf, während im Hintergrund noch einige, meist ältere, Damen auf Sofakissen sitzen blieben. Die Grundidee war an sich gut, bloß die Umsetzung hätte man in professionellere Hände geben sollen. Die "Tänzerinnen" zeigten keinerlei Gespür für die Musik, alles wurde lieblos heruntergekurbelt, um dann in einem wilden Durcheinander zu enden.
Nach dieser "Haremsvorstellung" kam die Trommelgruppe Negum el Leil von Hani Ibrahim auf die Bühne. Fünf Frauen wetteten mit ihrem "Chef", daß sie sich auch ohne ihn auf die Bühne trauen würden -- sie gewannen die Wette und spielten ein kleines Trommelstück. Als dann Hani auf die Bühne kam, um seine Wettschuld einzulösen, ein Solotanz zur Trommelbegleitung seiner Damen, tobte der Saal.
Herausragend war Masri's Tanuratanz. Seine Tanuras und Rahmentrommeln waren mit UV-Farbe bemalt, die im Schwarzlicht mystisch leuchteten - eine ganz phantastische Idee, die die Zuschauer in ihren Bann zog, denn da entstanden Fabelwesen, Märchenfiguren, Außerirdische und leuchtende Tiefseefische, die in der Dunkelheit auf der Bühne herumwirbelten. Mit seinem Tanuratanz tritt Masri auch bei "Deutschland sucht das Supertalent" auf und machte hierfür nach seinem Tanz auf der Bühne reichlich Werbung. Wollen wir hoffen, dass er mehr Glück als Zadiel hat, der letztes Jahr bereits nach dem ersten Recall rausflog.Masri zeigte nach der zweiten Pause noch einen fetzigen Saidi-Stocktanz mit einer Partnerin.
Nach der zweiten Pause trat die Hamburger Tribal-Fusion-Tänzerin Tamira auf. Angeblich nimmt sie schon seit Jahren Unterricht bei Rachel Brice, aber wahrscheinlich nur von Video, denn sie überzeugte nicht wirklich als Fusion-Tänzerin, dafür kam zu wenig Körperspannung, zu wenig Ausdruck, zu wenig von allem.
Ein-, zwei Gaststars, umrahmt von mittelmäßigen bis unterirdisch schlechten Amateurtänzerinnen -- ist Hamburg nicht Weltstadt genug, um hier besseres leisten zu können, eventuell sogar neue Maßstäbe zu setzen? Muß Hamburg bauchtanzmäßig so provinziell sein, daß selbst kleinere Städte, wie Bremen, besseres auf die Füße stellen können? Ich persönlich glaube, daß Hamburg das aus eigener Kraft schaffen kann, dann müssen auch nicht mehr die Bellydance Superstars für Weltklasse-Flair sorgen.

- - - Mondkrähe ist Solo-Tänzerin (www.mondkraehe.de) und hat schon öfter für den „Oriental Cosmos“ die Tanzszene kritisch begleitet.
Eine kürzere Version ihres Berichts über das Hamburger Festival erschien bereits in „Orientalika“ (www.orientalika.de)

 

 Anmerkungen zur Gala-Show „ODDA 2008“ in Linz (A) am 24.05.2008 von Rita F. und Marcel Bieger  
 

NACHBARN Anmerkungen zur Gala-Show „ODDA 2008“ im oberösterreichischen Linz am 24. Mai 2008
von Rita F. und Marcel Bieger

Österreich ist ein eigenständiges Land und uns doch sehr nah. Man spricht dort unsere gemeinsame Sprache, und doch sind wir uns in vielem fern. Das trifft auch auf den Orientalischen Tanz zu, und über die nationalen Grenzen hinweg bildet Österreich mit seinen 8 Millionen Einwohnern eine weitere Tanzregion, wie wir sie in Deutschland finden. In unserem Norden weiß man wenig über das, was im Westen abgeht (umgekehrt auch), und was in Österreich an Shimmies, Tribal und dergleichen stattfindet, erfährt man hier bei uns eher selten. Selbst in Deutschlands Süden sind meist nur die Expertinnen halbwegs im Bilde. Doch so langsam bessert es sich mit diesem Wissensdefizit, vor allem die rührige Sylvia Sophia (aus Linz) sorgt durch zahlreiche Berichte (in nahezu allen gängigen Genre-Magazinen) und Besuche bei deutschen Schauen dafür, daß etwas mehr an Austausch zwischen Alpen und Flachland stattfindet.
Die Linzerin Sylvia Sophia gehört folgerichtig auch zu denjenigen, die sich vor fast anderthalb Jahren mit Martina „Mouna“ Pichler sowie Günther Pichler und einigen anderen zur ODA zusammengeschlossen hat, um eine eigene Schau auf die Beine zu stellen, die ODDA = oriental dancing days austria (Orientalische Tanz Tage Österreich). Man sieht, auch die hohen Berge der Alpen schützen nicht vor der Seuche Denglisch. „Miteinander – Füreinander“ lautet die offizielle Devise dieses Vereins, und das inoffizielle heißt: „Nur keine falsche Bescheidenheit.“ Nicht nur eine Show oder ein „Üwönt“ sollte es werden, sondern eine ausgewachsene Gala, und dafür mietete man gleich das Linzer Palais Kaufmännischer Verein an. Auch stammten alle auftretenden Künstler aus Österreich, und das Programm überstieg netto (also uneingerechnet der Pausen) auch locker die Zwei-Stunden-Grenze. Die meisten Namen der Künstler und Künstlerinnen werden den Lesern hierzulande (noch) wenig sagen, aber unter ihnen finden sich einige, die auch den Vergleich mit den Besten hierzulande nicht zu scheuen brauchen. Daß der Orientalische Tanz und seine Feste auch in Österreich nicht unbedingt automatisch auf Rosen gebettet sind, beweist die kürzlich stattgefundene Show „Austrientia“ in Wien (mit odda weder verwandt noch verschwägert), der dank weniger intensiver Vorbereitungen und auch sonst wenig glücklicher Hand ein durchschlagender Erfolg versagt blieb. Leider gibt es Wochenenden, an denen überhaupt nichts von Belang stattfindet, und andere, wo die Termine sich bündeln. Zu meinem Glück gibt es Zeitzeugen, die verläßlich über solche Schauen berichten und einen lebendigen Eindruck vermitteln können. In diesem Fall war das Rita F., deren Darstellung ich hier nacherzähle (sie möchte nicht so gern selbst in Erscheinung treten). Wenn irgend etwas falsch wiedergegeben wurde, ist das allein auf meine Schusseligkeit zurückzuführen.
Eine Orienttanz-Gala mit einer Zigeuner-Tanztruppe zu beginnen, setzt beim Publikum gewisse Grundkenntnisse voraus, aber dieser Auftakt geht ganz in Ordnung, die Damen von
Spirit of Orient
bringen mit ihrer lebendigen Darbietung Stimmung in den Saal. Man ist danach bereit, sich weiter einstimmen zu lassen. „Wahiba“ erscheint mit einem Leuchter und führt dann gleich in den Standard ein, den Orientalischen Tanz. Dieser Tanz ist unverwüstlich und bildet das Rückgrat dieser gesamten Kunstform. Selbst bei mittelmäßigen Darbietungen zieht er die Zuschauer in seinen Bann.
In der dritten Abteilung zeigt „Melitta“ uns eine Sonderform, die man nicht bei jeder Gala geboten bekommt, selbst dann nicht, wenn sie sich vor allem dem Orientalischen Tanz und nicht seinen modernen Ablegern verpflichtet fühlt. Die Rede ist von einem Leuchtertanz, und der verlangt von der Tänzerin eine besonders kerzengerade Haltung. Paart sich die mit Eleganz, wie in diesem Fall, ist der Genuß schon garantiert. Die Künstlerin bietet diesen animierenden Tanz (er kommt vor allem bei Hochzeiten zur Aufführung) in der traditionellen Weise dar, wie man sich überhaupt bei dieser Show darauf einstellen muß, daß es keine Experimente gibt, künstlerische Interpretationen ja, aber nur selten individuelle Variationen.
Einen weiteren klassichen Orientalischen Tanz bekommen wir von „Yalia“ zu sehen. Normalerweise ist die Körperfülle einer Tänzerin kein Thema in einer Show-Kritik, bei ihr verleiht die Üppigkeit jedoch eine betont leidenschaftliche Beweglichkeit. Yalia demonstriert, warum der Orientalische Tanz eine vor allem weibliche Kunstform ist. Sie animiert das Publikum immer wieder zu Reaktionen, spielt mit ihm und bewegt dazu immer neue Körperstellen rhythmisch.
Damit zu einer weiteren Säule des Orientalischen Tanzes, dem Trommel-Solo, hier dargeboten von „Nabila“ mit „Tiziano“ an der Handtrommel. Normalerweise nutzen Tänzerinnen dieses Genre, um alles zu geben und zu zeigen, was sie beim Tanz mit ihren Gelenken anzustellen vermögen. Doch diese beiden hier gehen ein gutes Stück zurück in der Zeit, nämlich zu den Jahrhunderten, als Trommler und Tänzerin in ganz besonderer Weise aufeinander eingingen und eine eigene Verbindung zwischen sich schufen. Diese beiden hier harmonisieren jedenfalls in ausgezeichneter Weise miteinander, und sie improvisieren auch gemeinsam. Sie locken und necken sich wie ein Liebespaar. Und so erzählt dieses Trommel-Solo die Geschichte der beiden, nicht wie sie sind, sondern wie sie in einem früheren Leben gewesen sein mögen
Mit einem Stocktanz schlägt „Sabine Koinig“ ein weiteres Kapitel im klassichen Orientalischen Tanz auf. Ursprünglich ein Männertanz haben die Frauen ihn schon lange für sich erobert, teils, um damit die Männer zu necken, teils aber auch, um ihn zu einer weiblichen Form weiterzuentwickeln. Obwohl traditionell angelegt entwickelt sich dieser Beitrag doch recht wechselvoll und soll wohl in seinem manchmal unharmonischen Vortrag die innere Zerrissenheit so mancher Frauenseele widerspiegeln.
Mittlerweile kaum noch wegzudenken aus einer Gala, der indische Bollywood-Tanz, hier dargeboten von „Mohayathi“. Die Genre-Filme finden auch hierzulande ihre Zuschauer, und vor allem die knallbunten Pop-Ballette gelten als Markenzeichen, mögen sie mitunter auch kitschig und klebrig sein. Doch daß dahinter mehr stecken kann und der Bollywood-Tanz durchaus auf klassischen indischen Tänzen und Traditionen fußt, erleben wir hier und jetzt. Sehr viele Register werden gezogen, die Gruppe paßt hervorragend zusammen, und wir erleben hier doch etwas Unerwartetes: Tribal auf indisch. Die Frauen erzählen mehrere Alltagsgeschichten und bedienen sich dabei mit sicherer Hand der für den indischen Tanz so überaus wichtigen Gestik. – Ein kleiner Wermutstropfen: Eine Tänzerin handelt mit ihrer nicht einmal modischen Kurzhaarfrisur (Typ: Gabriele Krone-Schmalz) dem traditionsreichen Auftritt doch zu augenfällig zuwider.
Daß im Orient nicht nur Frauen tanzen, ist eine Binsenweisheit, dennoch gehören hierzulande männliche Genre-Tänzer immer noch zu den Exoten. „Alexandros“ stürmt fulminant mit Isis-Flügeln auf die Bühne und bedient sich dieser Hilfs- und Stilmittel allerdings nicht filigran elfenhaft, sondern eher wuchtig, als hätte er sich statt ihrer einen Tanura-Rock umgebunden. Wie wir auch in seinem zweiten Beitrag sehen werden, kommt das nicht von ungefähr, denn das Feine, Zarte ist seine (Tanz-) Sache nicht.
Mit einem Federfächertanz trägt „Tamara“ zum Gelingen des Abends bei, indem sie mit Hilfe dieses Accessoires die Geschichte eines schönen, exotischen Fabelvogels erzählt: Er erwacht, er reckt und putzt sich, er fliegt, er flirtet mit dem Publikum, er frißt, und er fliegt zurück, um sich wieder hinzulegen. Tamara trägt das mit Witz, Tempo und mystischer Atmospähre vor und kann sich mit dieser Nummer wirklich sehen lassen.
Und wieder Zeit für einen klassischen Orientalischen Tanz. „Olympia“ beginnt ihn mit einem Schleier, den sie aber bald ablegt, um sehr rhythmisch und unter Ausnutzung der ganzen Bühne ihren selbstbewußten leidenschaftlichen Tanz zu zelebrieren.
Die Spielart des Tribal gehört nicht für jeden zum klassischen Kanon des Orientalischen Tanzes. Doch mittlerweile ist er so arriviert, daß auch eine Gala nicht unbedingt an ihm vorbeikommt. Und sich, wie im vorliegenden Fall, sogar mit ihm schmücken kann. Die „Baubo Vibes“, der Stamm der Mitveranstalterin Sylvia Sophia, zeigen uns einen langsamen Tribal, der mit dem Tribalgebet begann, von ihnen Tribalgebet genannt. Im Gegensatz zur traditionellen Ballett-Aufstellung (wie beim Fernsehballett, selig) stehen sie im Halbkreis da, bis ihre Mutter nach angemessener Frist die ersten Cues gibt. Ja, die Baubo Vibes tanzen improvisiert; früher eine Selbstverständlichkeit beim Tribal, muß man das heute als Besonderheit hervorheben. Schön, daß man bei einem traditionellen orientalischen Abend auch das berücksichtigt. Wie Wüstenschiffe waren die Frauen hereingeschwebt, haben dann Aufstellung genommen und geraten nun langsam in Bewegung, eine nicht ganz einfache Übung, dabei stets das zurückgenommene Tempo der Gruppe beizubehalten. Doch es klappt sehr gut, und so versetzen diese Damen den Saal in andächtiges Schweigen. Wir erleben nicht nur ein Gebet, sondern wähnen uns in einer ganzen Messe. „Sylvia Sophia“ setzt zu einer Besonderheit an, zu einem Drehtanz um die eigene Achse und auch über die Bühne. Dazu trägt sie einen Tanura-Rock, führt aber keinen Tanura-Tanz vor, weil den nur einige wenige männliche Tänzer wirklich beherrschen. Sylvia Sophia paßt sich mit ihrem Drehtanz der Messe an, denn einem solchen Auftritt wohnt etwas Mystisches inne. Nicht ohne Grund stammt er vom Orden der Derwische, die sich damit in eine Art spritueller Trance versetzt haben. Und sie beweist, daß sie sich mit diesem besonderen Kleidungsstück auseinandergesetzt hat. Um dessen vier Kilogramm Gewicht erst einmal in Bewegung zu setzen, bedarf es einigen Schwungs und noch mehr Übung. Doch in Wahrheit ist es kein Tanura-Rock, er sieht nur so aus, was aber dem Vergnügen keinen Abbruch tut.
Orientalische Klänge ohne Tanz stehen nun auf dem Programm: „Tiziano“ spielt auf Hang und Trommel und erzeugt sehr betörende Einblicke in eine für uns oft fremde Klangkunst. Im zweiten Teil läßt er ein klassisches Trommel-Solo vernehmen, nur fehlt die gewohnte Tänzerin. Tiziano verändert sehr geschickt Klangvolumen und Klangfarbe durch verschiedenes Aufsetzen der freien Hand. Endlich betritt noch einmal „Alexandros“ die Bühne und präsentiert seine Interpretation eines Trommel-Solos. Erneut kommt sein Tanzstil eher erdig wuchtig herüber, seine künstlerische Botschaft gründet sich nicht auf Eleganz.
Dafür entschädigen im Anschluß die „Baubo Vibes“ mit einem wilden Tribal. Wieder wird im Halbkreis Aufstellung genommen, die Mutter vorneweg. Doch da wir es hier mir keiner Anbetung, sondern einem fröhlichen Bild aus dem Alltag zu tun haben, wechseln die Tänzerinnen ihre Stellung, bewegen sich auch – geordnet – durcheinander und drehen sich zum Schluß im Kreis und um sich selbst. Dazu eine so passende Musikmischung aus Mittelalter-Rhythmus und östlicher Folklore, daß man meinen könnte, das Stück sei eigens für diesen Auftritt komponiert worden. Noch einmal „Olympia“ mit ihrem Verständnis der avantgardistischsten Entwicklung auf dem Orienttanz-Sektor: dem Fusion, also der Vermengung anderer Stile mit dem Tribal und dem traditionellen Orientalischen Tanz. Olympia fügt dem Grundmuster indische Elemente bei und auch ein paar abrupte Breaks und Snakes aus dem Streetdance. Warum gerade diese Mischung, bleibt aber leider ihr Geheimnis, denn sie führt nur vor, erzählt jedoch keine Geschichte und verzaubert auch nicht durch das Ergebnis ihrer Zusammenfügung.
Eine nette weitere Variante des klassischen Orientalischen Tanzes steuert „Shadiyah“ bei, und auch „Melitta“ bereitet eine Fassung des klassichen Orientalischen Tanzes zu. Eine wirkliche Variation des Themas erleben wir aber erst mit dem „Duo Azar“: Zwei flirtöse junge Damen in Kostümen aus den 20er Jahren tanzen gut aufeinander eingespielt und leicht parodistisch.
Ein Faible fürs Indische hat „Shemzedah“, die zunächst einmal indische Elemente mit denen des Orientalischen Tanzes verknüpft, das aber etwas abgehackter arragniert und dunkler präsentiert – bis hin zu leisen Anleihen am Gothic Bellydance -, so daß man hier fasziniert eine wirkliche Neuschöpfung miterlebt, ein gelungener Fusion-Beitrag.
Der Stolz jedes Veranstalterteams auf einer Gala ist der Auftritt ihrer Vorführ-Truppe, für gewöhnlich Ensemble genannt. Auch hier keine Ausnahme, das „Syba-Ensemble“. Ein halbes Dutzend Damen schreitet, nein, schwebt in vornehmer Abendgarderobe herein, bleibt stehen und schaukelt leise auf der Stelle, um sich dann wie Schmetterlinge oder Elfen zu erheben – mit Zartheit, mit Flügelschlag, mit Mädchenhaftigkeit, wie ein Elfentanz aus den 20er Jahren, einer Freizeitbeschäftigung von höheren Töchtern. Jeder einzelnen zuzusehen, ist ein Genuß, und in der Gruppe geben sie mehr als die Summe ihrer Teile. Ein Höhepunkt an Anmut, Eleganz und Erlesenheit. Ein Schleiertanz, wie man ihn noch nie erlebt hat, unterstützt von Enya-artiger Musik, genauer von einem Stück von. Loreena Mc-Kennith.
Einen weiteren klassichen Orientalischen Tanz führt „Nabila“ vor und tanzt ihn ohne Schnörkel in seiner orientalischsten Form. Leidenschaft feuert ihre Schritte an, sie ist sehr beweglich und steht keinen Moment still. So wird auch heute noch in orientalischen Restaurants getanzt. Der Reiz dieser Vorführung geht von der Vermengung raumgreifender Bewegungen mit auf der Stelle getanzen Shimmies aus.
Als letzte in der Runde beschert uns „Ayuna“ einen Tanz zum Trommel-Solo, ein ebenso traditionelles Erlebnis wie bei ihrer Vorgängerin. Auch sie tanzt mit vollem Körpereinsatz, sie stellt sich sogar auf die Handtrommel, um dort ihre Shimmies selbst ohne Musik vorzuführen, bis der Trommler durch Schläge auf seine Wangen eine Art Percussion erzeugt. Die Korrespondenz zwischen den beiden Künstlern ist wirklich einzigartig. Selbst im Knien gibt sie dann noch einmal alles, was in ihr steckt, und läßt die lange Mähne kreisen und wehen, daß es einen Headbanger neidisch macht.
Der Sultan von Samarkand läd nun zum Finale, und alle Künstler treten jetzt wieder auf die Bühne. Ein langer, aber keinesfalles langatmiger Abend geht zu Ende. Alle haben einer großen Gala beigewohnt. - Marcel Bieger ist Redakteur des „Oriental Cosmos“.

 

 „UNI GOES ORIENTAL“ – 2. Osnabrücker Orienttage 21. Juni 2008 von Marcel Bieger  
 

„UNI GOES ORIENTAL“ – 2. Osnabrücker Orienttage 21. Juni 2008 von Marcel Bieger

Auf den ersten Blick mutete es wie ein Schülerinnenfest an, zu dem das Osnabrücker „Tanzstudio Hipdance“ unter Leitung von Delanna eingeladen hatte. Doch kaum hatte man ins Programm geschaut, wußte man, daß einen hier auch eine Gala mit guten und sehr guten Stars erwarte. Gerade die Mischung aus jungen Talenten, aufstrebenden Gruppen und erfahrenden großen Namen reizte die Neugier ungemein. Und um es gleich vorneweg zu sagen, diese Veranstaltung läßt sich auch auf anderen Ebenen nicht mit dem vergleichen, was man gewohnt ist.
„Uni Goes Oriental“ kam in drei Blöcken daher, Entree, Gala I und Gala II, und man bekam in der Osnabrücker Stadthalle insgesamt 23 Nummern geboten. Eröffnet wurde alles von einem Schleiertanz zu getragener Hymne (Irischa’s Fahreedat), etwas flotter die sieben Schülerinnen dann bei einem Trommel-Solo. Da steckt Potential drin. – In der nächsten Abteilung ein Schwung Shimmy-Ladies, die uns zusätzlich mit Isis-Flügeln kommen. Kein eigentlicher Gruppentanz, mehr eine Zusammenstellung von Solo-Darbietungen, die alle tradierten Formen des Orientalischen Tanzes im Programm haben und vorführen (na gut, nicht ganz alle). Dennoch zeigt dieses Stück tänzerische Lockerheit, die man bei Schülerinnen sonst nicht vermutet
Noch einmal Isis-Flügel, aber diesmal exklusiv. Dieses Requisit darf auf solchen Schauen nicht fehlen, auf viele neue und junge Tänzerinnen übt es größte Anziehungskraft aus. Samea tanzt gekonnt zu popiger, leicht rockiger orientalischer Musik, ein durchaus eigenständiger Vortrag, nur vielleicht ein wenig zu lang. Lehrerin Delanna betritt nun im paillettierten Kostüm die Bühne und bietet eine Auswahl orientalischer Tanzstücke, Von Trommel-Solo mit den üblichen Shimmys (hier aber sehr schnell dargeboten) bis zu den sonstigen Raks Sharki Zutaten. Hier zeigt sich, wer die Lehrerin ist. Wer es wie Delanna schafft, der Darbietung Orientalischer Tänze eine erkennbar eigene Note zu geben, hat Beachtung verdient. Sie nennt ihren Tanzstil nach US-Vorbild „American Cabaret“, und in dem bedient sich der OT einiger Elemente aus dem Modern Jazz. So etwas bekommt man hierzulande nicht oft geboten.
Die Abteilung „Tribal“ bedient Takasim , und auf diesen Gruppentanz darf man immer gespannt sein, weil es sich bei ihm lange Zeit um eines der Aushängeschilder einer Tanzschule gehandelt hat (mittlerweile läuft der Fusion ihm etwas den Rang ab). Zum Gruppentanz gehören, wie der Name schon sagt, mehrere. Doch eine aus dem Trio ist verhindert, so daß sich nur ein Duo der Aufgabe stellt, und das gar nicht schlecht. Ihr Tribal basiert nicht nur auf ATS, sondern nimmt auch verstärkt Elemente aus dem Orientalischen Tanz (OT) in sich auf. Und sie bewegen das Tempo, eine hübsche Ergänzung, ist man bei diesem Stil doch gewohnt, sich mal schnell und mal langsam, aber immer in dem einmal gewählten Tempo zu bewegen. Ein unerwartetes Vergnügen von einer Schülerinnengruppe.
Bei einem Tanzstudio, da auf sich hält, darf natürlich „Bollywood“ nicht fehlen, hier vorgeführt vom Duo Chandrakanta aus Oldenburg. Zu einem der Evergreens dieses Genres zeigen sie, wieviel Spaß dieser fröhliche Fernsehtanz machen kann. Diese Gruppe sehen wir übrigens auch in der Gala wieder, wo es uns mit einer weiteren Bollywood-Nummer erfreut. Die beiden von Duo Chandrakanta flechten die hübschen Fingerbewegungen ein, präsentieren auch andere Facetten und haben damit schon wieder den traditionellen indischen Tanz erreicht, bei dem es ja in hohem Maße auf die Gestik ankommt.
Und wer als Tanzschule noch mehr auf sich hält, bietet auch Flamenco an. Zu verpoppter Musik bieten die recht jungen Damen von Yvonne & El Zu’ur weniger komplizierte Schrittfolgen als vielmehr flamencoartigen Showtanz. Chefin Delanna entschädigt uns dann aber mit einem Fächerschleier-Solo, und der Tanz nähert sich immer mehr der andalusischen Folklore, und bald tanzt man beinahe OT in spanischen Kostümen, was an sich ja kein Ding der Unmöglichkeit ist. Doch immer wieder kehren die Tänzerinnen zum Spanischen zurück und vergessen während der ganzen Darbietung ihre Anmut nicht.
Der erste Teil hat uns auf sehenswertem Niveau Schülerinnen-Darbietungen gezeigt, die allein schon einen unterhaltsamen Abend bedeutet hätten. Doch man will hier mehr, will Standards setzen und auch zeigen, wo die ganze Tanzbewegung steht. Im zweiten und dritten Teil (die Gala) wechseln sich daher hauseigene Gruppen mit Gästen und Freunden des Hauses ab. Nicht wenige Studios rufen ihnen bekannte Künstler zusammen, und das Ergebnis ist mitunter unausbalanciert und beliebig. Delannas Tanzstudio „Hipdance“ hingegen wählt schon mehr aus und achtet darauf, bei den Gastauftritten etwas mehr Substanz zu bieten.
War es bislang immer aus Gründen der Höflichkeit üblich, zuerst die Damen zu nennen, so wollen wir es hier, auf einer weiblich dominierten Veranstaltung, umgekehrt halten und mit den Männern beginnen: Ein gutes Jahr 2008 hat Soner, er wartet, diesmal ungewohnt züchtig bedeckt (für seine Verhältnisse) mit traditionellen Orientalischen Tänzen auf, wie man es von ihm gewohnt ist, und auf diesem Gebiet ist er ja auch nicht schlecht. Im zweiten Tanz begleitet er sich selbst mit Zimbeln. Einen Mann erleben wir auch im Duo Nina & Jan , die beide der Tribalgruppe „Baghira“ angehören. Diese bietet neben traditionellem Tribal auch einige hübsche Tanznummern der ungewohnten Art (bei „Alles Tribal 4“ zum Beispiel zur Filmusik von „Der rosarote Panther“, s. OC 4.4.1). Hier in Osnabrück führen sie zu zweit Tribal – nach mittelalterlicher Musik, mit irischem Einschlag - auf, diesen Gruppentanz im Duo angerichtet, das bekommt man ja auch nicht alle Tage geboten, aber hier bei den 2. Osnabrücler Orienttagen gleich zweimal (s. „Takasim“). Vielleicht liegt es ja an Jan, daß diese Interpretation recht wuchtig ausfällt. Die beiden bauen Elemente des Stocktanzes ein, und man erkennt, daß Stocktanz in dieser Form nicht weit vom Schwerttanz entfernt ist, und das liegt das Mittelalter dann ja auch nicht mehr fern.
Ein weiteres Exemplar aus der beinahe schon unter Artenschutz stehenden Rubrik „männlicher Tänzer“ ist Bondok, und den sollte man mindestens einmal im Jahr gesehen haben, gibt es doch nur wenige Tänzer wie ihn. In seinem ersten Auftritt gibt er einen Stocktanz, und hier bekommt man zu sehen, was es damit wirklich auf sich hat. Wie mir ergeht es sicher auch vielen anderen, die den Stocktanz nur in seiner parodierten Form, nämlich von Frauen durchgeführt, kennen. Seine artistischen Stockwürfe und hochakrobatischen Figuren zeigen doch eine ganz andere Qualität. Mit seinen beiden Stöcken führt Bondok all das vor, wozu andere ein ganzes Arsenal an Hilfsmitteln brauchen – aber das braucht er alles nicht. Während seiner Darbietung ahnt man, wie lange Stock und Mensch schon zusammenwirken, ist jener doch die erste Waffe und das erste Werkzeug. In seinem zweiten Auftritt an diesem Abend führt Bondok uns in ein weiteres Geheimnis, in den Mysterientanz „Tanura“; auch dies ein traditionelles Stück, doch aufgrund seiner rituellen Form und der etwas schwierigen Handhabung des 4 Kilogramm schweren Rocks nicht jedermanns und jederfraus Sache. Die ganze Nummer hindurch dreht der Tänzer sich um die eigene Achse und bewegt sich dabei kaum vom Fleck – mit Ausnahmen. Der Rock hebt und senkt sich, Bondok trägt einen Schleier vor dem Gesicht, und als er den äußeren Rock hochzieht, erkennen wir, daß er mehrere solcher Stücke trägt. Zeitweise sieht er aus wie eine Spindel, während der äußere Rock über Kopf und Armen reicht – hochgehalten von der unablässigen Drehbewegung –, kreist der untere über den Beinen. Er entkleidet sich immer mehr und führt uns durch die Kombination der darunter befindlichen Kleidungsstücke und ihrer Farben in immer neue Symboliken ein, deren Bedeutung wir nicht einmal erahnen können, nur der Zauber dieser Darbietung umfaßt uns. Bondok muß eine Zugabe geben, so ergriffen sind alle von seiner geheimnisvollen Kunst. Nun steigt er zu uns herab und rotiert durch den ganzen Saal, wobei er den Tanura über den Schultern wirbelt. Was für ein Auftritt!
Gehen wir damit über zum „Damenprogramm“, das uns natürlich erst so richtig die ganze bunte Welt der orientalischen Tänze und modernen Varianten ausbreitet. Das Erfurter Duo Sahara Dreams kommt uns mit Doppelschleiern. Die beiden verstehen sich den Umgang mit ihren Stoffbahnen, eindringlich und anrührend tanzen sie mit ihnen und benutzen sie nicht als zufällig wallendes Accessoire.
Die Studioleiterin, Delanna, die vorher schon im Schülerinnen-Teil zu sehen war, betritt nun die Bühne. Wie es sich für eine solche Veranstalterin gehört (aber frage mich bitte keiner, warum das so ist), kommt sie uns mit einem klassischen orientalischen Tanz plus Trommel-Solo. Man merkt aber rasch, wieviel sie davon versteht und freut sich daran, wie sie eigene Akzente setzt. Sie verläßt die starre Reihenfolge, spielt mit den Musikelementen und läßt alle möglichen Körperpartien an ihren Shimmies teilhaben. – Am Ende des ersten Galateils rauscht Delanna mit ihrer jungen Schautanzgruppe Style ‚n‘ Shake auf die Bühne. In Pumphosen und 70er-Jahre-Retro-Kleidung führen sie einen Gruppentanz mit Hip Hop, Fusion, Tribal und allem anderen, was modern und tanzbar ist und Laune macht auf. Die Musik dazu könnte man vorsichtig elektronischen Orient-Hip-Hop nennen. Delanna tanzt danach ein sich daran anschließendes Solo. Toll.
Eine ganz andere Baustelle betreten wir mit dem Gruppe Penthesilea. Eigentlich ein Quartett sieht man sie meist als Trio, ein auf den Grundlagen des Tribal basierendes Unternehmen, das Fusion der finstersten Art bietet, des Gothic nämlich. Nicht umsonst behaupten diese Frauen von sich, aus der dunkelsten Ecke des Ruhrgebietes zu kommen (ohne genauer zu verraten, wo die denn eigentlich liegt). Gemäß den Regeln des Tribal improvisieren sie ihre Auftritte, und wie beim Gothic üblich kommt eine Menge Emotionalität über. Sie zeigen sich heute in einem etwas offeneren Kostüm und tanzen in langsamen, eckigen Bewegungen zu deutschem Gothic Rock („Covenant“). Penthesileas Auftritte zu deren Stück „Greater than the Sun“ werden von Mal zu Mal düsterer. Im zweiten Stück von „Qntal“ verlassen sie den Tribal nicht, gebärden sich aber noch finsterer. „Diome“ bekommt einen Solo-Part, und das ist eine hübsche Abwechslung. – Nach der Pause erscheint die Stammesmutter Arzo zu einem Solo-Stück, einer sehr mysteriösen Nummer mit Breakdance-Einflüssen, aber auch indischen Bewegungen. Die Tänzerin wandert zwischen beiden Welten hin und her und schafft sich selbst immer mehr. Ein bezwingendes Stück.
Die bekannte Indisch-Tänzerin Dil Arya, dem Hause seit längerem verbunden, führt sie hier doch auch Kurse und WS durch, begibt sich nun mit Partner Basit auf die Tanzfläche. Als Spezialistin für Bollywood-Tänze bescheren sie eine Fusion aus eben Bollywood und indischen Volkstänzen und erzählen tänzerisch eine Liebesgeschichte. Das Duo Dil Arya & Basit
findet sich, streitet sich, findet sich wieder, spielt miteinander und küßt sich zum Schluß. Eine nahegehende Darbietung.
Aus Osnabrück stammt Mallany Amar, und sie führt uns noch einmal zu den Anfängen zurück, zum Orientalischen Tanz der 40er Jahre (des 20. Jahrhunderts), als die Damen in paillettenreichen Roben tanzten. Sie präsentiert uns die traditionelle Kombination klassischer Tanz und Trommel-Solo. Eine ordentliche Leistung.
Aus der Landeshauptstadt Hannover kommen Perlatentia und erinnern uns mit ihrer balkanesken Musik an „Balkan Beat Box“ und bulgarischem Frauen-Chor. Dazu wird Tribal getanzt, und schon haben wir einen pfiffigen Fusion vor uns. Im zweiten Teil wird es dann tribaliger, und es finden sich auch Elemente des klassischen Orientalischen Tanzes. Immer wieder eine Freude zu sehen.
Im letzten Beitrag des heutigen Abends wird es dann wieder indisch mit dem hauseigenen Bollywood-Projekt 14 Tänzerinnen stürmen die Bühne, und das erinnert schon allein durch die Menge stark an die Ballette, wie wir sie aus dem Fernsehen kennen. Sie tanzen die bekannten Figuren und Formationen, und weil Bollywood ein raumgreifendes Vergnügen ist, wird die Bühne immer mal wieder ein wenig zu klein für alle. Schade, was für ein Genuß, sie alle einmal auf einem großen Feld zu sehen.
Ein gelungener Abend geht zu Ende. Dem einen oder anderen mag der indische Anteil etwas zu stark gewesen sein, aber das ist Geschmackssache. „Alles Tribal 4“ setzte auf Fantasy als Schwerpunkt, die „1. Norddeutschen Tribaltage“ machten Gothic salonfähig, und Delanna stellt eben indische Tanzkunst in den Vordergrund. Solange sie auch viele andere Spielarten bedient, geht das vollkommen in Ordnung. Mehr noch, man darf schon sehr gespannt auf das dritte Mal „Uni Goes Tribal“ sein.
Ein Interview mit Delanna zu ihrer Show-Reihe findet sich in „orientalika.de“ (Marcel on Tour, eingestellt am 11.11.08). - Marcel Bieger ist Redakteur des „Oriental Cosmos“.

 

 „The Spirit of Tribaldance - Zweites Tribaltreffen auf der Schönburg 13.-15.06.08 - von Mounja vom Stamm Ajowan (www.ajowan.de)  
 



Auf dem Burghof nehmen uns Shalia und ihre Damen, die passend zum Ambiente in mittelalterliche Gewänder gekleidet sind, mit Sekt in Empfang. Hier auf der Schönburg erwartet uns eine andere Welt, und wir dürfen uns auf ein tolles Wochenende einstellen. Wie schon beim ersten Treffen vor 2 Jahren erfreuen wir uns wieder an all den netten Kleinigkeiten, wie z.B. die mit viel Liebe zum Detail dekorierten Bommeln als Wegweiser und die Burg-Zimmer, geschmückt mit Gebäck und Wochenendplan in Form einer Schriftrolle. Nach dem Abendessen erwartet uns zur Dämmerung eine interessante Burgführung mit spannenden Geschichten aus uralter Zeit. Danach ist Kennenlernabend im Rittersaal. Man trifft alte und neue Gesichter, und bei gutem Wein aus Tonbechern und Wasserpfeife ergeben sich interessante Gespräche an einem kurzweiligen Abend.
Am Samstag früh um 7 Uhr erwartet uns Anya Naima mit Yoga, und das macht unsere müden Glieder wieder munter und fit für den bevorstehenden dreistündigen Workshop mit Apsara Habiba, die uns den tänzerischen Umgang mit Dolchen und Säbeln lehrt. Zeitgleich findet ein Trommel-Workshop mit Bruno Assenmacher statt, der alle rhythmusbegeisterten Damen und die wenigen anwesenden Tribal-Männer in seinen Bann zieht. Nach dem Mittagessen heißt es dann, rein in das Tribaloutfit und zum Fotoshooting bei André Elbing, der im Turm der Burg bis in die Nacht hinein die stimmigsten Bilder schießt. Nachdem wir im Speisesaal mit Kaffee und Kuchen verwöhnt worden sind, spazieren wir zum wiederholten Male über den Burghof, der sich zu einem schönen Markt verwandelt hat. Neben selbstgemachten Seifen, Filzereien, Tonwaren und Wollwaren gab es viel bei Shaila und Yalleh zu bestaunen und zu kaufen.
Nach dem Abendessen begeben wir uns in den nur mit Kerzen beleuchteten Tanzsaal, in dem uns sogleich die Mittelalter-Band „Verres arcis“ aus Bad Münster am Stein einheizt. Der Met fließt und die Stämme tanzen, erst jeder für sich, aber bald alle zusammen und bilden einen großen Stamm mit etwa 50 Tänzerinnen. Da überrascht uns Anya Naima mit einem Solotanz in ihrem unverwechselbaren Tribalfusionsstil. Auch Apsara Habiba läßt sich nicht bitten und beeindruckt mit einem Säbeltanz der Extraklasse, und den Abschluß dieser Showeinlage, die ihresgleichen sucht, bildet eine strahlende Shalia in einem weißen Kostüm und einer modernen Form des Tribaldance. Nun erwartet uns im Mondlicht erleuchteten Burghof noch die heiße Feuershow der Musiker. Ein brennender Dudelsack-einfach irre! Erst weit nach Mitternacht fallen wir müde ins Bett, wo vielleicht noch die eine oder andere Tafel Schokolade oder ein roter Wein seine Abnehmerin findet.
Am Sonntag können wir etwas ausschlafen, der Workshop mit Anya Naima beginnt erst um 9 Uhr. Aber vor den 3 Stunden Tribalfusion macht uns Anya mit Yoga ganz schnell wieder klar im Kopf. Das dritte Fest gibt’s in zwei Jahren Vormerken!

Hinweis der Redaktion: Eine längere und ausführlichere Version des Berichts von Mounja ist im „Orient Magazin“, Heft 1/2009, erschienen.

Hallo, Marcel ! Für uns war es ein besonders schönes Wochenende. Eine traumhafte Kulisse hoch über dem Rhein. Das Programm nicht zu eng gesteckt, viel Zeit für die Kontaktpflege zwischen allen Beteiligten. Wohltuende Angebote und zwei schöne Abende, die unterschiedlich ausgerichtet waren. Pit hatte sich den WS bei Bruno Assenmacher zum Geburtstag gewünscht. Er ist hoch zufrieden damit gewesen. Ich kam, mehr nebenbei, zu zwei inspirierenden WS und freue mich schon das Ein oder Andere an unserem Stamm weiterzugeben. Daß ich „alte Bekannte“ wiedertraf, war auch wunderbar. Der kleine Markt, die Band und die Foto-Aktionen am Samstag rundeten diese Veranstaltung auf das Beste ab. Wir wünschen uns 2010 mit unserem Stamm teilzunehmen. Ein großes Kompliment an die Veranstalterinnen von Aragira !
Herzliche Grüße Annette-Rachida und Pit-Idrissa von Qamar-âjalat
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