oriental-cosmos v.1.0 / 11.07 |
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4. Events
4.1. Berichte
4.1. 1 Gala Abend des Orient Pur Festivals Erftstadt - 1. September 2007
4.1. 2 WAS DARF TRIBAL?
4.1. 3 "ZAHIRA & FRIENDS"-Tanzshow, 10. Juni 2007
4.1. 4 Frauentanzfest Linz, 14. 4. 2007
4.1. 5 "Wos da ma? Ka Auhnung! Probier ma´s aus!"
4.1. 6 "HEXENFEST" DER AJOWAN IN SCHAAFHEIM
4.1. 7 „Tribal ohne Grenzen“, 23.-25. Feb 2007
- von Shazadi
4.1. 8 „DAS SALZ DES OT“
Weihnachtsfeier von Apsara Habiba
4.1. 9 ORIENT DESASTER 3, Düsseldorf, den 27. Oktober 2007
4.1.10 LADINA & FRIENDS – Die Große Orient Benefiz Gala 25.1.2008 in Lemgo
4.1.11 FRAUENTANZFEST LINZ-HARBACH 2008
von Sylvia Sophia
4.1.12 7.Orientalisches Sommertanzfest, Juni 2008 in Kamp Lintfort
4.1.13 ORIENTALISCHE NACHT am 23.05.2008 der VHS-Reinbek/Sachsenwald -
von Mondkrähe
4.1.14 KHAN EL KHALILI FEST in Hamburg-Wilhelmsburg, 27.Septemer 2008 -
von Mondkrähe
4.1.15 Anmerkungen zur Gala-Show „ODDA 2008“ in Linz (A) am 24.05.2008
von Rita F. und Marcel Bieger
4.1.16 „UNI GOES ORIENTAL“ – 2. Osnabrücker Orienttage 21. Juni 2008
von Marcel Bieger
4.1.17 „The Spirit of Tribaldance - 2.Tribaltreffen auf der Schönburg
13.-15.06.08 Schönburg in Oberwesel
| von Mira Lob(01.09.2007) | |
Die Gala eröffnete die Tänzerin Seiya mit einem sehr romantischen Violin-Stück das sie orientalisch, mit Kerzentablett auf dem Kopf, und Rosen interpretierte. Dieses Intro steigerte sich in ein zweites Stück, eine spannend und kontrastreich getanzte Fantasy-Mischung aus slawischer Folklore und Bauchtanz, was den gelungenen Auftakt für den insgesamt sehr abwechslungsreichen Tanzabend stellte.
Benat Kom Ombo, der Tribalstamm Dunyazades, verwandelte anschließend mit ihrem beliebten Gipsy-Tribal, sowie Pois aus Bändern nebst bunten Tüchern, die Bühne in ein wahres Feuerwerk aus Farbe, Licht und Lebensfreude. Der Stamm bewies wieder einmal wie begeisternd die gekonnte Melange aus slawischen Elementen und Tribal wirken kann.
Zur allgemeinen Verwunderung und Begeisterung legte sie danach nicht nur den Leuchter sondern auch einen Teil ihres Kostüms ab, das sich als bald in ein offeneres klassisches Bauchtanzkostüm verwandelt hatte. Diese besondere Raffinesse und Koketterie brachte ihr einen Zwischenapplaus ein, unter dem sie ihre Darbietung mit einem begeisternden klassischen Bauchtanz weiterführte.
Abwechslungsreich ging es weiter mit dem Trio Mayawati , das aus den Tänzerinnen Sophia, Alea, und Mirimah besteht. Die drei zeigten einen romantisch-süßen und modernen Bollywood-Tanz . Ganz in pinkfarbene traditionelle Sari-Stoffe gekleidet, spiegelten die drei gekonnt das moderne Indien der Gegenwart, sowie den indischen Film-Tanz wider.
Danach betrat Naila Khan die frisch gefegten Bretter, die die Welt bedeuten, und überzeugte durch einen verträumt romantischen klassischen Bollywood Tanz zu einer indischen Filmmusik.
Aladin unterhielt anschließend mit einem traditionellen Stocktanz - einen ägyptischen Kampftanz, der in der gezeigten Form nur von Männern vollführt wird und Kraft und Geschicklichkeit zur Schau stellen soll. Dieser extrem temporeiche Tanz wirkte kraftvoll aber dabei auch witzig und frech-fröhlich. An der Tradition eng orientiert, trug er entsprechende lange Kleidung mit Stiefeln und Turban.
Enussah begeisterte danach erneut in leuchtendem Rot gekleidet mit einer sehr ansprechenden und spannenden Kombination aus Flamenco und arabischem Tanz die die Leidenschaft, das Temperament und die Lebensfreude des Südens direkt in den Saalt ransportierte. Auch dieser Auftritt von ihr wurde vom Publikum mit großer Begeisterung aufgenommen.
Den finalen Auftritt des Abends übernahm Shahrazad mit Ihrem Ensemble. Dabei zeigten sie ihr bereits bekanntes, nun aber neu konfiguriertes Tribal-Stück, das auf die ursprünglichen Pfade des Tribal, nach Indien, verweist. Shahrazad übernahm hierbei einen großen Teil des Stückes als Solo-Part. Ihr besonderer Ausdruck und ihr herausragendes Können in Kombination mit ihrem märchenhaft schönen Kostüm, das fernöstliche -indisch -indonesische Elemente aufgriff verzauberte den Saal, und sie und ihr Ensemble ernteten erneut einen großen Applaus.
| Marcel Bieger (28.04.2007) | |
So kehrte die "Haustruppe" der Verantalterin, "Ganesh", zu den indischen Wurzeln zurück und bezauberte mit einem Elefantentanz mit indischen Kostümen und "elfantösem" Kopfschmuck. Indisch, bzw. afghanisch auch der Beitrag von
"Nag Kanya", wie überhaupt Afghanistan eine große Rolle im Tribal spielt.
"Al Hana" bot ein spannendes Zwiegespräch zwischen der Musikbegleitung, einer Trommelgruppe, und den Zimbeln der Tänzerinnen, mal dominierte die eine Seite, mal die andere. Wie sehr der traditionelle Tribal Dreh- und Angelpunkt aller weiteren Entwicklung ist, bewies auch der Beitrag von
"Massuh Raksah" mit flotten, modernen Rhythmen, welche die Grundlage für alle Experimente enthalten. Neben den orientalischen sind auch die spanischen Einflüsse nicht zu unterschätzen, war die iberische Halbinsel doch bis Ende des 15. Jahrhunderts auch maurisches Land:
"Alhazar" erinnerte in ihrem Beitrag daran, der auch, eine konsequente Fortführung, Salsa-Elemente enthielt. Traditionell Türkisches hingegen von
"Gaudiarabicum", während Ganesh in einem zweiten Beitrag
einen Stangentanz vorführte. Der ist zwar eigentlich auch eine traditionelle Angelegenheit, hier aber auf faszinierende Weise von Fantasy-Rythmen begleitet, als hätte jemand "Rammstein" mit lateinischen Texten versehen. Zum Aggressiven dieser Rockband paßte es auch, daß die Tänzerinnen mit einem Mal ihre Stäbe auseinanderzogen und dünne Schwerter zum Vorschein kamen. Stäbe hatte auch
Anjali Alapadma als Requisit dabei, und zeige sich auch ein bestimmendes Element des gegenwärtigen Tribal, daß nämlich statt des raumsparenden Orienttanzes auf das raumgreifende Ballett übergegangen wird - ein wesentliches Merkmal der modernsten Fusion-Abart. So gestaltete sich der Stabtanz dieser Gruppe denn auch mehr zu einem rhythmischen Schreiten.
Salasandar vorgeführt. Schritte und Bewegungen, die man schon zu kennen glaubt, erfolgen dann jedoch variiert und neu arrangiert.
"Ghawazee Karavan dance troup". Wer sich noch an Film- und Fernsehballette erinnert, die vom Big Band Sound und populären Jazz geboren in den 60er Jahren in hoher Blüte standen (um dann in den 80ern - aus Kostengründen - aufgelöst zu werden) kam hier voll auf seine Kosten. So wie von dieser Formation vorgeführt, könnte Filmballett heute aussehen.
"Tribal Mystica & Mystic Mermaids" aus Holland machte ihrem Namen alle Ehre, die zu balladesker Musik mit einem Riesenschleier das Meer darstellten und balletthaft die Geschichte von Meerjungfrauen ("Mermaids") erzählten. Traurig s
"The Uzume" (japanischer Trommelgott) boten einen Höhepunkt an Eleganz und getanzter Würde, wenn sie die Fusion von klassischer Ballettmusik mit orientalischem Tanz vorführten, und in diese Mixtur auch noch Elemente von Elektronik, House und Jazz einbauten.
"Tribe Tabora" schaffte sich schmissig und wirbelnd über die Bühne und machte deutlich, daß erstens Rock-Musik nicht nur E-Gitarre, Bass und Schlagzeug bedeutet, sondern genauso ein eigenes Lebensgefühl ausdruckt. Und daß Rock-Musik durchaus etwas im Tribal zu suchen hat. In ihrem Solo-Projekt
"TNT Vibes" (zusammen mit Safiyya) paaren sich dann Cyberspace und Space-Sound mit der Tribal-Ebene, wie man es sich vorher bestimmt nicht vorstellen konnte. Eine Ungeheuerlichkeit im besten Sinne.
"Kali", die völlig unbescheiden die Filmmusik von "Fluch der Karibik" in den Tribal einführten. Ob man es glaubt oder nicht, das funktioniert! Nicht zu übersehen: gelungene Piratinnenkostüme - Tribal nimmt eben von allen Kulturen etwas in sich auf. (In späteren Tanzschauen diesen Jahres erlebt man übrigens Pirateskes immer häufiger, ein interessanter Trend). Und damit ein letztes Beispiel, das leider eines beweist, nicht alles kann klappen:
"Thuraya Thalat" versuchte sich an "superjeile zig" von Brings. Nun sind Brings eine Kapelle aus dem kölschen Karneval und nehmen dort gewiß (noch) eine Außenseiterposition im dem Sinne ein, daß sie sich anders als im traditionellen Sinne darzustellen versuchen. Dennoch, Karnevalsmusik gründet sich im Prinzip auf dem Marsch oder der Polka, und "superjeile zig" bildet da keine Ausnahme. Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich bin Kölner und stehe auf Karneval, aber was zum Schunkeln und Stampfen taugt, bringt Tanzdarbietungen von der Art des Tribal nicht unbedingt Gewinn. Aber ich lasse mich gern eines Besseren belehren. Übrigens, wenn schon Brings, warum dann nicht "Su lang mer noch am lävve sin", darin sind eine Menge Elemente slawischer Folklore enthalten, da ließe sich eher was draus machen. Keine Kritik, der Versuch dieses Stammes war durchaus ehren- und achtenswert.
| "ZAHIRA & FRIENDS"-Tanzshow, 10. Juni 2007 | |
von Marcel Bieger
Bilder © by Peter Ritter
ensemble kalia_k
ensemble kalia_k
| Frauentanzfest Linz, 14. 4. 2007 | |
von Sylvia Sophia Assmann
| „Wos da ma? Ka Auhnung! Probier ma´s aus!“ | |
Ein gelungenes Experiment – das auf Wiederholung drängt.
- von Sylvia Sophia Assman
| "HEXENFEST" DER AJOWAN IN SCHAAFHEIM, 3. November 2007 | |
- von Marcel Bieger
| „Tribal ohne Grenzen“, 23.-25. Feb 2007 - von Shazadi | |
23.-25. Feb 2007 - von Shazadi
| „DAS SALZ DES OT Weihnachtsfeier von Apsara Habiba | |
DAS SALZ DES OT
Weihnachtsfeier von Apsara Habiba
- von Marcel Bieger
| ORIENT DESASTER 3, Düsseldorf, den 27. Oktober 2007 | |
ORIENT DESASTER 3, Düsseldorf, den 27. Oktober 2007
- von Marcel Bieger
| LADINA & FRIENDS – Die Große Orient Benefiz Gala 25.1.2008 in Lemgo | |
LADINA & FRIENDS – Die Große Orient Benefiz Gala 25.1.2008 in Lemgo.
von Marcel Bieger.
Lemgo ist eine Stadt in Ostwestfalen, im Raum Paderborn gelegen, und ich trete wohl niemandem zu sehr auf die Füße, wenn ich den Begriff Provinz ins Spiel bringe. Das ist durchaus nicht abwertend gemeint, und darauf kommen wir später noch einmal zurück. Das Duo „Namadeya“ hatte uns auf die Gala aufmerksam und neugierig gemacht, und dann fanden wir uns zur festgesetzten Stunde in der handelsüblichen Mehrzweckhalle wieder. Der Raum war geschickt aufgeteilt, so daß man den Eindruck mitnehmen konnte, in einem eigens dafür angelegten Saal eine tolle Schau geboten zu bekommen.
Und gleich ging es mit einem Knalleffekt los, als eine veritable Hochzeitsgesellschaft, bestehend ausTänzerinnen, Musikantinnen und natürlich dem Brautpaar, erst Einzug in die Halle hielt und sich dann auf der Bühne versammelte. Die Vermählten nahmen am Rande Platz, und ihnen zu Ehre und Freude boten einige der Künstlerinnen des folgenden Programms Kostproben ihres Könnens. Was für ein hübscher Einfall! Da war es schon beinahe ein kleines bißchen enttäuschend, als wir bei der Danksagung beim großen Finale hören mußten, daß das Paar sich nicht den Bund fürs Leben versprochen, sondern sich nur für diese Eröffnung zur Verfügung gestellt hatte.
Das „normale“ Programm begann dann mit einem Solo von Nadine Fernandez , die eine Fusion aus Samba und Orienttanz auf die Bühne zauberte. Die beiden Bestandteile waren nicht klar voneinander getrennt, mal überwog der eine, mal der andere, dazwischen auch ein paar Bewegungen, die aus dem Breakdance stammen drüften, das Ganze überaus elegant und so natürlich vorgetragen, als gehörten beide wie siamesische Zwillinge zusammen und als hätte Nadine ihr Leben lang nichts anderes getan.
Ein Rabe, oder besser, eine Rabin riß uns aus dem lateinamerikanischen Bann, als Fire in einem detailgetreuen Riesenvogelkostüm auf die Bühne kam und mit ihren dunklen Bewegungen mystische Stimmung und wohliges Schaudern verbreitete. Und wieder etwas anderes im nächsten Beitrag: Ladina und ihre Schülerinnengruppe, The Bellyshakers , traten zu orchestraler Musik auf, die entfernt an „Fluch der Karibik“ anklang, mittendrin ein Geigen-Solo, das ahnen ließ, warum Virtuosen zu ihrer Zeit Vorläufer des Rock 'n' Roll gewesen sind. Danach wieder weichere Klänge zum Schleiertanz und zum Schluß erneut das Orchester in Dur. Passend dazu und sehr logisch, die eckigeren Bewegungen der Tänzerinnen.
Shara führte mit einem Zimbeltanz von Experimenten fort zu traditionellen Orienttanz-Klängen und bewies damit, welche Bedeutung die Ursprünge immer noch haben. Beim Trommel-Solo zeigte die Künstlerin ganzen Körpereinsatz. Bühnenfüllend wirbelte das Ensemble Nur el Hayat zu einem „Oriental Techno“ über die Rampe, eigentlich ein Disco Beat mit starkem Orienteinschlag. Dazu ein Trommel-Solo mit Ganzkörpervibrationen der Tänzerinnen, und passend dazu als Deko an der Wand 2 Leuchtscheiben mit Kaleidoskop-Projektionen.
Shayana überraschte mit einer eigenwilligen Interpretation des traditionellen Säbeltanz-Themas. Andere fuchteln mit der Waffe herum, wieder andere, noch trauriger, wissen mit der Klinge nicht mehr anzufangen, als wenn sie einen Spazierstock oder einen Besenstiel in der Hand hielten – diese Küntlerin hier aber meditierte zunächst mit dem Stahl, um daraus einen Tanz voll akrobatischer Einzelfiguren zu entwickeln. Die Herkunft als Kunstturnerin merkte man ihr grandios an. Mit einem klassischen Raks Sharki wartete im folgenden
auf, der im traditionellen Stil sich in weltlichen und spirituellen Momenten abwechselte.
Kurz vor der Pause dann der erste (von insgesamt dreien) Beitrag Schachlos , die einen persischen Tanz vorführte. Die gebürtige Usbekin erstaunte nicht nur durch ihre Originalgewandungen, die schon eine zentralasiatische Atmosphäre in den Saal zauberten, sie wußte auch durch rythmische und schnelle, teilweise sehr schnelle Bewegungen den Zauber ihrer Heimat heraufzubeschwören. Und noch ein Stück weiter nach Osten ging die Tanzreise mit einem Beitrag der Bollywood Dance Company . Doch erwartete uns nicht mittlerweile ermüdender Bollywood-Disco, sondern eine gelungene Verknüpfung von traditionellen Elementen des indischen Tempeltanzes mit denen des modernen Jazz-Tanzes. Fast bekam man nicht mit, daß nun erst einmal Pause war, so sehr hallten die meist auf sehr hohem Niveau angesiedelten und durchweg intelligenten Aufführungen noch nach.
Ladina gab zu Beginn der zweiten Hälfte eine persönliche Erklärung ab, daß nämlich das folgende Stück zum Gedenken an eine viel zu früh verstorbene liebe Freundin und Kollegin zur Aufführung käme. Ihre spürbare Trauer erfüllte die Halle, und alle waren vollkommen still, als ein Hip-Hop-Rythmus mit orientalischer Untemalung ertönte und drei Tänzerinnen Schleier in Neonfarben unter Schwarzlicht wehten und wirbeln ließen. Zu Ehren der Kollegin hatten sich die drei nicht in ein Kostüm geworfen, sondern traten in Trainingskleidung auf, so wie sie ihre Freundin am öftesten erlebt haben und in Erinnerung behalten wollten. Eine bewegende Aufführung.
Noch etwas moderner wurde es nun mit Namadeya und ihrem Stück „Snake Charmer“, einem der Banner des Tribal Fusion. Ihr eigenständiger Stil ist von Leichtigkeit und Verzauberung geprägt – wieder machten die beiden ihrem Ruf alle Ehre, eines der, wenn nicht das eleganteste Duo der deutschen Orient-Tanzszene zu sein. Obwohl sie nur zu zweit sind, wirkten sie wie eine ganze Ballett-Truppe, und was ebenso gefallen wollte, sie konnten beim Tanzen auch lächeln – nicht so wie andere mit verkniffener Miene oder festgefrorenem Lachen die Nummer zu Ende bringen.
In der nächsten Abteilung zeigte Shara eine weitere Variante ihres Könnens, nämlich ihre Interpretation des Bollywood, die sich am traditionellen Muster orientierte. Shayana begeisterte dann wieder mit der Tanzform des klassischen OT, dem Raks Sharki nämlich. Dank ihrer außerordentlichen Körperbeweglichkeit und variantenreichen Ausdrucksform gewann sie allen ihren Tanzdarbietungen stets etwas Neues ab.
Noch einmal Schachlo mit einer Darbietung, wie man sie so noch nie gesehen hatte und wahrscheinlich auch so rasch nicht wieder zu sehen bekommt, einen persischen Tellertanz nämlich. Wer jetzt so etwas wie einen chinesischen (Eß-)Teller-Jongleur erwartet hatte, sah sich enttäuscht, denn die Künstlerin brachte zwei kleine Porzellanteller unter den langen Ärmeln ihres Kostüms zum Vorschein, und auf denen begleitete sie ihren Tanz rythmisch mit Fingerhüten. Eine Darbietung in vollendeter Anmut.
Von Persien nach Indien. Die bereits dem Publikum bekannten
Nadine und Fire erzählten die traurige Geschichte von den beiden Tempeltänzerinnen, denen die Gier nach Gold zum Verderben geworden war. Nur noch bei Vollmond durften sie, die sonst in Erstarrung verharren mußen, sich bewegen. Heute war es wieder einmal so weit, und so stapften sie anfangs noch recht eckig wie Ungeheuer aus der Ray Harryhausen-Werkstatt über die Bühne, und was anfangs wie eingerostete Gliedmaßen anmutete, wandelte sich bald zu denen von mechanischen Aufziehpuppen und endlich zu zünftigem. Doch es kam, wie es kommen mußte, auch dieser Mond ging unter, und mit ihm fielen die beiden in den Zustand lebloser Statuen zurück. Eine ungemein fesselnde Darbietung. Und dieser Trend, im Tanz Geschichten zu erzählen, setzt sich hoffentlich noch lange fort.
Noch einmal war das Ensemble Nur el hayat zu bewundern, und wieder füllten sie die ganze Bühne aus: Die Frauen bewegten lange Seidenbahnen wellenförmig. Dazwischen tanzte Nur el Zaman ihre verschiedenen Soli, die zusammen die Geschichte einer Nixe erzählten, doch endete diese nicht so tragisch wie bei ihrer Vorläuferin Undine. In der zweiten Abteilung führte die Ensembleleiterin weitere Einzeldarbietungen vor, diesmal als eine Melange von Orienttanz mit Elementen lateinamerikanischer Standardtänze. Das ganze Ensemble kam hinzu und präsentierte schmissigen bis smoothen Showtanz, der entfernt an die besseren Revuefilme Hollywoods erinnerte, und das wollte wirklich gefallen.
Ein drittes Mal dürfen wir an diesem Abend Schachlo bestaunen, die einen persischen Bandari vorführte. Diese für uns im ersten Moment fremdartige Folklore nahm rasch durch ihre äußerst rythmische und elegante Präsentation für sich ein. Hinzu kamen die auch noch in den hintersten Reihen spürbare Tanzfreude der Künstlerin nebst ihren immer wieder farbenprächtigen und toll anzuschauenden Original-Gewandungen. Hier wurde uns eine andere Welt so nahe gebracht, daß wir sie sinnlich erfahren konnten.
In der vorletzten Abteilung betrat noch einmal die Gastgeberin die Bühne, diesmal ohne (menschliche) Kolleginnen und angetretren, uns etwas zu zeigen, was man so in unseren Breiten so rasch nicht wieder zu sehen bekommt. Ladina zeigte einen Stocktanz der besonderen Art: Als Stöcke wirbelte sie zwei Kalumetpfeifen, und sie hüpfte damit wie eine indianische Medizinfrau umher. Ihr Kostüm wäre bestenfalls als Gothic zu bezteichnen, gäbe es da nicht die allfälligen indianischen Symbole, mit denen Hose und Oberteil reich bestickt waren. Ein wenig später erkannte man auch, was sie da umtanzte, einen Schlangenkorb nämlich, aus dem sie drei dieser Reptilien zog („Anubis“, „Salomon“ und „Cassiopeya“), die sie sich turbangleich um den Kopf und wie einen Schmuck um den Hals legte, während sie mit der dritten zu World Music-Weisen tanzte. Ladina befindet sich mit solchen Darbietungen aus einem interessanten Weg, den sie unbedingt fortsetzen sollte s.a. ihre „Pilgerreise“ in dieser Zeitung, 8.3.1). Wer von uns kann schon ahnen, wohin er führt.
Den Schlußpunkt bildeten dann die beiden Künstlerinnen
Shayana und Fire mit einem Feuertanz-Duett, mit brennenden Fackeln, die sie wie Pois schwangen. Zu irischer Folklore mit orientalischer Percussion liefen sie hin und her und kreuz und quer über die Bühne und erschufen immer neue Leuchtgebilde des Augenblicks. Phantastische und Fantasy-Projektionen, die ihre Existenz vor allem in der Erinnerung fortsetzen.
Als Ladina und ihre Helferinnen schließlich alle Künstlerinnen zu sich riefen und sich bei allen hinter und vor den Kulissen bedankten, die zum Gelingen beigetragen hattben, lag ein spannender und kurzweiliger, immer aber bemerkenswerter Abend hinter uns. Wir hatten viel Neues gesehen und auch Tradionelles im ungewohnten Gewand, und das alles bestärkte uns in seiner Gesamtheit und in seinem Charme in der Überzeugung, daß solche Veranstaltungen in der Region – oder wie eingangs schon Provinz genannt– die ganze Bewegung zusammenhalten. Wenn die Menschen sich in ihrem Landstrich eine Orienttanz-Schau anschauen gehen, ist die Bewegung gesund; denn auf solchem Fundament läßt es sich trefflich weiter wachsen und gedeihen. Ladina und ihren Mitstreiterinnen aber wünschen wir für die weitere Entwicklung alles Gute, und möge ein gnädiges Geschick uns noch einmal zu einer ihrer Veranstaltungen führen.
- Marcel Bieger ist freier Publizist und Redakteur beim „Oriental-Cosmos“..
| FRAUENTANZFEST LINZ-HARBACH 2008 von Sylvia Sophia | |
Die Frauen der ITP (Integrativen Tanzpädagogik) luden auch 2008 zum Frauentanzfest im Volkshaus Harbach in Linz. Als Konsequenz der Vorfälle des letzten Festes bezüglich der Anwesenheit von Männern wies die heurige Einladung den Vermerk „nur für Frauen“ auf. („Oriental-Cosmos“ berichtete, s. OC 4.1.4) Und so tummelten sich zur offiziellen Eröffnung an die hundert tanzfreudiger Frauen im Eingangsbereich.
Eröffnet wurden die Tanzdarbietungen von den „Deserts Queens“. Die angekündigten „Queens“ wären mit der Bezeichnung „Princesses“ besser beschrieben gewesen. Drei sehr junge Mädchen boten ihren Tanz dar. Anfangs eher gehemmt und fast emotionslos zeigten sie sich zunehmend begeisterter von ihrem Tanz und vollführten auch immer wieder schöne Drehsequenzen.
Als langjährige Gäste des ITP-Frauentanzfestes präsentierten sieben Frauen der Gruppe aus Waidhofen einen Tanz, der die Gegensätze von schnellen und langsamen Bewegungen gut darstellte. Besonders zu vermerken ist hier, dass die Choreographie via Telefonanweisung gelernt wurde, da die Choreographin über längere Zeit ans Bett gefesselt war.
Außergewöhnliches und Extravagantes zeigten dann Eva und Lily, zwei junge Frauen, die immer wieder ihre eigenen Ideen in den Tanz einbringen. Dieses Jahr hatten sie sich eine Choreographie mit einem großen Seidentuch, das beide Tänzerinnen miteinander verband, ausgedacht.
Als Stargast des Abends zeigte dann Muna vom Studio Mänada aus Wien „Balkanfieber“, eine Mischung aus Gypsy und Oriental. Lächelnd vereinnahmte Muna das Publikum und bezog es in ihren Tanz mit ein. Ihr zweiter Tanz war ein popigeres Lied mit französischem Gesang. Danach brachte sie den ganzen Saal zum Tanzen und das freie Tanzen hatte begonnen.
Nach einer sehr kurzen Freitanzzeit gab es noch die Vorführung eines „Dabke“, einem Reihentanz aus dem Libanon. Danach zeigte Muna Schrittkombinationen aus meditativen Reihentänzen und die Stimmung wurde eine sehr besinnliche und beschauliche. Vier Frauenkreise wiegten sich über eine Stunde zu besinnlicher Musik hin und her. Für die tanzenden Frauen wunderschön, unbefriedigend aber für viele andere Frauen, die gekommen waren um „abzutanzen“.
Abzutanzen und miteinander zu tanzen, war bis jetzt immer ein fixer Bestandteil des Frauentanzfestes. Zuletzt im Jahr 2007 als der anwesende Tribalstamm „Baubo Vibes“ beinahe alle anwesenden Frauen zum gemeinsamen Tanzen motivierte. Die im Vorjahr vom Publikum initiierte und begeistert aufgenommene und auch dieses Jahr vom Publikum erwartete und gewünschte Tanzdarbietung der Baubo Vibes war dieses Jahr allerdings von den Veranstalterinnen „nicht erwünscht“. Kritische Beobachter der Szene könnten hier Neid und Mißgunst vermuten….
Das ITP-Frauentanzfest erschien 2008 in einem veränderten Licht und steuert neue Ziele an. Die Zukunft wird zeigen, ob diese Veränderungen den Geschmack des Publikums treffen.
| 7. Orientalisches Sommertanzfest, Juni 2008 in Kamp Lintfort | |
TANZEN IST LEBENSFREUDE
7. Orientalisches Sommertanzfest, Juni 2008 in Kamp Lintfort
von Marcel Bieger
Wir haben das Dutzend großer Tanz-Galas, aber die allein machen die Orienttanz-Szene in Deutschland nicht aus, können das auch gar nicht. Die ganze Kleinarbeit leistet der Mittelbau, oder weniger theoretisch, die Tanzschulen und Tanzstudios quer durch die Republik, dank derer die deutsche Orienttanz-Karte nicht allzu viele weiße Flecke aufweist. Im Frühsommer, zum Abschluß der Saison (wegen der großen Ferien) veranstalten solche Häuser gern Schülerinnen-Shows, in denen die einzelnen Kurse Freunden, Verwandten und Sonstigen gern vorführen, was sie alles gelernt haben, was sie mittlerweile können und daß ihnen der Tanz immer noch große Freude macht. Dazu gesellen sich befreundete Tänzerinnen, um dem Programm eine besondere Note zu verleihen oder auch aufzuführen, wie man einen bestimmten Tanz anders interpretiert darbieten kann.
Eine solche Show wurde Mitte Juni von der Tanzlehrerin Aisha (Melanie Roth) und ihren Kursen in Moers und Kamp Lintfort ausgerichtet. Beides Kleinstädte, unmittelbar nebeneinander und nördlich von Krefeld, bzw. westlich von Duisburg gelegen. Also eine dieser Regionen, in denen ohne den tapferen Einsatz einer orienttanzbegeisterten Lehrerin Shimmy-Ebbe herrschen würde.
Melanie „Aisha“ Roth hat mit 15 angefangen, orientalisch zu tanzen, und ist mittlerweile seit 20 Jahren dabei. Obwohl gelernte Kauffrau ist sie seit einiger Zeit in der glücklichen Lage, ihr Hobby zum Beruf gemacht zu haben (und das kommt nicht zuletzt den Frauen von Kamp Lintfort und Moers zugute). Warum hat der Orientalische Tanz gerade in der Region Erfolg? Aisha hat sich darüber Gedanken gemacht: „Weil Frauen sich bewegen und schöne Kostüme tragen wollen ... und dabei auch noch das Gefühl haben, etwas für ihren Körper getan zu haben.“ Und natürlich für ihre Seele, denn allerlei Streß und ähnliches lassen sich beim gemeinsamen Tanz abbauen. Der Orienttanz ist in ganz besonderer Weise dazu geeignet, eher noch als Aerobic und dergleichen. Melanie“ Roth bringt mehr als ausreichend Rüstzeug mit: „Ich lernte bei vielen namhaften Tänzerinnen wie Sahéla, Leyla Jouvana, Shahrazad, Beata u. Horacio C. , sowie ägyptischen Choreographen wie Momo Kadous, Gamal Seif, Magdy el-Leisy, Prof. Dr. Hassan Khalil u. a.“
Eine Sommer-Show zu organisieren, erfordert viel Zeit und Aufwand. Immerhin bringen Aisha und die Ihren gut zwei Stunden Programm auf die Beine, und das in einem dieser typischen, anheimelnd altmodischen, katholischen Gemeindesäle. Sie haben sich viel Mühe gegeben, alles liebevoll zu dekorieren, sodaß die Gäste sich wohlfühlen können, was sie in dieser herrlichen orientalischen Atmosphäre auch gleich tun. Fast 200 Frauen finden sich zu dem gesellschaftlichen Ereignis ein. Ja, es sind ausschließlich Frauen, denn Männer sind nur jedes zweite Jahr erwünscht. Tanz, auch der Orientalische, hat immer auch etwas Intimes, und da möchten die Tänzerinnen erst einmal lieber allein Geschlechtsgenossinnen ihr neuerworbenes Können zeigen.
Insgesamt 11 Tanzkurse aus der Doppel-Kleinstadt treten an, und die Bühne wirkt manchmal etwas zu klein, als daß alle Tänzerinnen sich darauf entfalten könnten. Aber die nächstgrößere Halle, die das drei- bis vierfache an Zuschauern faßt, ist auch dementsprechend teurer und kommt deswegen nicht in Frage, es soll ja alles im finanziellen Rahmen bleiben.
Aisha unterrichtet Orientalische Tänze, und deswegen erwartet uns der klassische Kanon. So bekommen wir viel Tanzbegeisterung und orientalische Lebensfreude geboten Im Einzelnen: Nach der erfreulich knappen und präzisen Eröffnungsansprache von Aisha beginnt die Show mit den Jüngsten, der
Kindertanzgruppe Lintforter Turn-Verein (LTV) ,
die mit einem hübschen Tüchertanz erfreuen und beweisen, daß Orientalischer Tanz mitnichten nur etwas für gestandene Frauen sein muß. Die kleinen Damen haben ihren Spaß.
Und alterschronologisch geht es mit den
Jugendlichen LTV
weiter, die schon als Orienttänzerinnen anzusprechen sind, jedenfalls klappt es bei ihnen bereits mit dem Hüftschwung und der Isolation, und auch das orientalische Ballett zu arabischem Pop funktioniert. Die Gruppe
Djoumanah
(Mittelstufe, LTV) läßt es zum unverwüstlichen „Don’t le me be Misunderstood“ in der 70er Jahre-Version von „Santa Esmeralda“ mit dem Tamburin krachen, und im anschließenden „Trommelsolo“ beweisen die Damen, daß man beim Orientalischen Tanz eleganten und gleichzeitig leidenschaftliche Bewegungen erlernt.
Die Anfgängergruppe (mit Vorkenntnissen)
Bahia Semawi
schwingt zu einem der vielen „Shakira“-Lieder die Hüften, beweist aber im folgenden „Kiss Kiss“ von Tarkan, daß man sich zu Original-Orientalischer Musik eben immer noch besser und natürlicher als zu nachgemachter bewegen kann. Da gehen die Schwünge und Isolationen dann wie von selbst.
Der
Mutter und Tochter Kurs DRK
führt elegant, stolz und schick einen modernen Orientalischen Tanz auf und demonstriert im folgenden „Trommelsolo“ wieviel Kraft und Verbundenheit doch in einem Tanz der Gemeinschaft stecken kann, selbst wenn die in Kleingruppen aufgelöst wird, die aber immer wieder zueinanderfinden.
Nun tritt mit
Djimona
die erste Gastkünstlerin auf und führt einen orientalischen Drei-Schleiertanz zu chinesisch unterstrichener Musik auf. Auch andere Kulturen fließen ein, insgesamt eine sehr raffinierte Mischung. Die Mittelstufengruppe
Mardshana
tanzt arabischen Pop und das sehr flott. Die Gruppe wirkt sehr gut aufeinander eingespielt, und man merkt diesen Frauen an, daß Orienttanz für sie ein Gruppen-Erlebnis ist.
Die Zimbel-WS-Gruppe kommt mit klingendem Spiel durch den Saal auf die Bühne gezogen und beweist ebenfalls, wieviel Stärke und Eleganz in einer Gruppe liegen können.
Asadea
(aus Dorsten), eine langjährige Freundin und Kollegin der Lehrerin. Spritzig und temporeich läßt sie die Flügelschleier – auch Isis-Flügel genannt – wehen und wirbeln. Nach der Pause dreht sich die Mittelstufengruppe
Mandisa Mareshi
zu einer modernen Version des klassischen orientalischen Tanzes und kombiniert den mit dem ebenfalls klassischen Schleiertanz. Sehr gekonnt die Wechsel, schwungvoll das Ballett.
Die
Workshopgruppe
zeigt ihre sehr vielversprechende Version des klassischen Trommelsolos und fällt durch ihr gruppenbetontes Tanzen auf. Die Mittelstufengruppe
Al Shama
führt sehr rhythmisch und sehr weiblich einen Doppelschleiertanz auf, in dem viel Stolz und Würde stecken. Die Schleier wogen wie Wanderdünen in der Wüste.
Einen Hauch Exotik bringt die Gast-Tänzerin
Djimona
(aus Xanten) in den Saal, als sie uns die indische Seite des Orienttanzes näherbringt. Zum Subkontinent fällt uns vornehmlich „Bollywood“ ein, und Bollywood tanzt die Künstlerin auch – wenngleich der eher als Gruppentanz auffällt und weniger als Solo-Darbietung, doch hier erleben wir auch das. Aber wir lernen auch den Tempeltanz und die exotischen Folklore-Arten kennen.
Der Fortgeschrittenenkurs Deutsches Rotes Kreuz (DRK)
Wüstenperlen
komplettiert den Kanon der klassischen Orientalischen Tänze mit dem „Stocktanz“, doch bei ihnen sind auch Elemente des „Schwerttanzes“ darunter zu finden, eine nicht alltägliche Mischung. Und sie benutzen das Schwert nicht zu Kampf, wie in diesem Jahr häufiger auf Shows zu sehen, sondern als Tanz-Accessoire, und zum Schluß tragen sie dann den Stock wieder so, wie es bei diesem Tanz eigentlich üblich ist. Richtig pfiffig.
Und noch ein Gast,
Sybilla
(aus Hilden), die uns etwas ganz Raffiniertes zeigt. Sie tanzt den Flügelschleier, doch der ist nicht frei, sondern mit dem Kostüm verknüpft. Damit lassen sich besondere Effekte erzielen, und die Künstlerin hat eine ganz eigene Art, das auch alles aus ihren Isis-Flügeln herauszuholen. Danach interpretiert sie sehr gefühlvoll ein zu Herzen gehendes arabisches Liebeslied.
Der Mittelstufenkurs
Munira
beweist mit seinen Tänzen zu türkischer und arabischer Pop-Musik, daß Tanz die femininste aller Kunstformen ist, und der Orienttanz auf ganz besondere Weise die weibliche Seele anspricht. Eine sehr innige Gruppenvorführung.
Nun betreten
Aisha
und ihre Freundin und Kollegin
Asadea
gemeinsam die Bühne, um uns einen klassischen orientalischen Tanz und ein Trommelsolo vorzuführen. Sie bieten einen perfekten synchronen Duo-Tanz, mit sehr weiblichen und überaus eleganten Bewegungen. Vor allem der klassische Tanz des Trommelsolos weiß zu entzücken. Den Abschluß bildet der Fortgeschrittenenkurs
Samzamah
mit einer modernen Version des klassischen orientalischen Tanzes, eine flotte und elegante Ballettaufführung mit viel Liebe zur Musik.
Nun wird das Büffett eröffnet, und eine wunderbare Show liegt hinter uns. Wir haben etliche schöne und einige hübsche Momente erlebt, und auch viele durchaus reife Darbietungen. Lehrerin Aisha tanzt bei vielen Gruppen mit, doch einigen darunter ist anzumerken, daß sie das nicht mehr lange zu tun hat, dann sind sie flügge. Und vor allem ist klar geworden, daß man sich um den Orientalischen Tanz hierzulande keine Sorgen machen muß, solange engagierte Lehrerinnen und mutige Schülerinnen zu solchen Schauen in der Lage sind. Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr!
- Marcel Bieger ist freier Publizist und Redakteur des „Oriental Cosmos“.
| ORIENTALISCHE NACHT am 23.05.2008 der VHS-Reinbek/Sachsenwald - von Mondkrähe | |
ORIENTALISCHE NACHT am 23.05.2008 der VHS-Reinbek/Sachsenwald -
von Mondkrähe
Knapp einhundert Zuschauerinnen kamen im Holstensaal des
Sachsenwald-Forums in Reinbek bei Hamburg zusammen, um sich eine
orientalische Nacht, organisiert von der VHS-Sachsenwald, anzusehen.
Das orientalische Tanzensemble der VHS wurde von Adyla und ihrer Gruppe Khaiel unterstützt, für die Live-Musikbegleitung sorgte die Ali-Shibly-Band.
Diese Formation um den, aus Bagdad stammenden Musiker Ali Shibly, leitete auch den Abend mit klassischen arabischen, nubischen und ägyptischen Folklorestücken mit Jazz-Elementen ein.
Nervtötend waren die drei als Araber verkleideten älteren Herrren, die
die Anmoderation der Tänze übernommen hatten. Am linken Bühnenerand sitzend, wirkten sie wie eine Parodie auf Waldorf und Statler von der Muppet-Show, bloß ihre Dialoge waren so langweilig und überflüssig wie abgestandenes Wasser.
Die VHS-Tanzgruppe zeigte verschiedene Tänze mit Zimbeln, Stöcken, Schleiern, Melaya, Lichtern und ein Trommelsolo (das abgenudelt-uralte von Henkesh). Interessanterweise hatte sich die kleine Schwester der weltberühmten "Glühbirne" in die Tanzgruppe eingeschlichen.
Die Leiterin der VHS-Tanzgruppe, Beate Schönhof - Nuriya -, tanzte zwei Soli, davon eines zu Live-Musik mit der Shibly-Band, und ein Duett mit der Gasttänzerin Synja aus der Gruppe Khaiel. Vielleicht lag es an ihrer nordischen Unterkühltheit, aber die Leidenschaft im und für den Tanz fehlte, obwohl sie technisch sauber und gekonnt tanzte.
Den positiven Kontrast bot Adyla, Halbaraberin, die sehr wohl zeigen konnte, wo die Leidenschaft im Tanz liegt. Sie tanzte eine Choreografie mit Isis-Wings zu "Ice-Queen", sowie ein Solo zu Live-Musik. Hier zeigte sich auch, wie Tänzerin und Musiker zusammen harmonieren können. Das Ensemble Khaiel tanzte einen Doppelschleiertanz und einen Arabic-Flamenco mit Fächern.
Insgesamt wurde an diesem Abend ein durchschnittlicher Überblick über die Tänze des Orients, ohne besondere Höhen und Tiefen, den Zuschauern geboten. Es gab keine Experimente, Tribal, Fusion, Indisches oder Persisches wurde nicht gezeigt. Eine Veranstaltung, von der man nicht behaupten kann etwas versäumt zu haben, wenn man sie nicht gesehen hat.
- Mondkrähe ist Solistin (www.mondkraehe.de)
| KHAN EL KHALILI FEST in Hamburg-Wilhelmsburg, 27.Septemer 2008 - von Mondkrähe | |
Im Bürgerhaus Wilhelmsburg, im Süden Hamburgs, trifft sich einmal im Jahr die Hamburger Bauchtanzszene, um sich zu präsentieren. Leider blieben einige technische Probleme nicht aus. So gab der Bühnenvorhang seinen Geist auf und konnte nicht mehr bewegt werden und alle Umbauten mußten vor dem Publikum stattfinden; und gelegentlich gab es kleine Mißverständnisse mit der Tontechnik. Leider war auch die Bühne schlecht mit zu viel rotem Licht ausgeleuchtet, so daß alle Tänzer und Tänzerinnen, egal welche Farbe ihr Kostüm aufwies, immer einen Rotstich hatten. Es gab keine Programme, nur die Ansagen der Confèrence, weswegen
ich mich hier gleich dafür entschuldige, falls ich Namen falsch
geschrieben habe.
Gaststars in diesem Jahr waren Zadiel und Raksan aus Berlin, sowie das Hamburger Bauchtanz-Urgstein Zarefah. Den Start machte die Gruppe Banat al Pharao, die Lokalpatriotinnen aus
dem Bürgerhaus, gefolgt von dem Duo Amsu Amun aus Bergedorf, der Gruppe Tamerhenna aus Altona und der Solotänzerin Nel. Diese vier Programmpunkte waren leidliche Aufwärmübungen bevor die Stargäste Zadiel, Zarefah und Raksan auf die Bühne traten. Hier zeigte sich deutlich, was den Amateur vom Profi unterscheidet -- Bühnenpräsenz, Ausdruck, perfekte Tanztechnik!
Zadiel berührte das Publikum mit einem gefühlvollen Tanz mit einem tanuraartigem Rock, den er dann für einen weiteren, schwungvollen Tanz ablegte. Im zweiten Teil der Show tanzte er eine klassische Routine, die er dem Thema "Partnerschaft" gewidmet hatte. Als letztes tanzte er eines seiner berühmten Trommelsoli, hierfür hat sich Zadiel einen Namen gemacht.
Zarefah blieb und bleibt sich ihrer Linie treu -- sie ist ein Inbegriff des typischen Bauchtanzes und zeigt ihre Fröhlichkeit durch die Freude am Tanz. Die fehlte den vorangegangenen Amateur-Tänzerinnen deutlich und erkennbar. Einige der Damen wirkten sogar so, als hätte man sie mit der Peitsche auf die Bühne geprügelt.
Raksan tanzt nun eigentlich nicht orientalisch, denn bei ihr findet man mehr Elemente aus dem Modern Dance und Ausdruckstanz, als aus dem Bauchtanz. Erfrischend ihre Idee, eine Malerabdeckplane als riesigen, bauschigen Schleier zu verwenden. Auch bei ihr spürt der und die Zuschauer/in ihre große Freude am tänzerischen Ausdruck und sie versteht es meisterhaft, den Kontakt zum Publikum zu knüpfen. Dies kam auch deutlich in ihrem zweiten Tanz, einem Zigeunertanz am Ende des zweiten Teils, zum Tragen. Raksan, berühmt für ihren Säbeltanz, zeigte auch einen selbigen ganz am Ende der Veranstaltung. Bei ihr ist der Säbel nicht mehr
nur zwangsläufig eine Waffe, sie lässt den Säbel zu ihrem Partner, zu
ihrem Geliebten werden.
Nach der ersten Pause stellte die Gruppe Shamsina das Tableau einer Haremszene dar. Wären sie bloß stehen und sitzen geblieben! Zu Sarah Brightman's Song "Harem" traten drei Kerzentablett-Tänzerinnen, zwei Stocktänzerinnen und circa acht bis zehn Schleiertänzerinnen gleichzeitig auf, während im Hintergrund noch einige, meist ältere, Damen auf Sofakissen sitzen blieben. Die Grundidee war an sich gut, bloß die Umsetzung hätte man in professionellere Hände geben sollen. Die "Tänzerinnen" zeigten keinerlei Gespür für die Musik, alles wurde lieblos heruntergekurbelt, um dann in einem wilden Durcheinander zu enden.
Nach dieser "Haremsvorstellung" kam die Trommelgruppe Negum el Leil von Hani Ibrahim auf die Bühne. Fünf Frauen wetteten mit ihrem "Chef", daß sie sich auch ohne ihn auf die Bühne trauen würden -- sie gewannen die Wette und spielten ein kleines Trommelstück. Als dann Hani auf die Bühne kam, um seine Wettschuld einzulösen, ein Solotanz zur Trommelbegleitung
seiner Damen, tobte der Saal.
Herausragend war Masri's Tanuratanz. Seine Tanuras und Rahmentrommeln waren mit UV-Farbe bemalt, die im Schwarzlicht mystisch leuchteten - eine ganz phantastische Idee, die die Zuschauer in ihren Bann zog, denn da entstanden Fabelwesen, Märchenfiguren, Außerirdische und leuchtende Tiefseefische, die in der Dunkelheit auf der Bühne herumwirbelten. Mit seinem Tanuratanz tritt Masri auch bei "Deutschland sucht das
Supertalent" auf und machte hierfür nach seinem Tanz auf der Bühne reichlich Werbung. Wollen wir hoffen, dass er mehr Glück als Zadiel hat, der letztes Jahr bereits nach dem ersten Recall rausflog.Masri zeigte nach der zweiten Pause noch einen fetzigen Saidi-Stocktanz mit einer Partnerin.
Nach der zweiten Pause trat die Hamburger Tribal-Fusion-Tänzerin Tamira auf. Angeblich nimmt sie schon seit Jahren Unterricht bei Rachel Brice, aber wahrscheinlich nur von Video, denn sie überzeugte nicht wirklich als Fusion-Tänzerin, dafür kam zu wenig Körperspannung, zu wenig Ausdruck, zu wenig von allem.
Ein-, zwei Gaststars, umrahmt von mittelmäßigen bis unterirdisch schlechten Amateurtänzerinnen -- ist Hamburg nicht Weltstadt genug, um hier besseres leisten zu können, eventuell sogar neue Maßstäbe zu setzen? Muß Hamburg bauchtanzmäßig so provinziell sein, daß selbst kleinere Städte, wie Bremen, besseres auf die Füße stellen können? Ich persönlich glaube, daß Hamburg das aus eigener Kraft schaffen kann, dann müssen auch nicht mehr die Bellydance Superstars für Weltklasse-Flair sorgen.
- - - Mondkrähe ist Solo-Tänzerin (www.mondkraehe.de) und hat schon öfter für den „Oriental Cosmos“ die Tanzszene kritisch begleitet.
Eine kürzere Version ihres Berichts über das Hamburger Festival erschien bereits in „Orientalika“ (www.orientalika.de)
| Anmerkungen zur Gala-Show „ODDA 2008“ in Linz (A) am 24.05.2008 von Rita F. und Marcel Bieger | |
NACHBARN
Anmerkungen zur Gala-Show „ODDA 2008“ im oberösterreichischen Linz am 24. Mai 2008
von Rita F. und Marcel Bieger
Österreich ist ein eigenständiges Land und uns doch sehr nah. Man spricht dort unsere gemeinsame Sprache, und doch sind wir uns in vielem fern. Das trifft auch auf den Orientalischen Tanz zu, und über die nationalen Grenzen hinweg bildet Österreich mit seinen 8 Millionen Einwohnern eine weitere Tanzregion, wie wir sie in Deutschland finden. In unserem Norden weiß man wenig über das, was im Westen abgeht (umgekehrt auch), und was in Österreich an Shimmies, Tribal und dergleichen stattfindet, erfährt man hier bei uns eher selten. Selbst in Deutschlands Süden sind meist nur die Expertinnen halbwegs im Bilde. Doch so langsam bessert es sich mit diesem Wissensdefizit, vor allem die rührige Sylvia Sophia (aus Linz) sorgt durch zahlreiche Berichte (in nahezu allen gängigen Genre-Magazinen) und Besuche bei deutschen Schauen dafür, daß etwas mehr an Austausch zwischen Alpen und Flachland stattfindet.
Die Linzerin Sylvia Sophia gehört folgerichtig auch zu denjenigen, die sich vor fast anderthalb Jahren mit Martina „Mouna“ Pichler sowie Günther Pichler und einigen anderen zur ODA zusammengeschlossen hat, um eine eigene Schau auf die Beine zu stellen, die ODDA = oriental dancing days austria (Orientalische Tanz Tage Österreich). Man sieht, auch die hohen Berge der Alpen schützen nicht vor der Seuche Denglisch. „Miteinander – Füreinander“ lautet die offizielle Devise dieses Vereins, und das inoffizielle heißt: „Nur keine falsche Bescheidenheit.“ Nicht nur eine Show oder ein „Üwönt“ sollte es werden, sondern eine ausgewachsene Gala, und dafür mietete man gleich das Linzer Palais Kaufmännischer Verein an. Auch stammten alle auftretenden Künstler aus Österreich, und das Programm überstieg netto (also uneingerechnet der Pausen) auch locker die Zwei-Stunden-Grenze. Die meisten Namen der Künstler und Künstlerinnen werden den Lesern hierzulande (noch) wenig sagen, aber unter ihnen finden sich einige, die auch den Vergleich mit den Besten hierzulande nicht zu scheuen brauchen. Daß der Orientalische Tanz und seine Feste auch in Österreich nicht unbedingt automatisch auf Rosen gebettet sind, beweist die kürzlich stattgefundene Show „Austrientia“ in Wien (mit odda weder verwandt noch verschwägert), der dank weniger intensiver Vorbereitungen und auch sonst wenig glücklicher Hand ein durchschlagender Erfolg versagt blieb. Leider gibt es Wochenenden, an denen überhaupt nichts von Belang stattfindet, und andere, wo die Termine sich bündeln. Zu meinem Glück gibt es Zeitzeugen, die verläßlich über solche Schauen berichten und einen lebendigen Eindruck vermitteln können. In diesem Fall war das Rita F., deren Darstellung ich hier nacherzähle (sie möchte nicht so gern selbst in Erscheinung treten). Wenn irgend etwas falsch wiedergegeben wurde, ist das allein auf meine Schusseligkeit zurückzuführen.
Eine Orienttanz-Gala mit einer Zigeuner-Tanztruppe zu beginnen, setzt beim Publikum gewisse Grundkenntnisse voraus, aber dieser Auftakt geht ganz in Ordnung, die Damen von
Spirit of Orient
bringen mit ihrer lebendigen Darbietung Stimmung in den Saal. Man ist danach bereit, sich weiter einstimmen zu lassen. „Wahiba“ erscheint mit einem Leuchter und führt dann gleich in den Standard ein, den Orientalischen Tanz. Dieser Tanz ist unverwüstlich und bildet das Rückgrat dieser gesamten Kunstform. Selbst bei mittelmäßigen Darbietungen zieht er die Zuschauer in seinen Bann.
In der dritten Abteilung zeigt „Melitta“ uns eine Sonderform, die man nicht bei jeder Gala geboten bekommt, selbst dann nicht, wenn sie sich vor allem dem Orientalischen Tanz und nicht seinen modernen Ablegern verpflichtet fühlt. Die Rede ist von einem Leuchtertanz, und der verlangt von der Tänzerin eine besonders kerzengerade Haltung. Paart sich die mit Eleganz, wie in diesem Fall, ist der Genuß schon garantiert. Die Künstlerin bietet diesen animierenden Tanz (er kommt vor allem bei Hochzeiten zur Aufführung) in der traditionellen Weise dar, wie man sich überhaupt bei dieser Show darauf einstellen muß, daß es keine Experimente gibt, künstlerische Interpretationen ja, aber nur selten individuelle Variationen.
Einen weiteren klassichen Orientalischen Tanz bekommen wir von „Yalia“ zu sehen. Normalerweise ist die Körperfülle einer Tänzerin kein Thema in einer Show-Kritik, bei ihr verleiht die Üppigkeit jedoch eine betont leidenschaftliche Beweglichkeit. Yalia demonstriert, warum der Orientalische Tanz eine vor allem weibliche Kunstform ist. Sie animiert das Publikum immer wieder zu Reaktionen, spielt mit ihm und bewegt dazu immer neue Körperstellen rhythmisch.
Damit zu einer weiteren Säule des Orientalischen Tanzes, dem Trommel-Solo, hier dargeboten von „Nabila“ mit „Tiziano“ an der Handtrommel. Normalerweise nutzen Tänzerinnen dieses Genre, um alles zu geben und zu zeigen, was sie beim Tanz mit ihren Gelenken anzustellen vermögen. Doch diese beiden hier gehen ein gutes Stück zurück in der Zeit, nämlich zu den Jahrhunderten, als Trommler und Tänzerin in ganz besonderer Weise aufeinander eingingen und eine eigene Verbindung zwischen sich schufen. Diese beiden hier harmonisieren jedenfalls in ausgezeichneter Weise miteinander, und sie improvisieren auch gemeinsam. Sie locken und necken sich wie ein Liebespaar. Und so erzählt dieses Trommel-Solo die Geschichte der beiden, nicht wie sie sind, sondern wie sie in einem früheren Leben gewesen sein mögen
Mit einem Stocktanz schlägt „Sabine Koinig“ ein weiteres Kapitel im klassichen Orientalischen Tanz auf. Ursprünglich ein Männertanz haben die Frauen ihn schon lange für sich erobert, teils, um damit die Männer zu necken, teils aber auch, um ihn zu einer weiblichen Form weiterzuentwickeln. Obwohl traditionell angelegt entwickelt sich dieser Beitrag doch recht wechselvoll und soll wohl in seinem manchmal unharmonischen Vortrag die innere Zerrissenheit so mancher Frauenseele widerspiegeln.
Mittlerweile kaum noch wegzudenken aus einer Gala, der indische Bollywood-Tanz, hier dargeboten von „Mohayathi“. Die Genre-Filme finden auch hierzulande ihre Zuschauer, und vor allem die knallbunten Pop-Ballette gelten als Markenzeichen, mögen sie mitunter auch kitschig und klebrig sein. Doch daß dahinter mehr stecken kann und der Bollywood-Tanz durchaus auf klassischen indischen Tänzen und Traditionen fußt, erleben wir hier und jetzt. Sehr viele Register werden gezogen, die Gruppe paßt hervorragend zusammen, und wir erleben hier doch etwas Unerwartetes: Tribal auf indisch. Die Frauen erzählen mehrere Alltagsgeschichten und bedienen sich dabei mit sicherer Hand der für den indischen Tanz so überaus wichtigen Gestik. – Ein kleiner Wermutstropfen: Eine Tänzerin handelt mit ihrer nicht einmal modischen Kurzhaarfrisur (Typ: Gabriele Krone-Schmalz) dem traditionsreichen Auftritt doch zu augenfällig zuwider.
Daß im Orient nicht nur Frauen tanzen, ist eine Binsenweisheit, dennoch gehören hierzulande männliche Genre-Tänzer immer noch zu den Exoten. „Alexandros“ stürmt fulminant mit Isis-Flügeln auf die Bühne und bedient sich dieser Hilfs- und Stilmittel allerdings nicht filigran elfenhaft, sondern eher wuchtig, als hätte er sich statt ihrer einen Tanura-Rock umgebunden. Wie wir auch in seinem zweiten Beitrag sehen werden, kommt das nicht von ungefähr, denn das Feine, Zarte ist seine (Tanz-) Sache nicht.
Mit einem Federfächertanz trägt „Tamara“ zum Gelingen des Abends bei, indem sie mit Hilfe dieses Accessoires die Geschichte eines schönen, exotischen Fabelvogels erzählt: Er erwacht, er reckt und putzt sich, er fliegt, er flirtet mit dem Publikum, er frißt, und er fliegt zurück, um sich wieder hinzulegen. Tamara trägt das mit Witz, Tempo und mystischer Atmospähre vor und kann sich mit dieser Nummer wirklich sehen lassen.
Und wieder Zeit für einen klassischen Orientalischen Tanz. „Olympia“ beginnt ihn mit einem Schleier, den sie aber bald ablegt, um sehr rhythmisch und unter Ausnutzung der ganzen Bühne ihren selbstbewußten leidenschaftlichen Tanz zu zelebrieren.
Die Spielart des Tribal gehört nicht für jeden zum klassischen Kanon des Orientalischen Tanzes. Doch mittlerweile ist er so arriviert, daß auch eine Gala nicht unbedingt an ihm vorbeikommt. Und sich, wie im vorliegenden Fall, sogar mit ihm schmücken kann. Die „Baubo Vibes“, der Stamm der Mitveranstalterin Sylvia Sophia, zeigen uns einen langsamen Tribal, der mit dem Tribalgebet begann, von ihnen Tribalgebet genannt. Im Gegensatz zur traditionellen Ballett-Aufstellung (wie beim Fernsehballett, selig) stehen sie im Halbkreis da, bis ihre Mutter nach angemessener Frist die ersten Cues gibt. Ja, die Baubo Vibes tanzen improvisiert; früher eine Selbstverständlichkeit beim Tribal, muß man das heute als Besonderheit hervorheben. Schön, daß man bei einem traditionellen orientalischen Abend auch das berücksichtigt. Wie Wüstenschiffe waren die Frauen hereingeschwebt, haben dann Aufstellung genommen und geraten nun langsam in Bewegung, eine nicht ganz einfache Übung, dabei stets das zurückgenommene Tempo der Gruppe beizubehalten. Doch es klappt sehr gut, und so versetzen diese Damen den Saal in andächtiges Schweigen. Wir erleben nicht nur ein Gebet, sondern wähnen uns in einer ganzen Messe.
„Sylvia Sophia“ setzt zu einer Besonderheit an, zu einem Drehtanz um die eigene Achse und auch über die Bühne. Dazu trägt sie einen Tanura-Rock, führt aber keinen Tanura-Tanz vor, weil den nur einige wenige männliche Tänzer wirklich beherrschen. Sylvia Sophia paßt sich mit ihrem Drehtanz der Messe an, denn einem solchen Auftritt wohnt etwas Mystisches inne. Nicht ohne Grund stammt er vom Orden der Derwische, die sich damit in eine Art spritueller Trance versetzt haben. Und sie beweist, daß sie sich mit diesem besonderen Kleidungsstück auseinandergesetzt hat. Um dessen vier Kilogramm Gewicht erst einmal in Bewegung zu setzen, bedarf es einigen Schwungs und noch mehr Übung. Doch in Wahrheit ist es kein Tanura-Rock, er sieht nur so aus, was aber dem Vergnügen keinen Abbruch tut.
Orientalische Klänge ohne Tanz stehen nun auf dem Programm: „Tiziano“ spielt auf Hang und Trommel und erzeugt sehr betörende Einblicke in eine für uns oft fremde Klangkunst. Im zweiten Teil läßt er ein klassisches Trommel-Solo vernehmen, nur fehlt die gewohnte Tänzerin. Tiziano verändert sehr geschickt Klangvolumen und Klangfarbe durch verschiedenes Aufsetzen der freien Hand. Endlich betritt noch einmal „Alexandros“ die Bühne und präsentiert seine Interpretation eines Trommel-Solos. Erneut kommt sein Tanzstil eher erdig wuchtig herüber, seine künstlerische Botschaft gründet sich nicht auf Eleganz.
Dafür entschädigen im Anschluß die „Baubo Vibes“ mit einem wilden Tribal. Wieder wird im Halbkreis Aufstellung genommen, die Mutter vorneweg. Doch da wir es hier mir keiner Anbetung, sondern einem fröhlichen Bild aus dem Alltag zu tun haben, wechseln die Tänzerinnen ihre Stellung, bewegen sich auch – geordnet – durcheinander und drehen sich zum Schluß im Kreis und um sich selbst. Dazu eine so passende Musikmischung aus Mittelalter-Rhythmus und östlicher Folklore, daß man meinen könnte, das Stück sei eigens für diesen Auftritt komponiert worden.
Noch einmal „Olympia“ mit ihrem Verständnis der avantgardistischsten Entwicklung auf dem Orienttanz-Sektor: dem Fusion, also der Vermengung anderer Stile mit dem Tribal und dem traditionellen Orientalischen Tanz. Olympia fügt dem Grundmuster indische Elemente bei und auch ein paar abrupte Breaks und Snakes aus dem Streetdance. Warum gerade diese Mischung, bleibt aber leider ihr Geheimnis, denn sie führt nur vor, erzählt jedoch keine Geschichte und verzaubert auch nicht durch das Ergebnis ihrer Zusammenfügung.
Eine nette weitere Variante des klassischen Orientalischen Tanzes steuert „Shadiyah“ bei, und auch „Melitta“ bereitet eine Fassung des klassichen Orientalischen Tanzes zu. Eine wirkliche Variation des Themas erleben wir aber erst mit dem „Duo Azar“: Zwei flirtöse junge Damen in Kostümen aus den 20er Jahren tanzen gut aufeinander eingespielt und leicht parodistisch.
Ein Faible fürs Indische hat „Shemzedah“, die zunächst einmal indische Elemente mit denen des Orientalischen Tanzes verknüpft, das aber etwas abgehackter arragniert und dunkler präsentiert – bis hin zu leisen Anleihen am Gothic Bellydance -, so daß man hier fasziniert eine wirkliche Neuschöpfung miterlebt, ein gelungener Fusion-Beitrag.
Der Stolz jedes Veranstalterteams auf einer Gala ist der Auftritt ihrer Vorführ-Truppe, für gewöhnlich Ensemble genannt. Auch hier keine Ausnahme, das „Syba-Ensemble“. Ein halbes Dutzend Damen schreitet, nein, schwebt in vornehmer Abendgarderobe herein, bleibt stehen und schaukelt leise auf der Stelle, um sich dann wie Schmetterlinge oder Elfen zu erheben – mit Zartheit, mit Flügelschlag, mit Mädchenhaftigkeit, wie ein Elfentanz aus den 20er Jahren, einer Freizeitbeschäftigung von höheren Töchtern. Jeder einzelnen zuzusehen, ist ein Genuß, und in der Gruppe geben sie mehr als die Summe ihrer Teile. Ein Höhepunkt an Anmut, Eleganz und Erlesenheit. Ein Schleiertanz, wie man ihn noch nie erlebt hat, unterstützt von Enya-artiger Musik, genauer von einem Stück von. Loreena Mc-Kennith.
Einen weiteren klassichen Orientalischen Tanz führt „Nabila“ vor und tanzt ihn ohne Schnörkel in seiner orientalischsten Form. Leidenschaft feuert ihre Schritte an, sie ist sehr beweglich und steht keinen Moment still. So wird auch heute noch in orientalischen Restaurants getanzt. Der Reiz dieser Vorführung geht von der Vermengung raumgreifender Bewegungen mit auf der Stelle getanzen Shimmies aus.
Als letzte in der Runde beschert uns „Ayuna“ einen Tanz zum Trommel-Solo, ein ebenso traditionelles Erlebnis wie bei ihrer Vorgängerin. Auch sie tanzt mit vollem Körpereinsatz, sie stellt sich sogar auf die Handtrommel, um dort ihre Shimmies selbst ohne Musik vorzuführen, bis der Trommler durch Schläge auf seine Wangen eine Art Percussion erzeugt. Die Korrespondenz zwischen den beiden Künstlern ist wirklich einzigartig. Selbst im Knien gibt sie dann noch einmal alles, was in ihr steckt, und läßt die lange Mähne kreisen und wehen, daß es einen Headbanger neidisch macht.
Der Sultan von Samarkand läd nun zum Finale, und alle Künstler treten jetzt wieder auf die Bühne. Ein langer, aber keinesfalles langatmiger Abend geht zu Ende. Alle haben einer großen Gala beigewohnt.
- Marcel Bieger ist Redakteur des „Oriental Cosmos“.
| „UNI GOES ORIENTAL“ – 2. Osnabrücker Orienttage 21. Juni 2008 von Marcel Bieger | |
„UNI GOES ORIENTAL“ – 2. Osnabrücker Orienttage 21. Juni 2008
von Marcel Bieger
Auf den ersten Blick mutete es wie ein Schülerinnenfest an, zu dem das Osnabrücker „Tanzstudio Hipdance“ unter Leitung von Delanna eingeladen hatte. Doch kaum hatte man ins Programm geschaut, wußte man, daß einen hier auch eine Gala mit guten und sehr guten Stars erwarte. Gerade die Mischung aus jungen Talenten, aufstrebenden Gruppen und erfahrenden großen Namen reizte die Neugier ungemein. Und um es gleich vorneweg zu sagen, diese Veranstaltung läßt sich auch auf anderen Ebenen nicht mit dem vergleichen, was man gewohnt ist.
„Uni Goes Oriental“ kam in drei Blöcken daher, Entree, Gala I und Gala II, und man bekam in der Osnabrücker Stadthalle insgesamt 23 Nummern geboten. Eröffnet wurde alles von einem Schleiertanz zu getragener Hymne (Irischa’s Fahreedat), etwas flotter die sieben Schülerinnen dann bei einem Trommel-Solo. Da steckt Potential drin. – In der nächsten Abteilung ein Schwung Shimmy-Ladies, die uns zusätzlich mit Isis-Flügeln kommen. Kein eigentlicher Gruppentanz, mehr eine Zusammenstellung von Solo-Darbietungen, die alle tradierten Formen des Orientalischen Tanzes im Programm haben und vorführen (na gut, nicht ganz alle). Dennoch zeigt dieses Stück tänzerische Lockerheit, die man bei Schülerinnen sonst nicht vermutet
Noch einmal Isis-Flügel, aber diesmal exklusiv. Dieses Requisit darf auf solchen Schauen nicht fehlen, auf viele neue und junge Tänzerinnen übt es größte Anziehungskraft aus. Samea tanzt gekonnt zu popiger, leicht rockiger orientalischer Musik, ein durchaus eigenständiger Vortrag, nur vielleicht ein wenig zu lang. Lehrerin Delanna betritt nun im paillettierten Kostüm die Bühne und bietet eine Auswahl orientalischer Tanzstücke, Von Trommel-Solo mit den üblichen Shimmys (hier aber sehr schnell dargeboten) bis zu den sonstigen Raks Sharki Zutaten. Hier zeigt sich, wer die Lehrerin ist. Wer es wie Delanna schafft, der Darbietung Orientalischer Tänze eine erkennbar eigene Note zu geben, hat Beachtung verdient. Sie nennt ihren Tanzstil nach US-Vorbild „American Cabaret“, und in dem bedient sich der OT einiger Elemente aus dem Modern Jazz. So etwas bekommt man hierzulande nicht oft geboten.
Die Abteilung „Tribal“ bedient Takasim , und auf diesen Gruppentanz darf man immer gespannt sein, weil es sich bei ihm lange Zeit um eines der Aushängeschilder einer Tanzschule gehandelt hat (mittlerweile läuft der Fusion ihm etwas den Rang ab). Zum Gruppentanz gehören, wie der Name schon sagt, mehrere. Doch eine aus dem Trio ist verhindert, so daß sich nur ein Duo der Aufgabe stellt, und das gar nicht schlecht. Ihr Tribal basiert nicht nur auf ATS, sondern nimmt auch verstärkt Elemente aus dem Orientalischen Tanz (OT) in sich auf. Und sie bewegen das Tempo, eine hübsche Ergänzung, ist man bei diesem Stil doch gewohnt, sich mal schnell und mal langsam, aber immer in dem einmal gewählten Tempo zu bewegen. Ein unerwartetes Vergnügen von einer Schülerinnengruppe.
Bei einem Tanzstudio, da auf sich hält, darf natürlich „Bollywood“ nicht fehlen, hier vorgeführt vom Duo Chandrakanta aus Oldenburg. Zu einem der Evergreens dieses Genres zeigen sie, wieviel Spaß dieser fröhliche Fernsehtanz machen kann. Diese Gruppe sehen wir übrigens auch in der Gala wieder, wo es uns mit einer weiteren Bollywood-Nummer erfreut. Die beiden von Duo Chandrakanta flechten die hübschen Fingerbewegungen ein, präsentieren auch andere Facetten und haben damit schon wieder den traditionellen indischen Tanz erreicht, bei dem es ja in hohem Maße auf die Gestik ankommt.
Und wer als Tanzschule noch mehr auf sich hält, bietet auch Flamenco an. Zu verpoppter Musik bieten die recht jungen Damen von Yvonne & El Zu’ur weniger komplizierte Schrittfolgen als vielmehr flamencoartigen Showtanz. Chefin Delanna entschädigt uns dann aber mit einem Fächerschleier-Solo, und der Tanz nähert sich immer mehr der andalusischen Folklore, und bald tanzt man beinahe OT in spanischen Kostümen, was an sich ja kein Ding der Unmöglichkeit ist. Doch immer wieder kehren die Tänzerinnen zum Spanischen zurück und vergessen während der ganzen Darbietung ihre Anmut nicht.
Der erste Teil hat uns auf sehenswertem Niveau Schülerinnen-Darbietungen gezeigt, die allein schon einen unterhaltsamen Abend bedeutet hätten. Doch man will hier mehr, will Standards setzen und auch zeigen, wo die ganze Tanzbewegung steht. Im zweiten und dritten Teil (die Gala) wechseln sich daher hauseigene Gruppen mit Gästen und Freunden des Hauses ab. Nicht wenige Studios rufen ihnen bekannte Künstler zusammen, und das Ergebnis ist mitunter unausbalanciert und beliebig. Delannas Tanzstudio „Hipdance“ hingegen wählt schon mehr aus und achtet darauf, bei den Gastauftritten etwas mehr Substanz zu bieten.
War es bislang immer aus Gründen der Höflichkeit üblich, zuerst die Damen zu nennen, so wollen wir es hier, auf einer weiblich dominierten Veranstaltung, umgekehrt halten und mit den Männern beginnen: Ein gutes Jahr 2008 hat Soner, er wartet, diesmal ungewohnt züchtig bedeckt (für seine Verhältnisse) mit traditionellen Orientalischen Tänzen auf, wie man es von ihm gewohnt ist, und auf diesem Gebiet ist er ja auch nicht schlecht. Im zweiten Tanz begleitet er sich selbst mit Zimbeln. Einen Mann erleben wir auch im Duo Nina & Jan , die beide der Tribalgruppe „Baghira“ angehören. Diese bietet neben traditionellem Tribal auch einige hübsche Tanznummern der ungewohnten Art (bei „Alles Tribal 4“ zum Beispiel zur Filmusik von „Der rosarote Panther“, s. OC 4.4.1). Hier in Osnabrück führen sie zu zweit Tribal – nach mittelalterlicher Musik, mit irischem Einschlag - auf, diesen Gruppentanz im Duo angerichtet, das bekommt man ja auch nicht alle Tage geboten, aber hier bei den 2. Osnabrücler Orienttagen gleich zweimal (s. „Takasim“). Vielleicht liegt es ja an Jan, daß diese Interpretation recht wuchtig ausfällt. Die beiden bauen Elemente des Stocktanzes ein, und man erkennt, daß Stocktanz in dieser Form nicht weit vom Schwerttanz entfernt ist, und das liegt das Mittelalter dann ja auch nicht mehr fern.
Ein weiteres Exemplar aus der beinahe schon unter Artenschutz stehenden Rubrik „männlicher Tänzer“ ist Bondok, und den sollte man mindestens einmal im Jahr gesehen haben, gibt es doch nur wenige Tänzer wie ihn. In seinem ersten Auftritt gibt er einen Stocktanz, und hier bekommt man zu sehen, was es damit wirklich auf sich hat. Wie mir ergeht es sicher auch vielen anderen, die den Stocktanz nur in seiner parodierten Form, nämlich von Frauen durchgeführt, kennen. Seine artistischen Stockwürfe und hochakrobatischen Figuren zeigen doch eine ganz andere Qualität. Mit seinen beiden Stöcken führt Bondok all das vor, wozu andere ein ganzes Arsenal an Hilfsmitteln brauchen – aber das braucht er alles nicht. Während seiner Darbietung ahnt man, wie lange Stock und Mensch schon zusammenwirken, ist jener doch die erste Waffe und das erste Werkzeug. In seinem zweiten Auftritt an diesem Abend führt Bondok uns in ein weiteres Geheimnis, in den Mysterientanz „Tanura“; auch dies ein traditionelles Stück, doch aufgrund seiner rituellen Form und der etwas schwierigen Handhabung des 4 Kilogramm schweren Rocks nicht jedermanns und jederfraus Sache. Die ganze Nummer hindurch dreht der Tänzer sich um die eigene Achse und bewegt sich dabei kaum vom Fleck – mit Ausnahmen. Der Rock hebt und senkt sich, Bondok trägt einen Schleier vor dem Gesicht, und als er den äußeren Rock hochzieht, erkennen wir, daß er mehrere solcher Stücke trägt. Zeitweise sieht er aus wie eine Spindel, während der äußere Rock über Kopf und Armen reicht – hochgehalten von der unablässigen Drehbewegung –, kreist der untere über den Beinen. Er entkleidet sich immer mehr und führt uns durch die Kombination der darunter befindlichen Kleidungsstücke und ihrer Farben in immer neue Symboliken ein, deren Bedeutung wir nicht einmal erahnen können, nur der Zauber dieser Darbietung umfaßt uns. Bondok muß eine Zugabe geben, so ergriffen sind alle von seiner geheimnisvollen Kunst. Nun steigt er zu uns herab und rotiert durch den ganzen Saal, wobei er den Tanura über den Schultern wirbelt. Was für ein Auftritt!
Gehen wir damit über zum „Damenprogramm“, das uns natürlich erst so richtig die ganze bunte Welt der orientalischen Tänze und modernen Varianten ausbreitet. Das Erfurter Duo Sahara Dreams kommt uns mit Doppelschleiern. Die beiden verstehen sich den Umgang mit ihren Stoffbahnen, eindringlich und anrührend tanzen sie mit ihnen und benutzen sie nicht als zufällig wallendes Accessoire.
Die Studioleiterin, Delanna, die vorher schon im Schülerinnen-Teil zu sehen war, betritt nun die Bühne. Wie es sich für eine solche Veranstalterin gehört (aber frage mich bitte keiner, warum das so ist), kommt sie uns mit einem klassischen orientalischen Tanz plus Trommel-Solo. Man merkt aber rasch, wieviel sie davon versteht und freut sich daran, wie sie eigene Akzente setzt. Sie verläßt die starre Reihenfolge, spielt mit den Musikelementen und läßt alle möglichen Körperpartien an ihren Shimmies teilhaben. – Am Ende des ersten Galateils rauscht Delanna mit ihrer jungen Schautanzgruppe Style ‚n‘ Shake auf die Bühne. In Pumphosen und 70er-Jahre-Retro-Kleidung führen sie einen Gruppentanz mit Hip Hop, Fusion, Tribal und allem anderen, was modern und tanzbar ist und Laune macht auf. Die Musik dazu könnte man vorsichtig elektronischen Orient-Hip-Hop nennen. Delanna tanzt danach ein sich daran anschließendes Solo. Toll.
Eine ganz andere Baustelle betreten wir mit dem Gruppe Penthesilea. Eigentlich ein Quartett sieht man sie meist als Trio, ein auf den Grundlagen des Tribal basierendes Unternehmen, das Fusion der finstersten Art bietet, des Gothic nämlich. Nicht umsonst behaupten diese Frauen von sich, aus der dunkelsten Ecke des Ruhrgebietes zu kommen (ohne genauer zu verraten, wo die denn eigentlich liegt). Gemäß den Regeln des Tribal improvisieren sie ihre Auftritte, und wie beim Gothic üblich kommt eine Menge Emotionalität über. Sie zeigen sich heute in einem etwas offeneren Kostüm und tanzen in langsamen, eckigen Bewegungen zu deutschem Gothic Rock („Covenant“). Penthesileas Auftritte zu deren Stück „Greater than the Sun“ werden von Mal zu Mal düsterer. Im zweiten Stück von „Qntal“ verlassen sie den Tribal nicht, gebärden sich aber noch finsterer. „Diome“ bekommt einen Solo-Part, und das ist eine hübsche Abwechslung. – Nach der Pause erscheint die Stammesmutter Arzo zu einem Solo-Stück, einer sehr mysteriösen Nummer mit Breakdance-Einflüssen, aber auch indischen Bewegungen. Die Tänzerin wandert zwischen beiden Welten hin und her und schafft sich selbst immer mehr. Ein bezwingendes Stück.
Die bekannte Indisch-Tänzerin Dil Arya, dem Hause seit längerem verbunden, führt sie hier doch auch Kurse und WS durch, begibt sich nun mit Partner Basit auf die Tanzfläche. Als Spezialistin für Bollywood-Tänze bescheren sie eine Fusion aus eben Bollywood und indischen Volkstänzen und erzählen tänzerisch eine Liebesgeschichte. Das Duo Dil Arya & Basit findet sich, streitet sich, findet sich wieder, spielt miteinander und küßt sich zum Schluß. Eine nahegehende Darbietung.
Aus Osnabrück stammt Mallany Amar, und sie führt uns noch einmal zu den Anfängen zurück, zum Orientalischen Tanz der 40er Jahre (des 20. Jahrhunderts), als die Damen in paillettenreichen Roben tanzten. Sie präsentiert uns die traditionelle Kombination klassischer Tanz und Trommel-Solo. Eine ordentliche Leistung.
Aus der Landeshauptstadt Hannover kommen Perlatentia und erinnern uns mit ihrer balkanesken Musik an „Balkan Beat Box“ und bulgarischem Frauen-Chor. Dazu wird Tribal getanzt, und schon haben wir einen pfiffigen Fusion vor uns. Im zweiten Teil wird es dann tribaliger, und es finden sich auch Elemente des klassischen Orientalischen Tanzes. Immer wieder eine Freude zu sehen.
Im letzten Beitrag des heutigen Abends wird es dann wieder indisch mit dem hauseigenen Bollywood-Projekt 14 Tänzerinnen stürmen die Bühne, und das erinnert schon allein durch die Menge stark an die Ballette, wie wir sie aus dem Fernsehen kennen. Sie tanzen die bekannten Figuren und Formationen, und weil Bollywood ein raumgreifendes Vergnügen ist, wird die Bühne immer mal wieder ein wenig zu klein für alle. Schade, was für ein Genuß, sie alle einmal auf einem großen Feld zu sehen.
Ein gelungener Abend geht zu Ende. Dem einen oder anderen mag der indische Anteil etwas zu stark gewesen sein, aber das ist Geschmackssache. „Alles Tribal 4“ setzte auf Fantasy als Schwerpunkt, die „1. Norddeutschen Tribaltage“ machten Gothic salonfähig, und Delanna stellt eben indische Tanzkunst in den Vordergrund. Solange sie auch viele andere Spielarten bedient, geht das vollkommen in Ordnung. Mehr noch, man darf schon sehr gespannt auf das dritte Mal „Uni Goes Tribal“ sein.
Ein Interview mit Delanna zu ihrer Show-Reihe findet sich in „orientalika.de“ (Marcel on Tour, eingestellt am 11.11.08).
- Marcel Bieger ist Redakteur des „Oriental Cosmos“.
| „The Spirit of Tribaldance - Zweites Tribaltreffen auf der Schönburg 13.-15.06.08 - von Mounja vom Stamm Ajowan (www.ajowan.de) | |
Auf dem Burghof nehmen uns Shalia und ihre Damen, die passend zum Ambiente in mittelalterliche Gewänder gekleidet sind, mit Sekt in Empfang. Hier auf der Schönburg erwartet uns eine andere Welt, und wir dürfen uns auf ein tolles Wochenende einstellen. Wie schon beim ersten Treffen vor 2 Jahren erfreuen wir uns wieder an all den netten Kleinigkeiten, wie z.B. die mit viel Liebe zum Detail dekorierten Bommeln als Wegweiser und die Burg-Zimmer, geschmückt mit Gebäck und Wochenendplan in Form einer Schriftrolle. Nach dem Abendessen erwartet uns zur Dämmerung eine interessante Burgführung mit spannenden Geschichten aus uralter Zeit. Danach ist Kennenlernabend im Rittersaal. Man trifft alte und neue Gesichter, und bei gutem Wein aus Tonbechern und Wasserpfeife ergeben sich interessante Gespräche an einem kurzweiligen Abend.
Am Samstag früh um 7 Uhr erwartet uns Anya Naima mit Yoga, und das macht unsere müden Glieder wieder munter und fit für den bevorstehenden dreistündigen Workshop mit Apsara Habiba, die uns den tänzerischen Umgang mit Dolchen und Säbeln lehrt. Zeitgleich findet ein Trommel-Workshop mit Bruno Assenmacher statt, der alle rhythmusbegeisterten Damen und die wenigen anwesenden Tribal-Männer in seinen Bann zieht. Nach dem Mittagessen heißt es dann, rein in das Tribaloutfit und zum Fotoshooting bei André Elbing, der im Turm der Burg bis in die Nacht hinein die stimmigsten Bilder schießt. Nachdem wir im Speisesaal mit Kaffee und Kuchen verwöhnt worden sind, spazieren wir zum wiederholten Male über den Burghof, der sich zu einem schönen Markt verwandelt hat. Neben selbstgemachten Seifen, Filzereien, Tonwaren und Wollwaren gab es viel bei Shaila und Yalleh zu bestaunen und zu kaufen.
Nach dem Abendessen begeben wir uns in den nur mit Kerzen beleuchteten Tanzsaal, in dem uns sogleich die Mittelalter-Band „Verres arcis“ aus Bad Münster am Stein einheizt. Der Met fließt und die Stämme tanzen, erst jeder für sich, aber bald alle zusammen und bilden einen großen Stamm mit etwa 50 Tänzerinnen. Da überrascht uns Anya Naima mit einem Solotanz in ihrem unverwechselbaren Tribalfusionsstil. Auch Apsara Habiba läßt sich nicht bitten und beeindruckt mit einem Säbeltanz der Extraklasse, und den Abschluß dieser Showeinlage, die ihresgleichen sucht, bildet eine strahlende Shalia in einem weißen Kostüm und einer modernen Form des Tribaldance. Nun erwartet uns im Mondlicht erleuchteten Burghof noch die heiße Feuershow der Musiker. Ein brennender Dudelsack-einfach irre! Erst weit nach Mitternacht fallen wir müde ins Bett, wo vielleicht noch die eine oder andere Tafel Schokolade oder ein roter Wein seine Abnehmerin findet.
Am Sonntag können wir etwas ausschlafen, der Workshop mit Anya Naima beginnt erst um 9 Uhr. Aber vor den 3 Stunden Tribalfusion macht uns Anya mit Yoga ganz schnell wieder klar im Kopf. Das dritte Fest gibt’s in zwei Jahren Vormerken!
Hinweis der Redaktion: Eine längere und ausführlichere Version des Berichts von Mounja ist im „Orient Magazin“, Heft 1/2009, erschienen.
Hallo, Marcel ! Für uns war es ein besonders schönes Wochenende. Eine traumhafte Kulisse hoch über dem Rhein. Das Programm nicht zu eng gesteckt, viel Zeit für die Kontaktpflege zwischen allen Beteiligten. Wohltuende Angebote und zwei schöne Abende, die unterschiedlich ausgerichtet waren. Pit hatte sich den WS bei Bruno Assenmacher zum Geburtstag gewünscht. Er ist hoch zufrieden damit gewesen. Ich kam, mehr nebenbei, zu zwei inspirierenden WS und freue mich schon das Ein oder Andere an unserem Stamm weiterzugeben. Daß ich „alte Bekannte“ wiedertraf, war auch wunderbar. Der kleine Markt, die Band und die Foto-Aktionen am Samstag rundeten diese Veranstaltung auf das Beste ab. Wir wünschen uns 2010 mit unserem Stamm teilzunehmen. Ein großes Kompliment an die Veranstalterinnen von Aragira !
Herzliche Grüße Annette-Rachida und Pit-Idrissa von Qamar-âjalat
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