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SALAM-ALAAF - von Marcel Bieger

 

 SALAM-ALAAF - von Marcel Bieger  
 

SALAM-ALAAF - von Marcel Bieger



Für Nichtkölner: Wir haben hier in Köln nicht nur den Dom, sondern auch eine große Auto-Fabrik, die Ford-Werke, und dort arbeiten 30.000 und mehr türkische Mitbürger. Die schöne große Stadt am Rhein hat auch eine Menge türkischer Restaurants, eine Menge türkischer Unternehmer, und die haben auch alle hier in Köln Familie. Wenn man da mal ein bißchen zusammenrechnet, kommt man auf eine ganz schöne Menge türkischer Mitbürger. Keine Frage, daß die ihr eigenes Gotteshaus wollen und brauchen, sonst wären sie ja keine richtigen Mitbürger. In Ehrenfeld soll nun eine große Moschee gebaut werden, und die Bürger von Köln finden das richtig so. Na ja, bis auf ein paar, vom ganz braunen Rand, die sich selbst „Pro Köln“ nennen, obwohl kein Mensch versteht, was das, was die treiben, mit „pro“ Köln zu tun haben soll. Diese Miesnicks haben nun ihre Miesnick-Geschwister aus ganz Europa zu uns ins schöne Köln eingeladen, um hier einen sogenannten „Anti-Islamisierungs-Kongreß“ abzuhalten. Der alte Le Pen aus Frankreich wurde eingeladen (kam aber nicht) und auch ein paar Haider-Kameraden aus Österreich (die sind gekommen, leider) und noch ein paar andere solcher Vögel. Insgesamt an die 1000 braune Miesnicks sollten es werden. Nun sind Kongresse an sich ja etwas Schönes, und wenn sich hier Ärzte, Juristen oder Modemacher treffen wollen, freut das alle. Aber diese Leute – nääääääh! Das dachten sich viele Bürger in Köln, und so wurde emsig überlegt, was man denn dagegen tun könnte. Und den wackeren Bürgerinnen und Bürgern Kölns ist eine Menge eingefallen. So haben zum Beispiel die Wirte rings um den Kundgebungsplatz, auf dem sich die Rechten zusammenrotten wollten, beschlossen, denen kein Bier auszuschenken („Kein Kölsch für Nazis“). Andere haben sich gesagt, da müssen wir zeigen, daß wir dagegen sind, und eine Gegendemonstration organisieren (zu der dann auch 50.000 Menschen gekommen sind). Wieder andere haben gesagt, da lassen wir unser legendäres Könzert „Arsch huh, Zänng usenander!“ (den Arsch hoch und die Zähne auseinander, sprich: Raff dich auf, und mach dich bemerkbar), von 1992 wieder aufleben, als schonmal gegen Rassismus angesungen wurde und Köln ein deutliches Zeichen setzte. Und alle von damals kamen (die noch leben zumindest), und die Bühne wurde in Hörweite des Kundgebungsplatzes aufgebaut. Den ganzen Tag hat man dort Musik gemacht, damit man von den blöden Reden der Miesnicks nicht viel – am besten gar nichts – verstehen konnte. Ganz viele andere haben sich ganz viele andere Sachen überlegt, und so kam es dann, daß die Nazis sich am Freitag den 19.9. überhaupt gar nicht entfalten konnten und am folgenden Samstag, ihrem Großaufmarschtag, ganze 50 oder so überhaupt zum Kundgebungsplatz gekommen sind. Der Rest ist gar nicht durchgekommen, weil die Busse sie nicht mitnehmen wollten, die Taxis die Plätze, an den sie warteten, gar nicht erst angefahren haben, und die Hotels ihnen die Zimmerreservierung gestrichen haben. Angesichts von soviel Bürgerunmut sind etliche Braune wieder abgehauen, denn Feigheit ist ja eines ihrer Markenzeichen. Andere haben sich überhaupt nicht mehr zurechtgefunden, auch das eines ihrer Markenzeichen. Die Polizei hat die Veranstaltung schließlich abgesagt, und so ist das ganze braune Spektakel ins Klo gefallen, wo es auch hingehört.
Von einer Aktion soll hier aber noch berichtet werden, und das ist „11.000 Bauchtänzerinnen“, die sich ebenfalls in der Nähe des Kundgebungsplatzes zusammenfinden sollten. Ganz so viele sind es nicht geworden, aber sie hatten dort eine supertolle Stimmung, und die Tänzerin Xahira, Leiterin der Tanzschule ZaDaRo in Köln, die dabei war, hat uns davon erzählt.
SALAM-ALAAF Gespräch mit Xahira:
Wie bist du überhaupt darauf gestoßen, daß so etwas stattfinden sollte?
Eine Kollegin hat mich drauf aufmerksam gemacht, und da habe ich sofort den Veranstalter, Jan Krauthäuser (Humba e.V.), angerufen, weil ich total davon begeistert war, daß es so etwas überhaupt geben sollte. Er war auch sehr nett am Telephon, und ich habe dann gleich gesagt, endlich einmal eine Veranstaltung, bei der ich meinen Beruf und meine politische Einstellung zusammenbringen kann. Danach habe ich das dann gleich herumgepostet, an meine Schülerinnen und an Bekannte. Einige sind dann auch tatsächlich am dem Samstag erschienen. Natürlich hätte ich mir ein paar mehr gewünscht, aber in der Hektik ... Ja, und dann haben wir auf dem Heinrich-Böll-Platz getanzt, und da war ein Riesenauftrieb, mindestens zehn Fernseh-Teams waren da und dreißig Photographen. Das war eigentlich nicht als richtiger Auftritt geplant. Wir sind im Grunde nur dahin und wollten mal abwarten, was passiert. Ich habe da ein bißchen mit dem Jan (Krauthäuser) herumgetanzt und mit dem Hooman. Richtig geile Live-Musik hat aufgespielt. Kurzum, da war so richtig Karnevalsstimmung. Wir haben getribalt, das läßt sich ja flott spontan einrichten, und dann kamen noch zwei persische Musiker, und da haben Hooman und ich Bandari getanzt. Das war wirklich toll. Ich hatte danach eine richtige Gänsehaut. Das hat ja so gut geklappt alles. In der ganzen Innenstadt herrschte eine Stimmung wie auf einem Volksfest. Wir haben mit unseren Kostümen nur positive Resonanz bekommen, fanden alle ganz toll. Und am Gürzenich lief ja die Neuauflage von „Arsch huh, Zänng usenander“, also in Köln hat wirklich eine spürbare Atmosphäre geherrscht von „Wir gemeinsam – die nicht.“ Und dann wurde ja noch bekannt gegeben, daß die Veranstaltung endgültig von der Polizei abgesagt worden war. So was habe ich noch nicht erlebt, auf einmal in der ganzen Stadt eine solche Solidarität. Die Rechten sind ja richtig dumm aufgelaufen.Kein Mensch hat sie unterstützen oder ihnen zuhören wollen, ich glaube, so untergegangen wie in Köln sind sie noch nie
SALAM-ALAAF Und was habt Ihr nach dem Tanz gemacht?
Danach hat sich das in Gruppen aufgelöst, die jede für sich weiter durch die Innenstadt gezogen sind, war ja überall was los. Aber dort haben wir dann nicht mehr spontan getanzt oder so, denn da liefen ja eigene Konzerte oder fanden Kundgebungen statt. Ich bin aber auf dem Heinrich-Böll-Platz interviewt worden. Von jemandem von RTL, und das war ganz grausig. Ich war gerade erst angekommen, gerade mal zwei Minuten da, schon hatte ich Kamera und Mikro im Gesicht und konnte nur was rumstottern (in der Sendung klingt es aber trotzdem ganz vernünftig, Anm. d. Red.) Das kam dann wohl auch im Fernsehen. Der Reporter wollte von mir wissen, warum ich ausgerechnet hierher gekommen sei. Da habe ich ihm gesagt, die Rechten seien gegen den Islam, der komme vornehmlich aus dem Orient, deswegen könnten die Rechten keine orientalische Musik leiden, und der Bauchtanz müßte ihnen erst recht ein Greuel sein. Tanzen macht mir Spaß, und wenn ich tanzen und damit auch noch etwas politisch ausdrucken kann, bin ich natürlich dabei. Na ja, es hätten durchaus etwas mehr Tänzerinnen kommen können, wir haben ja in Köln eine ziemlich große Szene. Ich habe Djihara von „E’fey“ gesehen, aber am meisten waren von meiner Schule ZaDaRo erschienen, von denen haben ja viele eine politische Haltung. Dennoch ist der Platz voll gewesen. Jan Krauthäuser, der uns auch danach gut mit E-Mails und so weiter betreut hat, schätzt, daß sich an die 1000 Menschen dort versammelt haben.“ SALAM-ALAAF
Wir danken Jan Krauthäuser dafür, auch uns nach dem Wochenende gut versorgt zu haben. (Von Humba e.V. stammt auch der wunderbare Gruß „Salam Alaaf“.) Und hier ist seine Web-Adresse: www.humba.de
Schaut ruhig mal drauf, könnte ja sein, daß die Miesnicks sich demnächst bei Euch einschleichen wollen, weil es hier im schönen Kölle nicht geklappt hat. Und mal ehrlich, wollt Ihr die haben?
Bei Xahira kann man natürlich auch reinschauen: - www.xahira.de - www.duokarma.de
Oder Ihr sprecht sie einfach an, wenn Ihr sie das nächste Mal seht. - die Photosotos stammen von Siglinde Kallnbach (7135) und Jan Krauthäuser (7107,7163) - Marcel Bieger ist Redakteur des Oriental-Cosmos.

“ – Marcel Bieger ist Redakteur des „Oriental Cosmos“.

 


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