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1. Stämmelager 2007
1.1. Gedicht

 

 Ur-Gedicht
Stämmelager 2007. "Der Weg ist das Ziel" von Nu Ha 'Izzah
EINE WELTREKORD DES MITEINANDERS
IMPRESSIONEN und Nachklang zum Stämmelager in Köln von Mounja 1001

 

 von Sylvia Sophia Assmann(22.11.2007)  
 

Stämmelager-Gedicht begonnen von Sylvia Sophia Assmann ...



Stämmelager eine Wahnsinnsidee

viele Tribalstämme an einem Platz viele Tribalfrauen an einem Platz

welche Energie kann hier entstehen zu welcher Kraft bekommen wir Zugang



die Idee drei Tage und Nächte mit meinen Tribalschwestern zu verbringen die Vorstellung drei Tage und Nächte nur zu sein miteinander und füreinander zu sein miteinander zu feiern, zu tanzen, zu essen, zu trinken in einem wunderschönen Zelt zu schlafen gemeinsam das Lager zu erkunden

mit den anderen Tribalfrauen zu tanzen, uns auszutauschen, zu verbinden Frauenkraft zu leben Frauenmacht zu stärken Frauenwürde zu spüren Tribal erleben Stamm erleben Frau sein erleben



ankommen im Lager

mitten in der Nacht es ist ruhig im Lager vor den Zelten brennen vereinzelt Lagerfeuer nur Zelte und Feuerstellen wo sind die Menschen vielleicht schon schlafend oder liebend in den Zelten eine romantische Vorstellung? ich liebe romantische Vorstellungen

in unserem Gastzelt herrscht große Unordnung wir richten uns ein Bett für die erste Nacht denn die erste Nacht in einem fremden Bett ist wichtig das, was wir hier in der ersten Nacht träumen geht in Erfüllung die erste Nacht ist vorbei ich kann mich nicht erinnern wovon ich geträumt habe schade? nein denn jetzt ist der Traum der in Erfüllung geht eine Überraschung und…ich liebe Überraschungen

das erste Lagerfrühstück wird vorbereitet Hocker und ein Tischchen mit Silbertablett werden vors Zelt gestellt der Wasserkocher summt der Kaffee ist fertig die Brote schmecken so gut wie nie

die Wiese ist noch feucht von der Nacht die Sonne wärmt uns schon und macht Lust auf mehr

Lust worauf? Lust auf das Miteinander Lust auf das Leben Lust auf die Liebe

erste Lagererkundung im Tageslicht

es ist mein erstes Lager neugierig und vorsichtig aber mit offenem Herzen durchs Lager gehen sich zulächeln und grüßen fast überall freundliche, offene Gesichter ein nickendes Lächeln

ein Gefühl meldet sich im Herzen ein Gefühl macht sich breit das Gefühl heißt aufgenommen sein das Gefühl heißt ein Teil zu sein das Gefühl heißt Familie heißt miteinander

anpassen an das Lagerleben Geschirr im Schafferl spülen sich reduzieren in den Ansprüchen von der Kompliziertheit zur Einfachheit

und sie tut gut diese Einfachheit sie bringt mich zu mir selbst zu dem was ich auch oder eigentlich bin



gute Wünsche und Gedanken

darf ich euch einen guten Wunsch oder einen Gedanken anbieten?! 646 gute Wünsche und Gedanken hatte ich mitgebracht nur wenige davon sind in der Schale geblieben in der silbernen Schale mit dem spitzen Deckel den ich für so viele Menschen öffnete damit sie sich den, für sie persönlich bestimmten, guten Wunsch oder Gedanken herausnehmen konnten

darf ich euch einen guten Wunsch oder einen Gedanken anbieten? wie oft habe ich diese Frage gestellt? und wie oft wurde ich gefragt was kostet das? was für eine Welt ist das in der die erste Frage sich um Geld dreht was für eine Welt in der anscheinend alles etwas kostet

und wie oft habe ich geantwortet "gute Wünsche und Gedanken sind frei!"

manche zierten sich sich einen guten Wunsch oder einen Gedanken schenken zu lassen viele nahmen einen zweiten guten Wunsch oder Gedanken für die daheim Gebliebenen mit manche ließen sich mehrmals bitten einige nahmen sich zwei gute Wünsche oder Gedanken

andere holten sich jeden Tag einen neuen guten Wunsch oder einen Gedanken manche riefen ihre Freunde "schnell, du musst dir auch einen nehmen" Kinder baten "darf ich auch einen für meine Geschwister?" und einer... schenkte mir einen Gedanken ich danke ihm dafür

unterschiedlich wie die Menschen auch die Reaktionen auf die guten Wünsche und Gedanken einige wurden sehr traurig andere mussten herzlich lachen viele wurden nachdenklich manche lächelten wissend wieder andere nickten bestätigend einige zwinkerten und lächelten aber alle sagten "das passt" und "das ist wahr" und alle sagten "Danke"

und ich... danke euch



das Lager am Morgen

es ist früh ich muss raus schnell die Galabaya übergezogen eine warmes Tuch um die Schultern geschlungen in die Schuhe geschlüpft

raus aus dem Zelt es ist kühl das Gras ist nass das Lager ruhig nur die Autobahn rauscht

obwohl ich leise bin erschrecke ich zwei Hasen die aufgeregt das Weite suchen verrückt mitten in dieser riesigen Stadt leben Hasen in diesem Park und...verrückt ich schlafe in einem Zelt in dieser Stadt in diesem Park und…ich kann mir gerade nichts Schöneres vorstellen

immer ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit auch wenn du nachts allein herum gehst



besonderes Wiedersehen

eine Frau in Tribalgewandung ich sah sie beim Tanzen

ich begegne ihr am Lager biete ihr einen guten Wunsch an sie nimmt zwei für ihr wichtig gewesene Menschen wir spüren beide die Verbindung zwischen uns

später begegnen wir uns wieder sitzen vor dem gleichen Zelt sie sagt: du bist auch eine alte Seele ich antworte: ich weiß

beim Abschied legen wir die Stirn aneinander wir kennen uns unsere Seelen erkennen sich wir gehen auf die Suche nach Ort und Zeit woher wir uns kennen

es ist eine Reise in eine andere Dimension

schön, dich wieder gesehen zu haben



tanzen

ich wollte tanzen tanzen für den Weltrekord und den guten Zweck tanzen am Lagerfeuer tanzen vor dem Zelt miteinander und füreinander

mit meinem Stamm tanzen mit all den anderen Stämmen tanzen aber es gab nur wenig miteinander tanzen alle waren schnell weg wo sind meine Stammesschwestern wo sind all die Tribalfrauen die hier tanzten

welche Kraft hätte entstehen können ist es zu gefährlich sich zu verbinden würde zuviel aufbrechen ans Tageslicht kommen ist es noch zu früh ist die Angst noch zu groß die Neugier auf diese Kraft noch zu klein warum lassen wir noch nicht zu dass diese große Energie entsteht?



tanzen

tanzen das älteste Gebet der Menschheit die älteste Art von Meditation und Trance die älteste Ehrehrbietung an Gott und Göttin das älteste Geschenk an die Götter und Göttinnen die älteste Form von Heilung

am liebsten würde ich mich drehen immer wieder drehen um mich selbst drehen wie die Derwische drehen, drehen, drehen bis ich eins bin mit der Erde und dem Himmel eingebunden zwischen Himmel und Erde zwischen Vergangenheit und Zukunft zwischen gestern und heute nur sein eins sein



Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft

jeder hilft jedem was fehlt wird ersetzt was kaputt ist wird repariert

ein vergessener Kaffeefilter die Buschräuber verleihen ihren

alles essen kommt auf einen Tisch Piratensuppe, Sultansplätzchen und Mahlzeiten werden geteilt

der Turban sitzt nicht richtig schon sind helfende Hände da

wird es kühl taucht ein Schultertuch auf und wärmt

kaputt gegangener Tribalschmuck sofort repariert



die Berührung des Medizinmannes

ich biete die guten Wünsche und Gedanken auch den Stämmelagerern an den Piraten und Hunnen den Rittern, den Indianern und den Barbaren

der Medizinmann der Indianer bietet mir einen Ausgleich an eine körperliche Berührung am Kopf und am Rücken eine geistige Berührung der Seele "das wird deinem Herzen gut tun"

danke für diese Berührung und die Heilung meines Herzens



wie vor langer Zeit

ruhig und selbstverständlich auf einem Teppich vor dem Zelt am Boden sitzend auf einem dicken Holzbrett das Lammfleisch schneidend

in Ruhe und Ausgeglichenheit als gäbe es nur dieses Lager und keine Welt hinter den Zelten und Holzzäunen

die Fähigkeit im Hier und Jetzt zu sein in sich ruhend

es ist ein wunderschönes Gefühl hier am Boden zu sitzen und an nichts anderes zu denken als dieses Fleisch zu schneiden

das Feuer prasselt schon und wartet auf das Fleisch und es für uns zu verwandeln



nachts vor dem Zelt sitzen

das Feuer prasselt der Tee aus dem Samowar raucht der heiße Honigwein wärmt die Wasserpfeife blubbert die Gespräche plätschern Worte und Gedanken ziehen vorüber werden aufgefangen und wieder losgelassen

welche Zufriedenheit und welche Ruhe liegt in dieser Einfachheit



zwei Arten von Menschen

die Lagerleute und die Besucher die Besucher, die so unterschiedlich sind manche scheu und vorsichtig andere neugierig und gespannt

und auch ich bin geteilt nein, nicht geteilt, sondern anders ein anderer Teil von mir lebt auf diesem Lager, in dieser Gewandung etwas das ich auch bin

spielen wir Lagerleute eine Rolle natürlich wir leben immer in Rollen aber manche Rollen liegen uns eher gefallen uns mehr als andere



das große Abschlussritual

gleich werden die Schamanen das Lager offiziell beenden ich gehe ums große Lagerfeuer auf der Suche nach einem Platz einem Platz von dem aus ich an dem Ritual teilnehmen will ich gehe gegen den Uhrzeigersinn in die Widdershinsrichtung nach links in die Vergangenheit ich beende meine Suche am westlichsten Punkt des Feuers ich trete an das Feuer heran hebe den Kopf und die Augen und sehe sie die Pharaonin mir genau gegenüber im Osten unsere Augen begegnen sich unsere Blicke treffen sich kurz lächeln wir uns zu jede ist sich bewusst dass die andere auf ihre eigene Art dieses Lager mit einem Ritual beendet ich senke meinen Blick schaue ins Feuer als ich wieder hochsehe ist sie weg

die Schamanen vollziehen ihr Abschlussritual

als es vorbei ist gehe ich noch mal um das Feuer nach links dreimal um den Göttern und Göttinnen zu danken den Menschen dieses Lagers zu danken den Naturgeistern, Elfen und Gnomen dieses Platzes zu danken um den Schutzkreis aufzuheben

danach gehe ich zurück zu den Zelten meines Lagers wir entzünden ein Lagerfeuer vor dem Zelt gemeinsam kochen wir das letzte Mahl dieses Lagers es ist ein besonderer Moment wir sitzen bis tief in die Nacht vor dem Zelt am Feuer



die letzten Stunden

das letzte Frühstück am Lager der Koffer steht gepackt am Auto als Zeichen für einen anderen Teil des Lebens

das Wasser für den Kaffee kocht das Kuchenstück von gestern das meine Frauen zurück gelassen haben teilen wir uns zum Kaffee ein schweigendes, Abschied nehmendes Frühstück



dann der Abschied

der Abschied von einer Frau die ich erst vor einer Woche kennen gelernt habe aber schon viel länger kenne

der Abschied von meinem Gastgeber der drei Tage seines Lebens seine Mahlzeiten, und sein Zelt mit mir geteilt hat

der Abschied von einer Idee der Idee, viele Frauen um ein Feuer zu versammeln und gemeinsam zu Ehren der Göttin zu tanzen vielleicht...beim nächsten Lager

und...der Abschied von meinem ersten Lager

und...das beruhigende Wissen, das es ein nächstes geben wird





Jede und jeder, der am Stämmelager teilgenommen hat, ist herzlich eingeladen, diesem Gesicht eine eigene Strophe über seine ganz persönlichen Stimmungen, Emotionen und Wahrnehmungen hinzufügen. Wir hoffen, daß daraus ein einzigartiges Dokument eines ebenso einzigartigen Sommer-Festes der Freude und des Tanzes entsteht . Friede sei mit Euch allen, jetzt und immerdar!

 

 Stämmelager Köln 2007. „Der Weg ist das Ziel“ von Nu Ha 'Izzah  
 

von Nu Ha 'Izzah


Ursprünglich hatte unser Trio geplant, freitags gegen 17.00 Uhr nach Köln zu fahren. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!
Private Verpflichtungen nagten an unserem schön geschmiedeten Zeitplan und so kam es, dass wir uns erst sehr viel später als Duo auf den Weg machen konnten. Die Fahrt auf der Autobahn verging wie im Flug, und plötzlich prangte die Abfahrt „Bilderstöckchen“ vor uns. Wir fuhren ab, tauchten in ein Wohngebiet ein, fuhren an einem Park vorbei, entdeckten ein Schild (aber keine Einfahrt) und waren wieder auf der Autobahn. Wieder die Abfahrt, wieder das Wohngebiet, wieder der Park, wieder das Schild und ...
... zu schnell an der Einfahrt vorbei und wieder auf der Autobahn. Nun denn, wir waren optimistisch, und so wurde dann der dritte Versuch auch mit einem guten Parkplatz und auskunftsfreudigen Menschen belohnt.
Durch das Dunkel der Nacht machten wir uns auf in den noch dunkleren Park, um das Stämmelager zu finden. In der Ferne vernahmen wir Musik, und zielstrebig folgten die Füße den Klängen. Die Erschöpfung, die langsam in uns kriechen wollte, fiel mit einem Mal ab. Schließlich konnte es nicht mehr weit sein - dafür aber noch dunkler! Im Schein einer Schlüssel-Taschenlampe suchten wir uns den Weg. Die Musik wurde lauter, und eine bunte Lichtergirlande war auszumachen. Unsere Schritte wurden noch zielstrebiger, und ziemlich ungläubig standen wir dann vor einem Biergarten...
Sollte das das Stämmelager sein?!
Etwas unentschlossen standen wir am Eingang, und gerade als wir uns umwandten, um nachzufragen, entdeckten wir auf der anderen Seite des Sees ein beleuchtetes Zirkuszelt. Wieder kam die Mini- Taschenlampe zum Einsatz und endlich hatten wir das Ziel erreicht. Nun mußten wir nur noch einen der Organisatoren finden (der uns hoffentlich auch einen Schlafplatz zuweisen würde).
Im Lichterschein entdeckten wir ein orientalisches Zelt. Es war das vom „Dattelschlepper“. Dort erfuhren wir, wo das Zelt von André Elbing stand.
Der Sultan residierte in einem Kreis von Männern und Frauen, und wir wurden von allen herzlich aufgenommen. Die Herzlichkeit und der Wein wärmten Körper und Seele gleichermaßen und es versprach schon jetzt ein unvergeßliches Wochenende zu werden. Irgendwann jedoch zwischen Nacht und Morgen forderte der Schlaf sein Recht, und wir mußten uns von der netten Runde verabschieden. In einem großen Zelt, das wir mit sechs Frauen teilten, befand sich unser Nachtlager. Auf den Teppichen waren Luftbetten, Isomatten und Schlafsäcke ausgebreitet. Im Schein von Taschenlampe und Kerzenlicht hatte sich jede ihr „Nestchen“ gebaut, in das sie sich dann, je nach individuellem Erholungsbedarf, zurückziehen würde. Wohlige Wärme machte sich im Schlafsack breit, kroch überall hin, nur...
...nur die Nase wurde vergessen. Es ist wirklich unglaublich, daß so wenig kalte Haut eine Nacht unendlich lang machen kann und einem dabei den zur Erholung notwendigen Schlaf rigoros vorenthält. Alle Varianten, dem Sinnesorgan die notwendige Wärme zukommen zu lassen, schlugen fehl. So wurde der Morgen mit Freude erwartet und nie war die Sehnsucht nach einem heißen Kaffee größer. Doch das Stämmelager schlief!!! Nun gut- zurückgreifend auf die Erfahrungen unserer gestrigen Tour, wußten wir, daß sich in der näheren Umgebung zwei Tankstellen befinden. Dort würde es mit Sicherheit Kaffee geben!
Oh, war das schön, dass Heißgetränk zu spüren! Mit dem warmen Becher an der Nase machten wir uns nun auf die Suche nach einem Bäcker. Frische, warme Brötchen für ein gemeinsames Frühstück im Lager. Das waren doch besten Voraussetzungen, um gut in diesen spannenden Tag zu starten. Als wir dann mit unseren riesigen Brötchenbeuteln das Zirkuszelt betraten, hörten wir, wie eine Spaziergängerin einem der Offiziellen von einem „sprudelnden Schlauch“ berichtete. Die tiefere Bedeutung des Ganzen durften wir dann nach dem leckeren Mini- Frühstücksbuffet machen. Es gab kein Wasser mehr! Kochen, waschen etc. fiel entweder ganz aus oder es wurde das „Stille Wasser“ (aus der Flasche) dazu genutzt, um sich spärlich zu reinigen bzw. Heißgetränke u.ä. zuzubereiten.
Unklar blieb zunächst, wie lange es dauern würde, bis der Schaden behoben wärei (Gerücht: durchgeschnittener Schlauch). Doch Stagnation kam nicht in Frage, und so begannen wir mit den Vorbereitungen für die Besucher: Das Zelt wurde in Ordnung gebracht, damit Isis dann darin wandeln konnte, um vom alten Ägypten zu berichten. Die Frauen verwandelten sich in Tribal- Schwestern und ein einzigartiger Geist begann einzuziehen. In unseren Zelten hielt die Zeit den Atem an. Das Fremde löste sich endgültig auf. Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Gemeinschaftssinn nahmen dafür den Platz ein. Das Mit- und Füreinander hatte Priorität (und es hielt sich über das ganze Wochenende tapfer aufrecht).
Irgendwann wurden wir dann aufgefordert, unsere Karten zu holen, und so gingen wir zur Zirkuskasse, um drei Karten in Empfang zu nehmen. Kaum hatten wir alle Karten in der Hand, vibrierte der „Gesprächsknochen“: Unsere „Dritte im Bunde“ war verhindert! Es machte uns etwas traurig, all diese Erfahrungen nicht direkt mit ihr teilen, sondern ihr diese nur mitteilen zu können! Doch viel Zeit, uns diesem Gefühl hinzugeben, blieb nicht, denn die Mutter aller Tribal- Mütter rief, und die Stämme versammelten sich um sie. Die Vermittlung der Planung schien etwas strukturlos abzulaufen (wer macht welches Solo zu welcher Musik, wo ist die CD, wer steht wo...) Doch trotz des gefühlten Chaos hatte das Ganze dann doch noch eine Ordnung. Der Einmarsch wurde zu einer unbeschreiblichen Einzigartigkeit und das Tribal-Gebet glorifizierte diesen Moment der absoluten Stammes-Einheit.
Wir sind ein kleiner Stamm, und unsere Tribal- Erfahrungen sind noch jung, so daß wir die Plätze in den hinteren Reihen hatten. Von dort konnte man die Kommandos nicht schnell genug (wenn überhaupt) wahrnehmen und umsetzen. Einiges im Bewegungsrepertoire war uns auch vollkommen unbekannt und so kam es zu „Fehlern“. Wir waren uns dessen schon im Vorfeld bewußt. Trotz unserer mangelnden Kenntnisse waren wir hochmotiviert, den Weltrekordversuch zu unterstützen und dabei ein Teil eines „Mutter“-Stammes zu werden/ zu sein. Es war schön, und es war anstrengend als neuer, noch unerfahrener Stamm mit all diesen schönen, erfahrenen Frauen mitzutanzen. Es war schön das „verbunden sein“ durch eine gemeinsame Sprache - den Tanz - zu erleben und mit denen, die offen sind, zu teilen. Dennoch nahmen wir manchmal auch eine nonverbale Negativ-Wertung in diesem zentralen Tanzgeschehen wahr (diese Wahrnehmung ist subjektiv, da sie auf unserem emotionalen Empfinden basiert).
Durch die ganzen Soli wurde das Ganze jedoch ziemlich langatmig und so kann trotz der Schönheit, die man als Betrachter und/oder (Mit-) Tänzerin empfindet, die Ungeduld von Zuschauern, Akteuren und Technikern verständlich sein. Hier sollte der zeitliche Rahmen und/oder die Struktur der Darbietung verändert werden (außer das Weltrekord-Ziel ist ein Tribal- Tanz- Marathon)!
Die Fragen, die uns die nächste Zeit beschäftigten, waren: „Ist das Ziel erreicht? Haben wir es geschafft?“ Antworten gab es viele - unterschiedliche!!! Doch auch pragmatischere Dinge begannen wieder in den Vordergrund zu rücken: schmerzende Füße, volle Blasen, leere Mägen, trockene Kehlen ...
... und die Frauen, die gerade noch so nett miteinander tanzten, plauderten und lachten, trugen nun Sorge für ihren geliebten Körper.
Der Abend kam und von den Tribal- Stämmen, die am Nachmittag den Platz gefüllt hatten, waren nur noch wenige da. Die übrigen Stammes-Schwestern saßen zusammen, tanzten miteinander, zogen gemeinsam mit Musik und Tanz durch das Stämmelager und wollten ihre Freude mit allen anwesenden Stämmen (die Ritter, Barbaren und Piraten gab es ja auch noch) teilen. Doch sie fanden, bis auf wenige Ausnahmen, nur Zurückweisung (wahrscheinlich zehrt der Kölner Karneval noch)! Leicht frustriert, aber inspiriert von dem Geist des Gemeinsamen zogen wir mit Musik und Tanz ins Zirkuszelt ein und fanden dort Tanzwillige und Tanzfreudige. Aber auch hier war der Spaß nur kurz, und so fanden wir uns bald vor den Zelten des Sultans ein, der sich als sehr aufmerksamer Gastgeber zeigte.
Es wurde gegrillt, geredet, getanzt, gelacht, getrunken. Dann begann es zu tröpfeln und die ersten suchten ihren Schlafplatz auf. Ein kleiner Rest, zu dem auch unser Stamm gehörte, konnte noch keinen Schlaf finden und verzog sich mit dem Grill in den orientalisch gestalteten Ruhebereich. Wir rückten dicht an die wärmende Glut. Heiteres und Ernstes wurde untereinander ausgetauscht. Plötzlich war die Nacht ziemlich kurz und gegen 4.00 Uhr morgens, nachdem wir André beim Aufräumen unterstützt hatten, kuschelten wir uns dann auch in unsere Schlafsäcke. Vielleicht lag es an der großen Müdigkeit oder an der besseren Wärmetechnik der Nase, doch diesmal war der kurze Schlaf erholsamer.
Das Tageslicht kam schneller als gewünscht. Müde und noch etwas steif, ließen wir die Schlafsäcke hinter uns, um die Gemeinschafts-Duschen zu finden. Was für ein Genuß, das warme Wasser auf der Haut zu spüren und wahrzunehmen, wie das Duschgel den Körper reinigte und mit seinem Duft einhüllte. So banal kann Luxus sein!
Dann richteten wir unser Gepäck, machten uns auf den Weg zum Bäcker und brachten dabei die ersten Gepäckstücke ins Auto. Als wir mit den Brötchenbeuteln zurückkamen, erwachte das Lager langsam. Die allgemeine Betriebsamkeit nahm zu. Auch an unseren Zelten - und so wurde der Sonntag mit einem guten, gemeinsamen Frühstück begonnen. Danach richtete sich jeder für sich auf die zu erwartenden Besucherströme ein. Trotz der individuellen Vielfalt waren Hilfe und Unterstützung eine Selbstverständlichkeit.
Nachdem wir uns in Trbal-Tänzerinnen verwandelt hatten, brachten wir das restliche Gepäck ins Auto und genossen in den verbleibenden Stunden die Atmosphäre, die uns auf dem Weg, im Lager, an den Ständen und an den Zelten umgab. Im Laufe dieses Tages wurde der Tribal-Geist mehrmals lebendig. Verschiedene Tribal-Stämme machten miteinander Musik und wurden durch den gemeinsamen Tanz eins.
Dieser positive Geist hat uns, in unterschiedlicher Intensität, das ganze Wochenende, sowie auf unserer Heimreise begleitet: Es ist der Tanz, die Gemeinschaft die zählt und nicht der Wettbewerb in Einzelkampf und Narzissmus!

- Nu Ha 'Izzah ist ein noch recht junger Tribe, der gerade an seiner Homepage bastelt.

 

 EINE WELTREKORD DES MITEINANDERS  
 

Tribal-Weltrekordaufstellung mit zwei Weltrekorden - Sylvia Sophia Assmann

Bei den Vorbereitungen zum, im September 2007 stattfindenden, Kölner Stämmelager begann alles mit einer verrückten Idee von André Elbing, bekannt als der „Sultan von Samarkand“ und Joachim „Boyurci“ Sorge, Mitglied der „Mauenheimer Mongolen", dem Plan nämlich, die größte gemeinsam tanzende Tribalgruppe der Welt zu organisieren und mit der Benefizveranstaltung des Stämmelagers zu verbinden. Dieser Weltrekordversuch mit Eintrag ins Guinness Book of Records sollte Publicity für das bereits zum vierten Mal zugunsten der CF-Selbsthilfe Mukoviszidose-erkrankter Kinder stattfindende Kölner Stämmelager sein.
Das Organisationsteam des Kölner Stämmelagers war von der Idee äußerst angetan und stellte spontan das Lager als grandiose Kulisse und das nötige technische Equipment zur Verfügung. André Elbing und Joachim Sorge begeisterten Shahrazad, die „Mütter aller Tribalmütter“ von dieser Idee des Miteinanders so sehr, daß diese sogar eine bereits geplante Veranstaltung dafür verschob. Shahrazad übernahm die tänzerisch-choreographische und spirituelle Leitung des Weltrekordversuches und des Tanzes.
Ein Organisationsaufwand sondergleichen war die Folge. Es ging darum, alle Tribalstämme Deutschlands, der angrenzenden Länder und in allen Kontinenten über den Weltrekordversuch zu informieren und sie zur Teilnahme für den guten Zweck zu motivieren. Umkleidezelte, Getränke und die Unterbringung von ausländischen Tänzerinnen (ein Stamm aus Österreich und zwei Einzeltänzerinnen aus den Vereinigten Staaten hatten sich angekündigt) waren zu organisieren. Drei Tribes reisten bereits Donnerstag und Freitag, z. T. mit eigenen Zelten, am Stämmelager an und nahmen an der feierlichen, rituellen Lagereinweihung und Entzündung des „Lager-Feuers“ durch die anwesenden Schamanen der Kölner Stämme und die Vertreter der Schirmherrschaft teil.
Am Samstagvormittag begann dann das Eintreffen der angemeldeten Tanz-Stämme. Eine schier unendliche Menge an wunderschönen, im Tribalkostüm gewandeten, mit Turban, Tüchern, Schmuck und Gesichtsbemalung versehenen, Tänzerinnen überflutete den Kölner Blücherpark! Ein unvergesslicher Anblick und Eindruck!
Dann war es endlich soweit, alle zum Weltrekord angemeldeten 44 Stämme mit insgesamt 202 Tänzerinnen waren anwesend. Die Stammesmütter versammelten sich um Shahrazad und die Aufstellung wurde besprochen. Tribalunkundige mag die Tatsache faszinieren, dass sich 202 Tänzerinnen ohne großartige Ablaufpläne und Organisation in absoluter Harmonie und Perfektion formieren und miteinander tanzen. Aber das ist eben Tribal! Die Tribes gruppierten sich je nach Größe des Stammes am Turnierplatz des Kölner Stämmelagers und zogen tanzend, sich dem Publikum präsentierend, in einer riesigen Schlange rund um den Turnierplatz bis in die endgültige Tanzposition vor dem großen Lagerfeuer. Unter der Leitung von Shahrazad eröffneten die anwesenden, versammelten Stämme dieses einmalige Ereignis mit dem Tribalgebet. Das Tribalgebet, dessen Worte von Achtsamkeit und Ehrerbietung sprechen, ist Ausdruck der Besonderheit dieses Tanzes. Es folgte ein gemeinsamer Tanz aller Stämme und danach die Solis der einzelnen Tribes: Nacheinander löste sich ein Stamm nach dem anderen aus der großen, die ganze Zeit als Riesenchorus tanzenden Gruppe, ließ die Zuschauer und Tänzerinnen teilhaben an ihrem Tanz und integrierte sich danach wieder in den großen, pulsierenden Tanzkörper. Ein schier unendliches Wechselspiel von kommen, tanzen, „geben“ und wieder eingliedern folgte. Die überwältigende Farben- und Ausdrucksvielfalt der 44 Stämme und 202 Tribaltänzerinnen hinterließ ein beeindrucktes Publikum.
So unterschiedlich die Stämme auch sein mögen im Tanz, in der Gewandung, im Ausdruck, im Stil, verbindet sie doch alle eines: die Tribalphilosophie des Miteinanders und Füreinanders, die in den Worten des Tribalgebetes so wunderbar zum Ausdruck kommt. Die Stämme tanzten ihre Solis zu mitgebrachter Musik oder auf Wunsch zur Livetrommel vom Ibrahim Abo Hassan (D) und Varija (A), die auch schon den Einzug der Tänzerinnen mit ihren Trommeln begleitet hatten. Das verbindende Element zwischen allen Stämmen und Tänzerinnen waren zwei miteinander verknotete Wollfäden in rot und schwarz. Diese Wollfäden galten als „gemeinsames Stammeszeichen“ und vereinten alle anwesenden Stämme zu einem einzigen, riesigen Tribe. Eine Riesenwoge an Gleichklang, Wohlwollen und dem Willen, miteinander für diese gute Sache zu tanzen. Mit dem von Waltraud Arends live gesprochenen Tribalgebet und der namentlichen Vorstellung aller anwesenden Stämme und deren Stammesmütter und dem „Beweisfoto“ für das Guinness Book of Records fand die Weltrekordaufstellung schließlich ihr offizielles Ende! Übrigens, es wurden sogar zwei Weltrekorde: die größte tanzende Tribalgruppe mit 202 Tänzerinnen und der längste Tribaltanz mit 120 Minuten!
Ein Danke an alle Stämme, André Elbing, Joachim Sorge, Shahrazad, das Kölner Stämmelager, Ibrahim Abo Hassan, Varija und alle, die dieses Ereignis zu dem machten, was es war: ein unvergessliches Erlebnis, das auf Wiederholung drängt!
Schade nur, daß viele Stämme das Lager schnell wieder verließen! Welche Energie wäre noch entstanden, wenn die Tribes die Möglichkeit am Turban gepackt und sich die Chance gegeben hätten, sich alle kennen zu lernen und miteinander und füreinander zu tanzen!
Eine wichtige Frage stellt sich nach diesem Erlebnis des Miteinanders und Füreinanders: Welche unendliche Kraft birgt dieses Miteinander? Welche Kraft können wir im gemeinsamen Tanz wecken?



- Sylvia Sophia Assmann ist Leiterin der neuen "Baubo Vibes"

 

 IMPRESSIONEN VON EINER WELTREKORDAUFSTELLUNG
 Nachklang zum Stämmelager in Köln von Mounja 1001
 
 

IMPRESSIONEN VON EINER WELTREKORDAUFSTELLUNG Nachklang zum Stämmelager in Köln von Mounja 1001

Als wir am Freitag den 7.9. im Kölner Blücherpark ankamen, wurden wir sogleich herzlich von Andre`Elbing empfangen, der uns zu unserem Lagerplatz führte und später auch mit köstlichen Erfrischungen aus dem Orient verwöhnte. Kaum war unser Lager errichtet, da fingen unsere Zeltnachbarn aus Linz schon an zu tanzen - die Tribalparty begann.
Immer mehr Tänzerinnen trafen ein und reihten sich in den wachsenden Chorus ein. Neue oder fast vergessene Schritte und Cues wurden ausgetauscht, so daß jede schnell integriert war. Der Tribalgedanke bekam so eine neue Dimension. Als Ibrahim Abu Hassan unsere Trommler verstärkte, war die Stimmung nicht mehr zu toppen.
Auch der Samstagmorgen war voll von arabischen Rythmen, die unsere Beine nicht ruhen ließen und zu weiteren Tanzkreationen anspornten. Gegen Mittag fanden sich immer mehr Stämme in den interessantesten Kostümen ein, nach und nach wurde die Luft erfüllt von der Anspannung auf das bevorstehende Evant.
Um Punkt 15 Uhr begannen sich die Stämme auf Anweisung von Shahrazad zu formieren und nach dem Tribal-Gebet, gesprochen von Waltraud Ahrends, zu den rythmischen Klängen der eigenen Musik oder der Tabla von Ibrahim zu tanzen. In ihren prachtvollen Gewändern, ihrem schweren, antiken Silberschmuck ließen sie gemeinsam ihre Hüften kreisen. Die schlangenartigen, synchronen Bewegungen ihrer Körper, das rythmische Klappern der Zimbeln an den Fingern, der überwältigenden Vielzahl von Tänzerinnen aus über 40 Stämmen, fesselte die Zuschauer über 2 Stunden lang. Ein gigantisches Gefühl, aber auch anstrengend, wenn die Figuren zu schnell wechselten oder nicht klar erkennbar waren. Außerhalb dieses Riesenchorus hatte jeder Stamm 3 Minuten Zeit für sein eigenes Solo zur Verfügung.
Und dann, ganz plötzlich ist er da, der Moment, auf den jeder Stamm hingearbeitet hat. Wir tanzten nach vorn und oh je, eine andere Musik als die, auf die wir uns vorbereitet hatten, erklang. Für einen erfahrenen Tribalstamm kein Problem, aber wir bestanden zu 50% aus Neueinsteigerinnen und standen für eine Improvisation in einer ungünstigen Formation.
3 Minuten, die Zeit läuft und Ibrahim trommelt, ein kurzer Augenblick der Ratlosigkeit, da müssen wir durch. Aber wir sind ein starkes Team und ich hoffe, das konnte man spüren. Jede gab ihr Bestes, und als wir uns wieder in den Chorus einreihten, fiel auch so langsam die Spannung wieder ab und schon bald war leider alles vorbei.
Nun füllte sich unser Lager mit weiteren Tänzerinnen, ein Teppich wurde ausgebreitet und alle fanden Platz für einen Tee und Leckereien. Frisch gestärkt war nun endlich Zeit für einen Rundgang durchs Stämmelager. Die tollen Stände luden zum Kaufen ein, und die Gewandungen und bis ins kleinste Detail liebevoll hergerichteten Lager der Hunnen, Gallier, Wikinger, Mongolen, Tartaren, Normannen, Piraten und Araber waren sehr beeindruckend.
Leider war die Kontaktaufnahme zwecks Partymachen etwas schwierig, da sich die meisten der "Alteingesessenen" eher fürs Schlafen entschieden hatten. Auch das Zirkuszelt mit seiner Discomusik paßte nicht wirklich zu unserer Stimmung, und so ließen wir den Tag zwischen Andrés und unserem Grill ausklingen.
Der Sonntag war erfüllt von Tribaltänzen und Einkäufen, und wenn uns nach Entspannung war, lauschten wir den Märchenerzählungen von André. Ein rundum gelungenes Wochenende ging so langsam zu Ende. Am Abend um 21 Uhr wurde das Lager von den Schamanen, die schon die Eröffnungszeremonien machten, feierlich beendet.

- Mounja 1001 ist die Leiterin des Stammes Ajowan
(www.ajowan.de)

 

 


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