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Tribal Signs - von Marcel Bieger

 

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Tribal Signs - von Marcel Bieger



ALLES DRIN - Einige begeisterte Gedanken zu Arzo Renz‘ grundlegendem Werk „Tribal Signs“

Arzo Renz, „Tribal Signs“, Verlag Zauberfeder, Braunschweig 2008, 400 Seiten, EUR 59,90, ISBN 978-3-938922-18-7

Haben wir auf so ein Buch gewartet? Ja. Und wie. Wie sehr, wird einem erst so richtig bewußt, wenn man darin blättert. In Deutschland haben wir jetzt nicht mehr und nicht weniger als unsere eigene „Tribal Bible“. Nein, falsch, das wäre nur bei einer Kopie zutreffend. Wir halten hier aber etwas Originales in Händen, was es in dieser Form kaum noch einmal auf der Welt geben dürfte. Taufen wir die „Tribal Signs“ also für den Hausgebrauch um auf „Arzo-Almanach.“ („Arzo“ spricht sich übrigens „Ai-so“ auf, was ja auch wieder besser zur Alliteration paßt.).
Warum diese Begeisterung? Arzo Renz, „Mutter“ oder „Frontfrau“ der Gothic-Tribal-Fusion- Formation „Penthesilea“ (nach der gleichnamigen Amazonenkönigin aus dem Trojanischen Krieg), Chefin der Tribalgruppe „Verdandi“, Designerin und sicher noch eine ganze Menge mehr hat etwas vollbracht, was als epochemachend gelten darf. Sie hat die grundlegende Bestandsaufnahme eines ganzen Genres geschrieben, und von nun an wird für alle Debatten, Fragen und Definitionen maßgebend sein, was im „Arzo-Almanach“ steht. Wer in einer Frage anderer Ansicht ist, wird ab sofort die Beweislast auf sich nehmen müssen.
Ohne nun das Inhaltsverzeichnis in seiner ganzen Fülle wiedergeben zu wollen, vermag schon eine Auswahl aus demselben klarzumachen, wie umfassend dieses Werk ausgefallen ist. Arzo behandelt Fragen wie „Kraft, Würde und Gemeinschaft“, die Geschichte des ATS, „Stamm und Tanz“ (Tanz als Gruppenerlebnis, Tanz als Gruppendynamik), Hierarchie- und persönliche Probleme im Stamm, Schmuck (afghanisch, turkmenisch, afrikanisch), Einzeltänze, Formationstänze, Stile, Bewegungsarten, Kostüme, Feuertänze und, und, und. Und als wäre das alles noch nicht genug, gibt es noch illustrierte Tanschritte zu allen nur denkbaren Stilen und verwandten Formen. Wer befürchtet, Gothic und Artverwandtes würden hier im Mittelpunkt stehen, sieht sich (angenehm oder schwer) enttäuscht. Zwar gilt Arzo als eine der führenden Vertreterinnen des Gothic Bellydances, aber als wissenschaftliche Arbeiterin und Sammlerin alter Schule (durchaus positiv gemeint) bemüht sie sich um ein Höchstmaß an Gleichbehandlung und räumt „ihrem“ Stil genauso viel Platz ein wie den anderen. Ein einziges Interview findet sich in dem Buch, und das hat sie mit Ariellah geführt. Nun gehört Ariellah zu den Protagonisten des Dark Bellydances, aber Arzo unterhält sich mit ihr über Wesen und Abgrenzung des Genres, wozu Ariellah dann auch einige gescheite Dinge zu sagen hat. Außerdem ist der Abdruck dieses Gesprächs durchaus statthaft, denn der Gothic oder Dark Bellydance stellt sich im Jahre 2008 als Speerspitze der Bewegung dar. Und mehr als eine Momentaufnahme des aktuellen Zustands kann und will Arzo nicht leisten. Und wer weiß schon, was 2009 kommt.
Ins Auge springt auch die Fülle an Illustrationen. Kaum etwas bleibt unbebildert, und bei den Kapiteln „Schmuck“ und „Tanzschritte“ kann man für all die Abbildungen nur zutiefst dankbar sein. Auch die Komposition der einzelnen Seiten – das Verhältnis zwischen Schrift und Bild, die Anlage der Textblöcke etc. – läßt auf die Handschrift einer wirklichen Designerin schließen. Der hohe Preis mag im ersten Moment schocken. Doch wenn man sich ansieht, was man dafür als Gegenwert erhält, erscheinen 60 EURO durchaus angemessen, und der Blutdruck senkt sich wieder. Um dann aber erneut emporzuschnellen, wenn man in dem Werk blättert.
Ein kluges Buch liegt vor uns, das einen wissenschaftlichen Anspruch stellt (und einlöst), aber dabei dennoch verständlich und für jederfrau geschrieben ist. Ein Kompendium, das nicht mit gewagten Thesen aufwartet, sondern solide Informationen bietet. Wie diese in dem einen oder anderen Fall zu interpretieren oder zu analysieren sind, kann nicht Aufgabe der „Tribal Signs“ sein, und Arzo ist intelligent genug, sich dem weitgehend zu entziehen. Nur so konnte das Werk rund werden und keine Brüche aufweisen. Mögen andere diese Aufgabe auf sich nehmen, die Arena ist seit dem 15. November, dem Erscheinungstag dieses Werkes eröffnet.
Eine ungeheure organisatorische Leistung und Arbeit hat Arzo erbracht und auf sich genommen, und im folgenden Interview klingt an manchen Stellen leise an, wieviel Disziplin, Fleiß, Eifer und Ehrgeiz dazu gehörten, einen „Arzo-Almanach“ zu erstellen. An dieser Stelle auch Glückwunsch an den Verlag „Zauberfeder“ (www.zauberfeder-verlag.de), vielen Lesern und Leserinnen sicher als Herausgeber des Live-Rollenspiel-Magazins „LARP Zeit“ bekannt (und einiger anderer interessanter Bücher). Es ist ein Phänomen der Verlagsbranche, das nur kleine Verlage sich getrauen, sich auf unbekanntes Terrain hinaus und solche Ttitel zu wagen. Die Großen verlassen sich lieber auf Eingefahrenes und Bewährtes.
Im folgenden eine Gespräch mit der Autorin über ihre Arbeit an dem Buch, über einige Schwierigkeiten und das ganze Drumherum des „Arzo-Almanachs“:

INTERVIEW MIT ARZO RENZ

Glückwunsch zu Deinem unglaublichen Werk. Was genau haben wir da vor uns?

Eine Diplomarbeit im Fach Design an der Fachhochschule Dortmund vom letzten Wintersemester (2007/8). Gearbeitet habe ich daran schon länger; man weiß ja, daß man in der eigentlichen Diplomarbeitphase nicht unbedingt alles noch unter Dach und Fach bekommt. Erst als ich eine gewisse Grundlage beisammen hatte, habe ich mich zum Diplom angemeldet.

Du hast sicher eine Note für die Diplomarbeit bekommen?

Eins-Null.

Nochmal Glückwunsch.

(lacht) Danke. Mein Prof war auch ganz begeistert. So eine umfangreiche Arbeit zu dem Thema hatte er noch nicht gesehen, so reich bebildert und so weiter.

Dein Studium ist damit abgeschlossen, oder?

Ja, ich bin jetzt an der FH fertig. Ich bin als Designerin tätig, aber natürlich auch als Tanzlehrerin und Tänzerin. Nebenbei habe ich noch einen Zertifikatsstudiengang laufen für Kulturarbeit und Kreativwirtschaft, Abschlußprüfung im Februar 2008. Das ist nochmal eine Zusatzqualifikation für Leute, die im Kreativbereich tätig werden wollen.

Worum ist es Dir bei dem Buch gegangen, was wolltest Du damit erreichen?

Ein umfangreiches und möglichst komplettes Buch über Tribal Style zu erstellen. So etwas hat mir in der Szene noch gefehlt. Ein Kompendium, welche Stile gibt es, wie sind die entstanden, was kann man für Bewegungen aufnehmen, wie hat sich Tribal entwickelt, und was gibt es da für Möglichkeiten. Hier etwas Grundlegendes zu schaffen, lag mir vor allem am Herzen, denn es gibt ja vielfach Streitigkeiten darüber, was ist Tribal Fusion, oder was ist Gothic Tribal und so. Viele reden da auch aneinander vorbei. Eigentlich meinen sie zwar dasselbe, aber wissen nicht genau, wie man das richtig beschreibt. Da eine Hilfestellung zu bieten, darum ist es mir auch gegangen. Solche Dinge sind mir immer häufiger aufgefallen, und da dachte ich mir, versuch das jetzt mal alles in einem Buch zusamenzufassen.

Das ist Dir ja auch gelungen. Ist Dein Werk komplett, oder fehlt noch etwas?

Pfft, was Grundlegendes, Wichtiges fehlt eigentlich nicht. Man könnte überall noch jede Menge hinzufügen oder weiter ausarbeiten. Ich hätte noch für tausend Seiten Material gehabt, aber das hätte den Buchumfang gesprengt...
Wie dem auch sei, eine zweite überarbeitete Auflage ist nicht ausgeschlossen. Das sieht der Verlag auch so. Wenn etwas korrigiert werden müßte oder Lücken auftauchen, die gefüllt werden sollen, dann wird es sicher eine zweite Auflage geben. Hängt ganz davon ab, welches Echo das Buch in der Szene auslöst. Vielleicht werden dann ein paar Bilder rausgenommen und dafür etwas mehr Info-Text reingenommen. Dabei kommt es aber auch darauf an, ob die erste Auflage weggeht.

Wie hoch ist die denn?

500 Exemplare. Wir haben überlegt, wie groß ist die Tribal-Szene, und so riesig ist sie ja nun einmal nicht. Deswegen haben wir mit 500 begonnen, und wenn die weg sind, wird eben nachgedruckt, das ist ja kein Problem. In den letzten zwei Wochen sind sehr viele Exemplare gekauft worden, und der Verlag und ich, wir hätten selbst nicht gedacht, daß TRIBAL SIGNS gleich so abgeht. Die mußten beim Verlag jetzt extra noch jemanden einstellen, der die Bücher verpackt und rausschickt. Die sind da nicht mehr nachgekommen ...

Du schaffst also auch noch neue Arbeitsplätze.

(lacht) Ja, habe ich mir auch gedacht.

Wie war denn überhaupt die Zusammenarbeit mit dem Verlag Zauberfeder?

Super, also mit einem Wort, super. Mit meinem Buch gab es vom Verlag aus überhaupt keine Probleme. Sie haben mir dort unheimlich viele Freiheiten gelassen. Sowohl beim Layout, wie auch bei anderen Sachen. Ich wollte unbedingt den Vorsatzdruck vorne / hinten haben, habe ich bekommen. Dann wollte ich für das Buch einen runden Rücken, und den habe ich auch bekommen. Auch das Cover wollte ich selbst gestalten, kein Problem, sie haben mir noch eine eigene Lektorin gegeben. Also mit dem Verlag hatte ich überhaupt keine Probleme. Ganz so ohne lief es nur mit der Druckerei nicht. Das hat nicht so geklappt, wie es hätte sein sollen, sie hatten wohl Schwierigkeiten mit dem Papiereinzug. Einige von den Büchern hatten zu knitterige Seiten. Das ist halt nicht so gut gelaufen.

Das sind doch in der Regel die Exemplare, die die Rezensenten bekommen.

Na, das waren aber jetzt relativ viele Fehldrucke (lacht), jedenfalls mehr als Rezensenten. Ich habe hier gesessen und die eingeschweißten Exemplare ausgepackt. Die kamen so an, und weil uns schon Fehldrucke aufgefallen waren, mußten wir bei allen nachschauen. Einige Bücher waren schon raus, und da haben wir erboste Anrufe bekommen, von wegen „ich möchte ein neues Exemplar, weil in meinem alles Mögliche verknickt ist.“ Der Verlag hat dann auch anstandslos ein neues Exemplar rausgeschickt. Doch abgesehen von dieser Panne ist eigentlich alles gut gelaufen.

Wo kann man TRIBAL SIGNS erwerben?

Direkt beim Verlag Zauberfeder (www.zauberfeder-shop.de), über Amazon und über die Händlerin Shaila (www.shaila.de), die noch mit im Vertrieb ist. Sie besucht alle Messen und Großveranstaltungen, und deswegen ist es ganz praktisch. Sie hat stets ein Anschauungsexemplar dabei, und dann können die Frauen auf solchen Veranstaltungen schonmal in das Buch hineinschauen und sich einen Eindruck verschaffen. Shaila ist superlieb und macht das auch sehr schön mit dem Verkauf. TRIBAL SIGNS bekommt bei ihr auf dem Tisch immer einen Ehrenplatz, und jetzt in der vergangenen Woche waren sie und ich in Duisburg bei den Veranstaltungen von Layla Jouvana. Da war ich bei Shaila am Stand, habe Bücher signiert und mit den Frauen gesprochen, die sich dafür interessiert haben. Ich war richtig in ihren Stand integriert, und das ist super gelaufen, ich habe mir nach dieser Woche allerdings eine Halsentzündung geholt. (Lacht) Shaila und ich haben sozusagen voneinander profitiert.

Kommen wir noch einmal auf den Inhalt des Buchs zu sprechen. Wie ist der Forschungsstand auf diesem Gebiet in Deutschland, was gibt es da noch an grundlegenden Werken?

Nach meinem Erkenntnisstand, also was ich herausgefunden habe, gibt es auf Deutsch überhaupt nichts Grundlegendes. Es finden sich einige Bücher über Bauchtanz, die das Thema von verschiedenen Seiten angehen, aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Im englischsprachigen Bereich findet sich natürlich wesentlich mehr, vor allem die „Tribal Bible“. Die haben sich auch bei uns viele Frauen gekauft, auch wenn sie kein Englisch verstehen. Aber das mußte man damals eben haben. Also kann ich in aller Bescheidenheit behaupten, daß TRIBAL SIGNS das erste deutschsprachige Buch ist, welches das ganze Genre und Thema zusammenfaßt.
Und damit wären wir schon bei einer der Schwierigkeiten in der Recherche. Es war nicht einfach, an grundlegende Informationen über die deutsche Szene zu kommen. Die Informationen aus Amerika sind recht eindeutig, aber bei dem was man aus deutschen Landen zu hören bekommt ... hm ... da findet man verschiedene Informationen über denselben Punkt. Frag zwei Frauen etwa über Tribal, und du erhältst drei verschiedene Antworten. Das ist schon wirklich auffällig. Über die einzelnen Sachverhalte bekommst Du in den USA und in England relativ einhellige Antworten, während sie bei uns total unterschiedlich sind. Deswegen war es etwas schwierig, da für den Bereich Deutschland einen Konsens zu finden.

Den hast Du doch jetzt hergestellt. In Zukunft wird man sagen, in TRIBAL SIGNS steht das aber so drin, da wird das so und so definiert. Und wenn jemand anderer Ansicht ist, muß sie dafür den Beweis antreten.

(lacht) Ich hoffe, daß etwas hängenbleibt. Aber jetzt ist das Buch nun einmal geschrieben und nicht mehr rückgängig zu machen. Das ist ja das Tolle an Büchern, wenn es einmal da geschrieben steht, dann steht es da geschrieben.

Bei welchem Punkt oder Thema bist Du auf die meisten Schwierigkeiten gestoßen?

Nun, erstmal bei der deutschen Tribal-Szene selbst. Das war dann eine richtige Fleißarbeit, mit Anrufen, Briefen und E-Mails diese oder jene Frau zu kontaktieren. – Ganz und gar nicht einfach war es auch, für das Schmuck-Kapitel an die gesuchten Informationen zu kommen. TRIBAL SIGNS hat ja einen sehr umfangreichen Teil über afghanischen. turkmenischen und afrikanischen Schmuck. Hier ergaben sich Probleme daraus, daß die einzelnen Teile noch kaum richtig katalogisiert und mit Namen benannt sind. Da bin ich aber auch auf richtig tolle Informationen gestoßen, Bücher, zum Beispiel persische Wörterbücher, aus denen man die Namen für die einzelnen Schmuckstücke herausfinden konnte. Das war sehr arbeitsaufwendig, die ganzen Bezeichnungen der Schmuckstücke und ihre Abgrenzung voneinander herauszufinden. Da habe ich mir ziemlich einen abgebrochen, allein schon bei den verschiedenen Umschriften für die Aussprache, da ist man nach einer Weile ganz wirr im Kopf.

Trotz der unbestreitbaren Güte Deines Buches würde ich doch gern eine Sache anmerken. Wenn man sich die Photos von den Tänzerinnen ansieht, fällt einem gleich auf, daß die nur von drei Gruppen stammen – Penthesilea, Verdandi und Perlatentia. Hat das einen besonderen Grund? Ich meine, es gibt doch Dutzende von Gruppen und Stämmen in Deutschland.

Die Frauen aus diesen Gruppen haben mir für das Buch als Photo-Modelle zur Verfügung gestanden, und sie sind neben einigen Einzelmodellen wie Alisha oder Kerstin wirklich als einzige Stämme vertreten. Das hat aber seinen Grund: Ich habe auch mit anderen Stämmen und Gruppen Photos angefertigt, habe mit ihnen im ständigen Austausch gestanden und hatte auch von ihnen viel Bildmaterial zur Verfügung. Woran es gehapert hat, war eine simple Unterschrift. Ich muß von allen Menschen, die ich in meinem Buch abbilde, eine unterschriebene Einverständniserklärung erhalten, daß ich ihr Photo abdrucken, daß ich ihre Bilder für mein Buch benutzen darf. Ich habe mit insgesamt fünf weiteren Gruppen Photos gemacht, aber die sind, salopp ausgedrückt, nie aus dem Quark gekommen. Ich habe von ihnen keine Unterschrift bekommen. Das war jetzt nicht etwa so, daß sie Bedenken gehabt hätten, denn sie wollten ja schon ins Buch. Ich vermute eher, daß da ein klein bißchen Tranigkeit hintergesteckt hat. Ich habe sie immer wieder ermahnt und gebeten, Mädels, ich brauche eure Unterschrift. Wirklich, bis zum letzten Drücker, Ende August 2008. Aber da ist einfach nichts gekommen.
Schweren Herzens habe ich dann geschrieben, Leute, tut mir total leid, aber ohne eure Unterschrift bin ich rechtlich nicht abgesichert, das Manuskript geht jetzt ohne Eure Photos an den Verlag. Ich nehme eure Bilder raus und layoute das Buch um. Das war wirklich schade, aber was soll man machen. Das war dann für mich auch noch ein ziemlicher Akt, weil ich dann ganz viele Kapitel umlayouten mußte. Du kannst dir das sicher vorstellen, die Bilder rausnehmen, neue auswählen, unter Umständen paßt der Text dann so nicht mehr, also da auch was rausnehmen und umlayouten ... das hat mir dann wenige Wochen vor Abgabetermin noch ein paar zusätzliche Nachtschichten beschert. Das ist übrigens auch der Grund, warum nur von drei Gruppen Photos enthalten sind. Aber es ist ja auch so ein schönes Buch geworden.

Unbedingt! Wer hat das Interview mit Ariellah und das Vorwort von Julia R. Zay übersetzt? Solche Angaben gehören eigentlich ins Impressum.

Die hat mein Freund übersetzt, und das Interview wurde Ende Dezember 2007 geführt. Das hört sich jetzt an wie sehr lange her, aber das Buch ist ja eigentlich eine Diplomarbeit, und die mußte bis Februar 2008 fertig sein. Im April hatte ich meine Abschlußprüfung, aber das Buch mußte ja schon zwei Monate vorher in die Druckerei und zur Buchbinderin. Im Januar habe ich das Ariellah-Interview gelayoutet, das war dann auch relativ knapp.

Dafür ist es aber gut geworden, Ariellah sagt wirklich einiges zum Genre und den einzelnen Spielarten. Wie neu ist denn das Vorwort von Julia?

Mal überlegen, das muß Juli oder August dieses Jahres gewesen sein. Sie hat das Manuskript von mir geschickt bekommen, sich das reingezogen und dann das Vorwort geschrieben. Und das Vorwort habe ich dann in die Verlags-Version eingebaut. Es gibt zwei Versionen von meinem Buch, die Diplom- und die Verlags-Version. In der Diplom-Version steht das Julia-Vorwort noch nicht drin, dafür finden sich darin noch Bilder von anderen Gruppen. Ich bin sehr stolz auf das Vorwort von Julia, sie ist schon in der Entstehungsphase ein unheimlich wichtiger Kontakt gewesen. Ich finde auch die kleinen Seitenhiebe, die sie verteilt, ganz klasse, sie darf das ja auch, ich als Autorin muß etwas Rücksichtnahme üben, aber sie darf reden, wie ihr der Schnabel gewachsen ist.

Wie fühlst Du Dich jetzt?

(lacht) Erstmal erleichtert, jetzt ist das Buch weg. Anderthalb, ja, man kann sagen, zwei Jahre nur Streß liegen hinter mir. Erst die Prüfungen und so weiter, nach der Diplomarbeit als Designerin tätig sein und Geld verdienen und in der Freizeit am Buch weiterarbeiten, es war einfach superstreßig. Als das Buch dann vor ein paar Tagen vom Verlag ankam, war ich nur noch erleichtert. Das hast du jetzt hinter dir, habe ich mir gesagt. Erst jetzt merke ich, daß auch danach noch viel Arbeit auf einen wartet. Ursprünglich hatte ich gedacht, so jetzt hast du Ruhe, aber nun muß ich noch die Internetseite basteln und Flyer entwerfen, muß mir überlegen, wo ich hinfahre und das Buch vorstelle.
Nicht zu vergessen die vielen Leute, die was wissen möchten. Da kriegt man mit einem Mal viele Mails mit Anfragen und so. Da wartet mit einem Mal nochmal viel Arbeit auf mich. Ich meine, es ist natürlich auch schön, wenn man viel Feedback kriegt und alle möglichen Leute einen fragen, was machste so und erzähl mal dies oder erzähl mal jenes. Am Wochenende hatte ich am Stand auch viele Diskussionen. Als ich die Messe dann hinter mir hatte, hatte ich nur noch Kopfschmerzen. Zwischendrin war das große Interesse ein sehr schönes Gefühl, aber hinterher wollte ich nur noch nach Hause.

Aber sicher bist Du doch auch stolz.

Sehr sogar, sehr stolz darauf, ein so dickes Buch geschafft zu haben. Ich habe ja auch viel dabei gelernt, nicht nur vom Design-Standpunkt, sondern auch durch all die Bücher, die ich für mein Werk gelesen habe. Die haben mir wirklich viel gebracht. Über Bauchtanz, über indischen Tanz, afrikanischen , Schmucksorten und so weiter. Das war wirklich alles sehr erhellend, hat mich geprägt und gebildet. In TRIBAL SIGNS steht nicht alles drin, was ich mir angelesen habe, einiges mußte ich ja auch extrem raffen und zusammenfassen.

Ein Aspekt an Deinem Buch hat mir besonders gefallen, daß Du die innere Größe gehabt hast, nicht Dich selbst auf den Titel zu bringen, sondern jemand anderen dort abzubilden („Maybe“ von Penthesilea).

Ich wollte von Anfang an jemand anderen auf den Titel setzen, und die Eva („Maybe“) hat sich auch super dafür angeboten, denn sie arbeitet ja als Model. Sie ist fast jedes Wochenende als Model unterwegs und läuft in ganz Europa auf den Laufstegen herum. Die hat das einfach drauf. Auch bei den anderen Bildern von ihr im Buch merkt man gleich, daß sie Model-Erfahrung hat, gewisse Model-Charakteristika drauf hat. Deswegen habe ich da auch gern mit ihr zusammengearbeitet. Ich wollte auch nicht mich selbst aufs Cover setzen, das hätte ich total arrogant gefunden, ganz ehrlich. Im Buch selbst sind ein paar Bilder von mir, aber man sieht mich nicht allzu oft.

Wie sehen Deine weiteren Pläne auf diesem Sektor aus?

(lacht) Also, äh, ich wollte das Buch jetzt erstmal sacken lassen. Und vielleicht mache ich danach noch eins. Das möchte ich aber davon abhängig machen, wie TRIBAL SIGNS läuft. Es scheint sehr gut anzukommen, und es hat sich wohl auch schon sehr gut verkauft. Aber es ist eben der Erstling, und da ist man lieber vorsichtig. Ich werde aber schon weiteres Material sammeln, ich habe auch wegen Interviews angefragt. Also vielleicht gibt es noch ein zweites Buch, aber da ist das letzte Wort noch nicht drüber gesprochen. Das wäre natürlich auch eine Zeitfrage, denn man weiß ja auch nicht, wie es beruflich so wird. Das neue Werk würde dann natürlich unter einem anderen Schwerpunkt stehen. TRIBAL SIGNS steht ja unter dem Thema ATS, und da ist ja nun auch sehr viel drüber gesagt, deswegen könnte ich mir gut vorstellen, daß der Folgeband urbane Stilistiken beinhaltet, eben Fusion und die ganzen modernen Tanzrichtungen, die in den letzten Jahren dazugekommen sind. Natürlich ist in TRIBAL SIGNS auch schon das eine oder andere darüber drin. Das Buch ist ja sozusagen eine Bestandsaufnahme des aktuellen Standes. Wenn aber jemand nächstes Jahr was ganz neues erfindet oder neue Ingredienzien hinzufügt, müssen die eben bis zum zweiten Buch warten.

Eine allerletzte Frage: Hat „Penthesilea“ irgendwie unter Deinem Buch „gelitten“?

Nöööh, auf keinen Fall. Wenn es etwas gibt, was ich nicht vernachlässige, dann meine Tanzgruppen. Eher mein Freund hat drunter gelitten (lacht), aber die Tanzgruppen nicht. Penthesilea geht es überhaupt gut, auch wenn eine von uns einen Unfall hatte und länger ausfallen muß. Wir haben schon einige Termine für 2009 (http://penthesilea-gothic.de) wir werden wieder in Hannover dabei sein und auch im Rahmen der Gothic-Tage in Leipzig auf einer Tanzveranstaltung auftreten. Überhaupt wollen wir im kommenden Jahr wieder mehr in der Schwarzen Szene machen, da hängt unser Herz dran. Wir machen zwar auch einiges in der Bauchtanz- und Tribal-Szene, aber wir haben beschlossen, den Schwerpunkt auf Schwarze Events zu legen. Gothic soll nicht nur in die Tanzszene kommen, wir möchten auch Gothic Tribal in die Schwarze Szene tragen, das ist uns ziemlich wichtig.

- Das Interview führte Marcel Bieger Anfang Dezember 2008. Die Autorin hat ihr Buch mit Leib und Seele geschrieben. Sie ist deswegen auch gern bereit, mit Kolleginnen und anderen Interessierten zu diskutieren und Fagen zu beantworten. Wenn Ihr sie nicht auf irgendeiner Veranstaltung antrefft, schreibt sie doch an unter: info@tribal-signs.com www.tribal-signs.com

Nicht nur Großereignisse oder besondere Schicksale sind es einer besonderen Behandlung wert, sondern auch Meilensteine, die ein Genre bestimmen und ausmachen. Wie eben das Buch „Tribal Signs“. Deswegen erscheint dieser Beitrag relativ zeitgleich auch auf der Seite „Orientalika“ (www.orientalika.de, um möglichst viele Leser und Leserinnen zu erreichen.

“ – Marcel Bieger ist Redakteur des „Oriental Cosmos“.

 


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